Frisches Gerücht aus dem Blätterwald: ​Jadon Sancho könnte den BVB bereits im Winter gen Liverpool verlassen. Spicy! Als tatsächlich eingefleischter Fan der Borussia muss ich gestehen: Den Jungen würde ich höchstpersönlich mit dem Fahrrad an die Anfield Road karren. Und das aus guten, wenn auch nicht rationalen Gründen.


Aus "sehr guter Quelle aus Deutschland" will Sky-Experte Jan Aage Fjortoft erfahren haben, dass Jadon Sancho den ​BVB im Winter verlassen will. Und entgegen der bisherigen Berichterstattung soll nicht Manchester United, nicht Barcelona oder Real Madrid, sondern der FC Liverpool die Finger in der Keksdose haben. Wer wissen will, was an dem Gerücht dran ist, der sollte auf der nächsten Pressekonferenz einfach mal Jürgen Klopp direkt ansprechen (und in dem Fall so schlau sein, möglichst nicht in der Reichweite des Pöhlers zu sitzen). Wir jedenfalls können in der Thematik auch nicht mehr Licht ins Dunkel bringen. Ein nettes Gedankenspiel ist es aber allemal.


Liverpool und Sancho: Das schmeckt!


Jadon Sancho in Rot (und zwar beim FC Liverpool und nicht in Manchester) - das ist schon eine geile Vorstellung! In Worten hieße das: Jadon Sancho, Mohamed Salah, Sadio Mane, Roberto Firmino. Gute Nacht. Auf der anderen Seite würden 100 Millionen Euro und ein paar Zerquetschte nach Dortmund fließen. Damit kann der BVB im Winter auch nicht viel anfangen, aber sei's drum. Hand aufhalten, brav Danke sagen und die Juwelen ziehen lassen - das hat schon Tradition in Schwarz und Gelb. Und es ist ja auch nicht so, dass man in Dortmund für die nächsten paar Jahre mit Sancho geplant hätte; dass das Talent den BVB spätestens im Sommer verlassen wird, ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Die paar Monate machen den Kohl auch nicht mehr Fett.


Kommen wir zu den nicht so rationalen Gründen, warum ich als BVB-Fan ebenfalls brav Danke sage. 


Jadon Sancho ist in dieser Saison das Herzstück der Dortmunder Offensive. Das hat mit der Existenzkrise von Marco Reus, der Verletzungsanfälligkeit von Paco Alcacer und der Kennenlernphase von Thorgan Hazard und Julian Brandt zu tun. Aber Butter bei die Fische: Auch Jadon Sancho kann diese Saison nicht mehr grade biegen. Oder anders ausgedrückt: Ob der BVB die Kurve kriegt, hat eher weniger mit Jadon Sancho zu tun. Der Engländer bringt  seine bockstarken Leistungen (Ausnahmen, die bei einem 19-Jährigen zum Programm gehören, seien dahingestellt), ist für mich aktuell aber noch kein Spieler, der die Mannschaft tragen kann. Dass er das Klima im Team durch seine Disziplinlosigkeiten gefährdet, halte ich für überzeichnet. Und überhaupt: Diese "Disziplinlosigkeiten" sind Verspätungen oder andere Scharmützel in der Größenordnung. Ich wiederhole: Der Junge ist 19 Jahre alt. Dass die Medien und der Verein diese Thematik so hochsterilisieren, hat nicht zuletzt mit den Erfahrungen jüngerer Vergangenheit zu tun (Stichwort: Dembele und Aubameyang).


Jadon Sancho ist ohne Frage ein herausragender Spieler und für sein Alter extrem reif auf dem Platz. Als 19-Jähriger kann er den Verein aber nicht auf seinen Schultern balancieren; das ist auch nicht seine Aufgabe. In dieser verkorksten Saison wäre ein frühzeitiger Abgang des Engländers daher sogar verschmerzbar. Klar, die Frage, ob der BVB seine Stars nicht halten kann und oder sich Sancho sogar aus seinem Vertrag gestreikt hat, wird in Dortmund aufkommen. Damit muss man an der Strobelallee leben, so hart das auch klingen mag - immerhin lässt sich der BVB diese Bürde ja auch gut bezahlen. 


Sancho lässt ManUnited, Real und Barcelona links liegen - schmeckt ebenfalls!


Was mir als BVB-Fan schmeckt: Sancho geht nicht zu Manchester United, ​Real Madrid oder dem FC Barcelona - sofern wir davon ausgehen, dass tatsächlich der FC Liverpool das Rennen macht. Durch die schwarz-gelbe Brille betrachtet wäre ein Wechsel zu ManUnited kein sportlicher Fortschritt. Das grämt die Fan-Seele. Barcelona und Madrid sind natürlich eine andere Kragenweite. Aber irgendwie auch ein alter Hut. Das wäre fast so langweilig, als wenn Sancho zu den Bayern wechseln würde. Aber Liverpool - das ist sexy! Und was nicht unter den Tisch fallen soll: Da sägt ein gewisser Jürgen Klopp an der Seitenlinie. In jedem BVB-Fan (ich erlaube mir mal diese Verallgemeinerung) steckt genug Jürgen Klopp, um zumindest mit den Reds aus Liverpool zu sympathisieren. Sancho bleibt also quasi in der Familie; ich sagte ja: wir verlassen ein wenig die rationalen Sphären.


Schön und gut - und damit ist das Märchen eigentlich auch auserzählt. Für die Pappnasen unter euch, die nur Anfang und Ende eines Artikels lesen, gibt's hier nochmal die Zusammenfassung: Jadon Sancho wird den BVB früher oder später verlassen und hat sportlich noch nicht so viel Gewicht, als dass sein Abgang nicht verschmerzbar wäre. Und ein Wechsel nach Liverpool kommt Jürgen Klopp - und damit auch dem nostalgischen BVB-Fan (und Hans-Joachim Watzke) zugute. Und deshalb schraube ich schnell einen Beifahrersitz an meinen Drahtesel und fahre Jadon Sancho höchstpersönlich rüber auf die Insel.