​Der BVB hat am Wochenende einen ersten, wenn auch ganz, ganz kleinen Schritt raus aus der Krise gemacht. Vor allem Lucien Favre überraschte - endlich mal! - positiv.


Auch wenn die BVB-Bosse vor dem Spiel gegen ​Hertha BSC noch treu zu Lucien Favre gehalten hatten, so war man sich allerorts einig, dass die Partie bei der Alten Dame zum ultimativen Schicksalsspiel des Schweizers werden würde. Kein Sieg, und Favre ist weg - so der allgemeine Tenor unter den schwarz-gelben Fans.


Am Ende wurde es dann auch tatsächlich ein Sieg. Schön war dieser zwar nicht anzuschauen (was auch an der Gelb-Roten Karte von Mats Hummels lag), doch in Dortmund lautet nach der Talfahrt ohnehin das Motto: besser dreckig gewinnen als in Schönheit zu sterben. Natürlich ist klar, dass der ​BVB am kommenden Wochenende gegen Fortuna Düsseldorf nachlegen muss - ein Sieg ist hier Pflicht, am besten diesmal auch mit einer gehobeneren Spielkultur. Ansonsten gehen die Favre-Diskussionen von vorne los. Und lange kann es dann einfach nicht mehr gutgehen.

Jadon Sancho

Favre zeigt Einsicht gegen Hertha - und vertraut Zagadou


Doch jener Favre, dem nicht nur in dieser Saison, sondern quasi in seiner gesamten Karriere eine gewisse Sturheit nachgesagt wird, hat offenbar dazu gelernt. Hat sich von seinem altbekannten Muster getrennt und mal was getraut - in seinem Schicksalsspiel (wenn nicht dort, wo auch sonst?). 


Gegen die Hertha bot Favre nämlich ENDLICH mal Dan-Axel Zagadou auf, der von den eigenen Fans und auch von meiner Seite schon seit Wochen gefordert wird, aber von Favre konsequent und Spiel für Spiel (unverständlicherweise!) auf die Bank gesetzt wurde. ​Und der Franzose belohnte seine Startelf-Nominierung in Berlin mit einem bärenstarken Spiel!

FBL-GER-BUNDESLIGA-HERTHA BERLIN-DORTMUND

Hinzu kommt, dass Favre offensichtlich eingesehen hat, dass es ganz gut wäre, mal auf das Leistungsprinzip zu vertrauen und formschwache Spieler wie Nico Schulz und Mahmoud Dahoud (die in den letzten Wochen konstant enttäuscht hatten) draußen zu lassen. Der zuletzt ebenfalls völlig überforderte ​Julian Weigl war aufgrund von muskulären Spielen für das Spiel in der Hauptstadt ohnehin ausgefallen.


BVB mit Dreierkette als Überraschung


Garniert wurde die Personalauswahl, die beim Großteil der BVB-Fans seit Langem mal wieder auf Wohlgefallen gestoßen war, mit einer taktischen Variabilität Favres. Denn anstatt im abgekauten 4-2-3-1-System zu spielen, setzte der Schweizer gegen die Hertha plötzlich auf eine defensive Dreierkette. Davor sicherte mit Axel Witsel nur ein Sechser ab, offensiv hatte das Vierergespann um Marco Reus, Jadon Sancho, Thorgan Hazard und Julian Brandt ein wenig mehr Freiheiten als sonst. Und siehe da - es lief! Noch nicht herausragend, aber zumindest besser als in den vergangenen Wochen (was zugegebenermaßen auch nicht besonders schwierig war). 


Favre dürfte somit einige Erkenntnisse aus dem Hertha-Spiel mitgenommen haben (zumindest ich habe sie als solche erkannt):

  1. Zagadou ist bockstark und sollte (immer) spielen
  2. Man kann sein System auch flexibel gestalten und Spielern mehr Freiheiten geben - das wird dann häufig doch belohnt
  3. Ohne formschwache Spieler wie Schulz, Weigl und Dahoud läuft es deutlich besser


Sollte Favre jetzt noch zu der Einsicht kommen, dass im Winter ein weiterer Mittelstürmer​ her muss...na gut, allzu sehr will ich es dann doch nicht übertreiben mit der Lernfähigkeit des BVB-Trainers. 


Ein erster Schritt ist beim BVB auf jeden Fall gemacht, doch das darf nur der Anfang sein. Gegen Düsseldorf kann Favre dann bestätigen, dass er wirklich dazu gelernt hat. Oder war das Hertha-Spiel nur ein kleines Strohfeuer?