Nach den ernüchternden Auftritten in den vergangenen Wochen vermittelten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund am Wochenende, ​dass Trainer Lucien Favre mit dem gestrigen Champions-League-Spiel nur noch eine Bewährungsprobe​ erhalten wird. Diese ging ​gegen den FC Barcelona mit 1:3 gründlich in die Hose. Und nun?


Es ist nicht so, als dass der BVB im gestrigen Spiel gegen Barca auffallend schlecht aufgetreten wäre. Tatsächlich wusste Dortmund teilweise zu gefallen und übte in der zweiten Hälfte sogar so etwas wie 'Druck' aus. Und grundsätzlich zweifelt auch kaum jemand an den Fähigkeiten von Favre, der sich in der Vergangenheit eigentlich als großartiger Trainer zeigte. ​Doch die Beziehung BVB/Favre ruckelt dennoch weiterhin.


Lohnt sich der Rauswurf von Favre wirklich?


In Dortmund wird man sich nun die Frage stellen müssen, ob man sich wirklich traut, den aktuellen Trainer vor die Tür zu setzen. In diesem Fall ginge alles wieder von vorn los: Eine kurzfristige Lösung müsste gefunden werden, so schnell wie möglich auch etwas Langfristiges. Und ob der Erfolg nach solch einer Zäsur folgen würde, kann dem Verein auch niemand versprechen.


Aus diesem Grund könnte auch das Festhalten an Favre eine denkbare Fortsetzung sein - trotz schlechter Ergebnisse und trotz anderweitiger Signale. Der BVB will die Kurve kratzen und sucht dazu die bestmögliche Lösung. Denn wenn man ehrlich ist, welcher Trainer würde der Borussia aktuell helfen können?


Der Trainermarkt ist trotz einiger namhafter Entlassungen, die zuletzt im internationalen Fußball vonstatten gingen, nicht gerade üppig besetzt. Medial besonders im Fokus stehen aktuell unter anderem ​Niko Kovac (ehemals Bayern München) und Mauricio Pochettino (ehemals Tottenham Hotspur). Ein Jose Mourinho, der auch in Dortmund als Alternative galt, hat sich inzwischen für die Spurs entschieden.


Auf dem deutschen Markt fehlen Namen, denen man ein Schwergewicht wie dem BVB zutrauen würde. Roger Schmidt, Heiko Herrlich, Bruno Labbadia - sind das Namen und Größen für den zweitwichtigsten Verein Deutschlands? Wohl eher nicht.


Natürlich kann man auch einen Trainer aus seinem aktuellen Verein und Vertrag heraus kaufen. Doch wir befinden uns inmitten der Saison und noch vor der Winterpause. Kaum ein Trainer und geschweige ein Verein würde von jetzt auf gleich solch einen Kontrakt auflösen. Wenn überhaupt, dann wohl erst zur kommenden Transferphase nach Jahreswechsel. Bis spätestens dann müsste der BVB entweder an Favre festhalten oder interimsweise eine Alternative stellen.


BVB wird die Phase mit Favre aussitzen müssen


Im Grunde ist damit schon alles gesagt. ​Borussia Dortmund hat nicht nur ein Trainerproblem auf der Bank, der Verein hat auch ein Problem mit etwaigen Trainer-Alternativen. Es bleibt dem ehrgeizigen Klub momentan nichts anderes übrig, als das Formtief mit Favre auszusitzen und abzuwarten, bis ein echter Ersatz auf dem Markt ist. Wie lang das noch dauert, ist kaum einzuschätzen. Es erscheint insgesamt aber wahrscheinlich, dass Favre auch noch bis zum Winter beim BVB bleibt.


Es bedarf wohl einem eigenen Artikel, um auszudiskutieren, wie es in Dortmund so weit kommen konnte. Den eigenen Ansprüchen hinkt man weit hinterher und nun ist man sogar noch zu gelähmt, um aktiv etwas an der Leistung zu verändern. Die einzige Hoffnung in Dortmund dürfte der letzte Rest Glauben in den Trainer sein, der ja vielleicht doch noch das Ruder herumreißen kann. Der BVB wird genügend Zeit haben, sich darüber noch weiter Gedanken zu machen.