​Vier Trainer in gut achtzehn Monaten - was dem ​VfB Stuttgart oder dem ​HSV nur ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubern würde, ist angesichts einer Auswahlmannschaft durchaus bemerkenswert. Zumal es nicht um Länder wie Katar oder China geht, die ja gerne mal aus Ungeduld (und auch schon nach sechs Spielen) ihre Trainer feuern, sondern um - Spanien! Doch tatsächlich sind die Tage von Robert Moreno nach nicht mal einem halben Jahr schon wieder gezählt. 


Seine Bilanz: zehn Spiele, acht Siege, keine Niederlage und 31:5 Tore. Doch nun kehrt Morenos Vorgänger, ​Luis Enrique, wieder auf den spanischen Chefsessel zurück. Der Asturier hatte das Amt im Sommer 2018, nach der desaströsen Weltmeisterschaft (Aus im Achtelfinale), von Fernando Hierro übernommen, der seinerseits sehr kurzfristig und für viele überraschend die Nachfolge von ​Julen Lopetegui (mittlerweile beim FC Sevilla) angetreten hatte. 


Lopetegui wurde damals - heißt: zwei Tage vor dem ersten Gruppenspiel der Spanier - sein "Ja"-Wort zu Real Madrid zum Verhängnis. Der Verbandschef Luis Rubiales (Foto oben) fühlte sich hintergangen und feuerte den Trainer kurzerhand aus Zorn. Kurz vor dem WM-Start! 


Hierro sprang interimsweise ein und wurde nach dem Turnier in Russland von Luis Enrique auf dem Nationaltrainer-Posten beerbt. Doch ein tragisches Ereignis (der Tod seiner neunjährigen Tochter im August dieses Jahres) ließ Luis Enrique kurzfristig umdenken und die Entscheidung treffen, erstmal eine Auszeit zu nehmen. Ab da kam dann Luis Enriques früherer Assistent (gemeinsam wirkten sie beim FC Barcelona und beim AS Rom, sowie bei der spanischen Nationalelf) ins Spiel.


Keine Chemie zwischen Verbandschef und Nationaltrainer


Nun kommt Luis Enrique also zurück. Angedeutet hatte es sogar Moreno selbst, als er kurz nach seiner Inthronisierung davon sprach, ohne Probleme wieder ins zweite Glied zurückzukehren, wenn denn sein Vorgänger wieder Lust und Kraft für das Amt verspürte.


Doch da liegt anscheinend nicht die ganze Wahrheit. Denn wie die Marca berichtet, soll Moreno fassungslos gewesen sein, als ihm Rubiales die Entlassung - Minuten vor dem gestrigen Spiel gegen Rumänien (5:0) - mitteilte. In der Spielerkabine sollen dann auch Tränen geflossen sein. Die saubere Lösung nach dem Schema "Interimstrainer macht wieder Platz für den vormaligen Stammtrainer" ist es also in diesem Fall mitnichten. Zumindest nicht ausschließlich. Vielmehr soll, der Marca zufolge, die Chemie zwischen Rubiales und Moreno nie gestimmt haben. 


In Spanien hat der erneute Führungswechsel an der Spitze der Selección für viel Unverständnis gesorgt. So twitterte zum Beispiel die spanische Torwartlegende ​Iker Casillas: "Wir sind ein Witz-Land!" als Reaktion auf den abermaligen Trainerwechsel.