​Der ​VfB Stuttgart wähnte sich nach dem ​3:0-Derbysieg gegen den Karlsruher SC wieder zurück in der Erfolgsspur, musste nun am Sonntag beim Spiel gegen den SV Sandhausen aber bereits die dritte Auswärtsniederlage in Folge hinnehmen. Dabei offenbarten die Stuttgarter altbekannte Probleme und brachten so die eigenen Fans wieder gegen sich auf.


Wenn man so will, hatte Kapitän Marc Oliver Kempf durch sein ​komplett irrsinniges Foulspiel in den Schlussminuten gegen den Karlsruher SC die Niederlage bei den Sandhäusern bereits  eingeleitet. Der Ausfall des Innenverteidigers brachte völlig ohne Not wieder Unruhe in die Hintermannschaft der Schwaben. Sein Vertreter Nathaniel Phillips war dabei kurioserweise nicht einmal der größte Unsicherheitsfaktor beim VfB. Vielmehr leistete sich ausgerechnet Pascal Stenzel seinen ersten wirklich schwachen Auftritt für seinen Leihklub und sah alles andere als gut aus.


VfB in Sandhausen: Schläfrigkeit in den Anfangsminuten


Bereits nach nicht einmal einer Spielminute ließen sich die Stuttgarter bei einer Standardsituation düpieren und rannten so von Beginn an einem Rückstand hinterher. Auch der zweite Treffer der Gastgeber resultierte erneut aus einer Ecke. Die Hintermannschaft der Stuttgarter ließ dabei in beiden Situationen jegliche Spannung vermissen und agierte vielmehr komplett kopflos.


Diese Laissez-faire-Einstellung der Schwaben ist umso merkwürdiger, wenn man sich an die warnenden Worte von Chefrainer Tim Walter erinnert, der im Vorfeld explizit die Standardstärke der Badener unterstrichen hatte. Verinnerlicht hatten die Stuttgarter diese Predigt aber allem Anschein nach überhaupt nicht und brachten damit auch den sonst so besonnen agierenden Sportdirektor Sven Mislintat zur Weißglut. "Wir müssen es hinbekommen, in den ersten zehn Minuten kein Gegentor zu kassieren", wird der spürbar angefressene Kaderplaner von den Stuttgarter Nachrichten zitiert.

Viel Ballbesitz - kaum Ertrag


Trotz oder gerade wegen der frühen 2:0-Führung der Sandhäuser entwickelte sich in der Folge ein typisches VfB-Spiel unter Tim Walter. Nach Abpfiff sprachen wie gewohnt fast alle Zahlen für die Stuttgarter - nur eben nicht die entscheidenden. So kann sich die Walter-Elf weder für die 74 Prozent Ballbesitz, noch für die um satte 30 Prozent bessere Passquote als der Gegner (86 zu 56) etwas kaufen. Auch 15 herausgearbeitete Ecken bringen herzlich wenig, wenn die Gastgeber nur deren sechs benötigen, um zwei Mal einzunetzen. 


Was bleibt, ist also wieder einmal das leidige Thema Effektivität. Auch Mislintat, der bislang fast als Zwilling von Walter herhalten konnte - so oft waren die beiden sportlichen Entscheider ein und derselben Meinung - scheint langsam aber sicher ob dieses Dauerthemas die Geduld zu verlieren. "Es gibt unterschiedliche Ansichten zum Spiel, was die Dominanz angeht. Wir können nicht nur immer davon reden, viel den Ball zu haben, sondern wir müssen auch die nötigen Ergebnisse erzielen. Da müssen wir ansetzen", lässt sich der 47-Jährige in der aktuellen Printausgabe des kicker zitieren.

Unglücklicher Gomez 


Zum großen Unglücksraben wurde bei der Partie gegen den badischen Nachbarn ausgerechnet Mittelstürmer ​Mario Gomez. Der Routinier stand - für viele Anhänger und auch Experten nach seiner schwachen Leistung gegen den KSC überraschend - erneut in der Startelf und wirkte unbestreitbar sehr bemüht. Gleich drei Mal durfte der Torjäger dabei zu einem Jubel ansetzen; kurioserweise wurden aber alle drei Treffer zurecht wegen knappen Abseitssituationen nicht gegeben.


Dass sich der Angreifer selbst im Nachhinein gegen den VAR ereifert hat, ist nur menschlich. Alle VfB-Anhänger und auch die sportlichen Entscheider der Schwaben sollten aber tunlichst nicht den Fehler machen, den Grund für die Niederlage beim Referee und seinen Kollegen in Köln zu suchen. Vielmehr muss der VfB auch seine Offensivbemühungen kritisch hinterfragen. Auffällig bleibt schließlich, dass den Stuttgartern seit der Verletzung von ​Daniel Didavi oftmals eine ordnende Hand fehlt. Eine derartige Abhängigkeit sollte für einen Verein wie den VfB in der zweiten Liga aber nicht der Anspruch sein.


VfB muss sich wieder einen Namen machen


Obwohl die Stuttgarter nunmehr fünf (!) ihrer letzten sieben Ligaspiele verloren haben, belegt der VfB  noch immer den Relegationsplatz. 26 Punkte nach 15 Partien sind aber alles andere als ein Ruhmesblatt. Langsam aber sicher haben die Stuttgarter ihr angefressenes Polster aus dem starken Saisonstart aufgebraucht und sollten bis zur Winterpause alles in die Waagschale werfen.


Die bisherige Saisonbilanz des VfB Stuttgart:

​Siege​RemisNiederlagen​Tore​​Gegentore
2. Bundesliga​​8​2​5​24​20
​DFB-Pokal​2​-​-​3​2
​Insgesamt​10​2​5​27​22

In einer Hinsicht ist das Kind jedoch bereits längst in den Brunnen gefallen: Angst hat vor dem VfB dieser Tage wohl keine Mannschaft in der zweiten Liga mehr. Dabei hätten die Stuttgarter bei einer stabiler eingestellten Defensive und einer durchschlagskräftigeren Offensive gemeinsam mit ihren auch in der zweiten Liga herausragenden Fans durchaus das Zeug dazu, für Angst und Schrecken zu sorgen. Wäre der Derbysieg gegen den KSC nicht gewesen, hätte die Stimmung jedoch auch bereits am Sonntag endgültig kippen können.