​In den letzten Wochen schaffte es ​Borussia Mönchengladbach mit viel Leidenschaft und Willen, verletzungsbedingte Ausfälle von wichtigen Spielern zu kompensieren. In dieser Hinsicht kam die Länderspielpause genau zum richtigen Zeitpunkt. Einige angeschlagene Spieler konnten ihre Verletzungen auskurieren, andere konnten nach den kräftezehrenden Wochen wieder den Akku aufladen. Am Samstag trifft die Fohlenelf auswärts auf ​Union Berlin, Marco Rose steht nahezu der gesamte Kader zur Verfügung. Der Kampf um die Plätze in der ersten Elf ist im vollen Gange und auf den 43-jährigen Coach warten einige schwere Entscheidungen. 


Der Saisonverlauf der Borussia könnte nicht viel besser sein. In der Bundesliga steht die Rose-Truppe nach elf Spieltagen auf dem ersten Tabellenplatz, in der Europa League hat sie nach dem Sieg gegen die AS Roma alles in der eigenen Hand. Lediglich im DFB-Pokal steht ein ernüchterndes Aus gegen den ​BVB zur Buche. Nachdem etwa ein Drittel der Saison absolviert ist, kann es am Niederrhein nur zufriedene Gesichter geben - und das, obwohl zum Teil wichtige Spieler gefehlt haben und die Mannschaft sich in diesen Wochen quasi von selbst aufgestellt hatte. Viele Spieler standen Woche für Woche, teils im Rhythmus von drei Tagen, auf dem Platz und mussten sich einer enorm hohen Belastung aussetzen; einhergehend mit einem hohen Verletzungsrisiko. 


Dementsprechend tat die aktuelle Länderspielpause den Spielern gut, um wieder Kräfte für die nächsten Aufgaben sammeln zu können. Zudem kehrten mit László Bénes, Christoph Kramer, Ibrahima Traoré, Fabian Johnson, Breel Embolo, Keanan Bennetts und Julio Villalba einige Spieler zurück auf den Rasen, die eine Alternative für die Partie bei den Eisernen am Samstagnachmittag (15:30 Uhr) sein können. Auch der momentane Überflieger Marcus Thuram konnte seine Knieprobleme überwinden und wird aller Voraussicht in der Startelf stehen. Mit Jonas Hofmann und Kapitän Lars Stindl haben sich zuletzt außerdem zwei lange verletzte Stützen der Mannschaft wieder herangekämpft und sind ambitioniert für einen Platz in der Anfangsformation. 


Gladbach: Rose kann Breite des Kaders ausschöpfen


Am Samstag hat Trainer Marco Rose also im wahrsten Sinne des Wortes die Qual der Wahl. Der gebürtige Leipziger zeigt sich gegenüber der Bild jedoch positiv: "​Natürlich muss man das gut moderieren, es ist auch nicht immer leicht, einem formstarken Spieler mitzuteilen, dass er erst einmal nicht spielt. Aber ich habe hier eine Mannschaft, die charakterlich top ist. Und richtig gute Alternativen zu haben, ist für einen Trainer doch das Beste überhaupt!" Zum ersten Mal seit seiner Zeit bei der Borussia steht Rose also fast der gesamte Kader zur Verfügung. Einzig in der Abwehr muss Rose noch auf Tony Jantschke (Muskelfaserriss) und Ramy Bensebaini (Gelb-Rot-Sperre) verzichten. Zudem fallen Ersatztorwart Tobias Sippel, Linksverteidiger Andreas Poulsen (Bänderriss) und Offensivspieler Torben Müsel weiter aus. 


Somit brechen in der Mannschaft wieder einige Konkurrenzkämpfe aus, der eine oder andere wird sich mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben müssen; wiederum andere werden es schwer haben, sich überhaupt für den Kader zu empfehlen. 


