In Deutschland genießt er seit vielen Jahren eine große Wertschätzung, im Ausland dagegen spricht kaum jemand über Robert Lewandowski. Der Pole zählt seit vielen Jahren zu den konstantesten Ballermännern der ​Bundesliga und ist derzeit in der Form seines Lebens. Es ist das Gesamtpaket, das ihm einen vierten Platz im All-Decade-Ranking von 90min beschert.


Robert Lewandowski steht vor allem für eines: Tore. 561 Spiele hat der 31-Jährige in seiner bisherigen Profi-Laufbahn absolviert, 379 Mal musste der gegnerische Torwart nach einem Lewy-Tor hinter sich greifen. Doch Lewandowski ist nicht nur ein reiner Knipser. Er ist ein moderner Stürmer, der alles mitbringt, was sich Trainer heutzutage wünschen. 


Selbst mit dem Rücken zum Tor weiß er, wo es steht und was zu tun ist - dank seiner unglaublichen Ballbehandlung pflückt er Bälle aus der Luft, die denkbar ungünstig zu ihm gespielt werden; man denke allein an die Ballannahme während des vergangenen Bundesligaspiels gegen Borussia Dortmund oder an das 2:1-Siegtor im Auswärtsspiel beim SC Freiburg am 20. Januar 2017. Zudem ist er im letzten Drittel ist er fast überall zu finden, meist dort, wo der Ball hingespielt wird. 


Und doch hat Robert Lewandowski seinen Vereinen nie eine teure Ablösesumme eingebracht. 2010, als ​Borussia Dortmund aktiv wird und den damals 20 Jahre jungen Angreifer von Lech Posen verpflichtet, sind gerade einmal 4,75 Millionen Euro fällig. Im Schatten von Lucas Barrios entwickelt sich Lewandowski zu einer Waffe - als der Paraguayer im Sommer 2012 zu Guangzhou Evergrande wechselt, wurde er längst verdrängt. Lewandowski absolvierte in der Saison 2011/12 alle Bundesligaspiele von Beginn an, erzielte 22 Tore, lieferte 10 Vorlagen. 


Ein echter Transfer-Coup


Ein Jahr später sind es 24 Tore, hinzu kommen 10 Treffer in der ​Champions League. Im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid gelingt ihm ein Viererpack, im Alleingang schießt er Schwarz-Gelb ins Endspiel von Wembley. In drei von vier Jahren erzielt 'Lewa' mindestens 20 Pflichtspieltore für den BVB, doch längst ist der ​FC Bayern auf ihn aufmerksam geworden und nimmt ihn zum Sommer 2014 unter Vertrag. Schon ein Jahr zuvor war sich Karl-Heinz Rummenigge sicher, dass der Transfer unter Dach und Fach gebracht würde. Doch weil die Dortmunder Führungsriege ihn auf keinen Fall ziehen lassen wollte, mussten sich die Bayern gedulden.


Nach der Saison 2013/14 verabschiedet sich Lewandowski - und weil das Arbeitsverhältnis in Dortmund fristgerecht zum 30.06.2014 endet, sieht der BVB keinen einzigen Cent. In München harmoniert er besonders mit Thomas Müller, der Räume für ihn aufreißt und für stetige Verwirrung in der Abwehr sorgt. Seit der Saison 2014/15 erzielte der Rekordmeister 458 Tore in der Bundesliga, 196 davon gehen auf das Konto von Müller und Lewandowski. Letzterer knackte zweimal die 30-Tore-Marke, verpasste sie in der abgelaufenen Spielzeit um einen Treffer - und steht aktuell nach elf Spieltagen bei 16(!) Toren.


Abgewehrtes Interesse von Real Madrid


Qualität hat ihren Preis und weckt das Interesse der Konkurrenz. Immer wieder wird Lewandowski mit Real Madrid in Verbindung gebracht, er selbst will einen Wechsel zu den Königlichen forcieren. Im Frühjahr 2018 nehmen die Spekulationen endgültig Fahrt auf. Lewandowski heuert Spielerberater Pinhas Zahavi an, der gewiefte Israeli sprach öffentlich von einem Tapetenwechsel, den sein neuer Klient benötige. Doch Bayern blieb hart, dachte zu keiner Sekunde daran, seinen Torjäger vor Vertragsende im Jahr 2021 ziehen zu lassen.

Robert Lewandowski

Die Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen. Zur neuen Saison bekam er mehr Verantwortung aufgetragen, plötzlich bekannte sich Lewandowski voll und ganz zu den Münchnern. Am 29. August erfolgte dann die freudige Nachricht: Der Vertrag wurde verlängert - um zwei Jahre bis 2023. Im März erklärte er gegenüber Welt am Sonntag, dass er sich sogar ein Karriereende beim Rekordmeister vorstellen könne: "Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Alles läuft hier sehr gut, ich fühle mich wohl und bin zufrieden, die Kommunikation untereinander ist gut." 


Trotz der Gerüchte um Real genießt er international keinesfalls ein so großes Ansehen wie in Deutschland. Dabei gibt es viele Sternstunden: Sein Viererpack gegen Real, sein Fünferpack binnen 19 Minuten gegen den VfL Wolfsburg oder seine aktuelle Serie: In 16 von 17 Pflichtspielen traf er mindestens einmal. 


Mittlerweile ist Lewandowski siebenfacher Deutscher Meister, dreifacher Pokalsieger, siebenmaliger Fußballer des Jahres in Polen und 13-facher Torschützenkönig auf Klub- und Nationalmannschaftsebene. Er ist ein Phänomen, das seinesgleichen sucht und den Bayern-Bossen in einigen Jahren Kopfschmerzen bereiten wird. Denn wenn er seine Karriere eines Tages beendet, ist es nahezu unmöglich, einen adäquaten Ersatz zu erfinden. 


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: Neymar - das Ausnahmetalent mit vielen Makeln

Platz 10: Arjen Robben - der Mann für die entscheidenden Momente

Platz 9: Bastian Schweinsteiger - Fußballgott mit Kämpferherz

Platz 8: David Silva - der Lieblingsspieler von Frank Lampard

Platz 7: Zlatan Ibrahimovic - der Fußballgott persönlich

Platz 6: Manuel Neuer - der Anführer einer neuen Torhüter-Generation

Platz 5: ​Sergio Ramos - der Anführer von Real Madrid