Bei ​Borussia Mönchengladbach avancierte Lars Stindl nach seinem Wechsel im Sommer 2015 direkt zum Stammspieler und wurde ein Jahr später sogar Kapitän der Fohlenelf. Seitdem gehört der mittlerweile 31-Jährige zu den absoluten Leistungsträgern am Niederrhein. In der Rückrunde der letzten Saison zog er sich allerdings im Spiel gegen seinen Ex-Verein ​Hannover 96 einen schwerwiegenden Schienbeinbruch zu, wodurch er etwa sechs Monate zu pausieren musste. In der Zwischenzeit ist am Niederrhein viel passiert. Mit Marco Rose steht ein neuer Trainer mit einer anderen Vorstellung an der Seitenlinie. Der Kapitän konnte am achten Spieltag gegen ​Borussia Dortmund sein Comeback nach einer Einwechslung feiern, einen Stammplatz konnte er sich seitdem jedoch nicht erkämpfen. 


Der Kader der Fohlenelf ist in dieser Saison in der Breite wohl so stark aufgestellt wie lange nicht mehr. Nach der Niederlage gegen ​Union Berlin steht die Borussia in der Tabelle der Bundesliga mit 25 Punkten noch immer ganz oben, dicht gefolgt von ​RB Leipzig und ​Bayern München (jeweils 24 Punkte). Nachdem zuletzt viele verletzte Spieler zurückgekommen sind, hat Rose gerade im Mittelfeld und in der Offensive die Qual der Wahl. Vor allem die Youngsters um László Bénes, Denis Zakaria und Florian Neuhaus haben es dem 43-Jährigen angetan und spielen in seinen Gedankenspielen eine wesentliche Rolle. 


Erfahrene Spieler wie Jonas Hofmann und eben Stindl haben es demnach schwer, nach deren Verletzungen wieder Fuß zu fassen. Mit Bénes und Embolo haben sich zuletzt andere Spieler in den Fokus gespielt. Lediglich Neuhaus findet derzeit nicht so richtig zu seiner Form. Dennoch gehört ihm, zusammen mit Bénes, die Zukunft im Mittelfeld der Gladbacher; nicht zuletzt wegen des noch enormen Entwicklungspotenzials. Auch deshalb bekommen die jungen Talente bei Rose immer wieder die Chance, sich unter Beweis zu stellen. 


Gladbach: Kapitän Stindl mit ungewohnter neuer Rolle


Lars Stindl befindet sich damit in einer für ihn unüblichen Situation. Seit seinem Wechsel zu den Fohlen gehörte er immer zum ersten Inventar - in mehr als vier Jahren bestritt er bereits 147 Pflichtspiele für die Elf vom Niederrhein, erzielte dabei 42 Tore und steuerte 33 Torvorlagen bei. In dieser Saison kommt der gebürtige ​Speyer jedoch zumeist von der Bank zum Einsatz. Durch das Training und häufigere Einsatzzeiten bei Spielen wird er jetzt wieder Stück für Stück an die Mannschaft herangeführt, um wieder seine maximale Leistung abrufen zu können. Momentan haben jedoch andere Spieler die Nase im Kampf um einen fixen Stammplatz vorn. Kommt es durch die hohe Belastung zu Rotation im Kader, gehört Stindl jedoch zu den ersten Alternativen für einen Platz in der Startelf. 


Möglicherweise könnte die kommende Winterpause die Karten im Kader der Borussia noch einmal neu mischen. Davor ist es jedoch wahrscheinlich, dass sich Stindl mit seiner neuen Rolle als Ergänzungsspieler zunächst identifizieren muss. Marco Rose ist allerdings zuzutrauen, dass er auch den ambitionierten und erfahrenen Spielern immer wieder Einsatzzeiten gewähren wird und dass er es schafft, das Team richtig einzustimmen und bei Laune zu halten. Auch Spieler wie Stindl und Hofmann wissen ihre Situation richtig einzuordnen und stellen sich durch Leidenschaft und Engagement in die Dienste der Mannschaft. 


Der Kapitän ist jedoch noch lange nicht abzuschreiben. Gerade fußballerisch gehört er mit Sicherheit weiterhin zu den technisch stärksten Spielern im Kader, sollte er es schaffen an alte Tage anzuknüpfen. Zudem kann er wie kaum ein zweiter das Spiel lesen, bewegt sich immer wieder gedankenschnell zwischen den Räumen und kann damit oft offensive Akzente setzen. Vor allem ist er aber auch als Mensch ein Bindeglied und Ansprechpartner in der Mannschaft und genießt bei seinen Kollegen hohen Respekt. Es bleibt spannend zu beobachten, inwiefern er in Zukunft noch sportlich eine Rolle spielen wird.