Auf der anderen Seite haben sich einige Gladbacher mit guten Leistungen einen Stammplatz erkämpft. Diese Achse um Yann Sommer, Matthias Ginter, Nico Elvedi, Stefan Lainer, Denis Zakaria, Alassane Plea und Marcus Thuram wird wohl auch gegen Union Berlin starten dürfen. Für Bensebaini wird wahrscheinlich wieder Oscar Wendt in die Startelf rücken. So wie es aussieht, wären also noch drei Plätze im Mittelfeld und im Sturm zu vergeben. Wer hat gute Chancen auf einen Einsatz? Und wer wird es wahrscheinlich schwer haben?


Gladbach-Spieler mit guten Chancen

Zunächst blicken wir auf Spieler, die eine gute Möglichkeit haben dürften, gegen Union Berlin zu starten. An oberster Stelle wäre im Moment wohl László Bénes zu nennen. Der umtriebige Slowake überzeugt ​vor allem durch seine guten Lösungen im Offensivspiel, seine starken Ballverarbeitung und durch seine gefährlichen Standardsituation. Auch gegen ​Werder Bremen konnte er so das 1:0 von Bensebaini vorbereiten. Der 22-Jährige gehört in der bisherigen Saison zu den Spielern in der Bundesliga, die den größten Sprung in der eigenen Entwicklung gegangen sind und dürfte somit auch gegen Union starten. ​Bénes verlängerte kürzlich seinen Vertrag bei der Borussia bis 2024


Außerdem könnte Patrick Herrmann erneut in der ersten Elf stehen, nachdem er gegen Werder seinen zweiten Doppelpack in der Saison erzielen könnte. Für Breel Embolo kommt das Spiel im Zuge der Belastungssteuerung möglicherweise noch zu früh - sollte er jedoch fit sein und kein Risiko bestehen, kann er sich ebenfalls gute Chancen ausrechnen. Mit seiner Wucht und Dynamik wäre er gerade gegen den physisch starken Aufsteiger eine ernsthafte Option; einen möglichen Platz würde er dann mit Herrmann unter sich ausmachen. 


Im Mittelfeld könnte zudem noch Florian Neuhaus beginnen. ​Neuhaus verlängerte in dieser Woche ebenfalls seinen Vertrag bei der Borussia bis 2024 und konnte damit ein sehr positives Zeichen setzen. Nachdem der 22-Jährige zuletzt etwas neben der Spur lief, könnte die Vertragsverlängerung ihn beflügeln und wieder frei aufspielen lassen. Entscheidet sich Rose allerdings für die physisch stärkere Variante, würde Christoph Kramer beginnen. Auch Jonas Hofmann und Kapitän Lars Stindl gehören zum erweiterten Kreis und dürfen auf einen Einsatz in der Startelf hoffen.


Gladbach-Spieler, die es schwer haben werden


Geringe Einsatzchancen haben jedoch die zurückgekehrten Spieler um Tobias Strobl, Ibrahima Traoré und Fabian Johnson. Der Rest der Mannschaft hat sich bisher gut eingespielt, gerade Traoré und Johnson sind oft verletzt und konnten selbst in der letzten Saison selten den Anschluss finden. Strobl verletzte sich zu Anfang der Saison und befindet sich mittlerweile wieder im Mannschaftstraining, allerdings hat Kramer in seiner Abwesenheit solide Leistungen zeigen können und somit wohl momentan die Nase vorn.


Auch für Feingeist Raffael wird es schwer werden, sich überhaupt über einen Einsatz als Joker empfehlen zu können, zu groß ist derzeit die Konkurrenz. Chancenlos wirkt momentan vor allem ​Stürmer Julio Villalba, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat und bisher am Niederrhein nie richtig Fuß fassen konnte. Auch der hoch veranlagte Außenverteidiger Keanan Bennetts scheint eher außen vor zu sein. Wie Villalba fällt auch er immer wieder aufgrund von Verletzungen aus, die ihn aus der Bahn werfen.