Zugegeben: Ganz einfach ist er nicht zu handlen. Aber ich sag mal so: Einer Liga, die Spieler wie Marko Arnautovic, Stefan Effenberg oder (ganz früher) Paul Breitner "überstanden" hat, sollte vor einem ​Mario Balotelli nicht bange sein.


Ab kommenden Winter soll er also wieder zu haben sein. Das hat zumindest der Präsident von Brescia Calcio, Massimo Cellino, angekündigt. "Mario ist traurig, weil er hier sein Spiel nicht durchziehen kann", sagte Cellino gegenüber der Marca. "Gegen den Abstieg zu spielen erfordert sehr viel Opferbereitschaft, und vielleicht dachte er, dass das alles einfacher werden würde."


Nach Brescia war Balotelli im vergangenen Sommer förmlich aus Frankreich "geflohen", weil er auch dort während seines zweieinhalbjährigen Gastspiels - mit den Stationen OSC Nizza und Olympique Marseille - nicht auf einen grünen Zweig gekommen war. 


Odyssee durch halb Europa


Begonnen hatte 'Balo' seine unregelmäßige Karriere in der Jugend von Inter Mailand. Im zarten Alter von 20 Jahren wagte der egozentrische Stürmer mit den bisweilen bizarr anmutenden Charakterzügen den Sprung in das Haifischbecken Premier League. 


29,5 Millionen Euro ließ sich Manchester City das noch uneingelöste Versprechen kosten. Allein: Der Spieler sollte den Vertrauensvorschuss nie zurückzahlen. Zwar stimmten seine Zahlen bei den Citizens einigermaßen - 37 Torbeteiligungen (30 eigene Treffer) in 80 Spielen für die Skyblues sind fürwahr keine schlechte Quote. Aber es gibt halt neben dem Spieler auch den Menschen Mario Balotelli. 

Manchester City's Italian striker Mario

Und der stand sich Zeit seines (Profi-)Lebens immer wieder selbst im Weg. Undiszipliniertheiten reihten sich aneinander wie Perlen an der Kette. Negativer Höhepunkt in Manchester war sicherlich die Rangelei auf dem Trainingsplatz mit seinem Coach Roberto Mancini im Januar 2013. Kurz darauf brach der Stürmer nach zweieinhalb Jahren seine Zelte in England wieder ab, und kehrte nach Italien zurück. Nur um sich weitere eineinhalb Jahre später erneut Richtung Insel zu verabschieden. Diesmal probierte es der FC Liverpool, den schwierigen Charakter zu bändigen. Am Ende genauso erfolglos wie die Klubs zuvor. 


Nach einer weiteren zwischenzeitlichen Leihstation beim AC Mailand, beendeten beide Parteien im Sommer 2016 ihre gemeinsame Zusammenarbeit, und Balotelli startete den x-ten Neuanfang in der französischen Ligue 1. Und auch aus dieser Liga ist Balotelli schon wieder weg. 


Sein Traum, in seinem Heimatland Italien (Balotelli wurde in Palermo als Sohn ghanaischer Einwanderer geboren) wieder zurück in die Spur zu finden, scheint jedoch auch schon wieder geplatzt zu sein, bevor er überhaupt Konturen annehmen konnte. Sportlich konnte er bislang die Erwartungen der Fans nicht erfüllen (zwei Tore in acht Spielen) - und menschlich konnten einige sogenannte Fans wiederum nicht mit den Vorstellungen des Spielers korrespondieren. ​Seit seiner Rückkehr auf den Stiefel wurde Balotelli schon mehrmals Opfer rassistischer Schmähungen.


Wohin zieht es Balotelli im Winter?


Jetzt steht Balotelli - wieder einmal - vor einem Scheideweg. Mit der Zusicherung seines Präsidenten im Rücken, wird es im nächsten Winter-Transferfenster sicherlich Bewegung in der Personalie geben. Und vielleicht wäre 'Balo' ja sogar jemand für die ​Bundesliga. Eine Attraktion sportlicher Natur würde er auf jeden Fall darstellen. Nur muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass er sich mit diesem Spieler keinen pflegeleichten Musterprofi ins Haus holt. 


Andererseits ist der Typ Balotelli genau der, der, wie es früher so schön hieß, in gewissen Momenten den Unterschied ausmachen kann. Hierzulande erinnern wir uns noch mit Schaudern an seinen Doppelpack im Halbfinale der Europameisterschaft 2012. Wohin es den 29-jährigen Angreifer auch immer ziehen mag - wir können davon ausgehen, schon bald wieder von ihm zu hören. So oder so.