​Die Verantwortlichen von ​Borussia Dortmund mussten sich in den letzten Jahren bereits mit streikenden Profis herumärgern. Nach Ousmane Dembelé im Sommer 2017 erzwang wenige Monate später auch Pierre-Emerick Aubameyang seinen Abgang vom BVB. Dass ​Shootingstar Jadon Sancho einen ähnlichen Weg einschlägt, um seinen Abschied zu provozieren, glaubt Sportdirektor Michael Zorc hingegen nicht.


Dem Vernehmen nach hatten sich bereits im Sommer einige europäische Top-Klubs um den englischen Nationalspieler bemüht. Der BVB stellte jedoch frühzeitig klar, dass Sancho auch in der Saison 2019/20 das Trikot der Schwarz-Gelben tragen wird. Im nächsten Jahr dürfte das Kapitel beim Vizemeister, trotz laufenden Vertrags bis 2022, wohl zu Ende gehen. Nicht nur aufgrund der zahlreichen Interessenten (u. a. ​FC Liverpool, ​Manchester United und Paris Saint-Germain) winkt Dortmund ein dreistelliger Millionenbetrag. Zuletzt standen 140 Millionen Euro im Raum. 


In der vergangenen Woche berichtete die Daily Mail, dass der ​19-Jährige den BVB verlassen will. Zuletzt kamen auch Spekulationen auf, dass der Youngster gedanklich schon bei einem anderen Verein ist und seinen Abschied womöglich provozieren will. Mit Blick auf die letzten Wochen, in denen der Flügelspieler nicht nur sportlich enttäuschte, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass Sancho nicht mehr zu 100 Prozent bei der Sache ist. Nach einem starken Saisonstart, mit acht Torbeteiligungen an den ersten fünf Spieltagen, lief der Engländer seiner Form zuletzt weit hinterher.


Suspendierung und frühe Auswechslung im Topspiel

Ein Tiefpunkt war für Sancho am letzten Spieltag erreicht. Im Topspiel gegen den ​FC Bayern München (0:4) nahm ​Cheftrainer Lucien Favre seinen Schützling bereits nach rund 35 Spielminuten vom Feld und kritisierte ("war einfach nicht gut genug") ihn anschließend für seine Leistung. Wenige Wochen zuvor war der 19-Jährige auch abseits des Platzes negativ aufgefallen. Nach einer verspäteten Rückkehr zum BVB wurde der Angreifer für das Topspiel gegen ​Borussia Mönchengladbach (1:0) aus dem Kader gestrichen. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass es der Rechtsfuß mit der Pünktlichkeit nicht so genau nahm. 

Jadon Sancho

Sportdirektor Zorc sieht allerdings "überhaupt keinen Hinweis dafür", dass Sancho seinen Abschied provozieren will. Beim Leistungsabfall des Nationalspielers handelt es sich aus der Sicht des Funktionärs lediglich um ein Formtief, welches für ihn abzusehen war. "Er hat lange eine Konstanz gehabt, die eigentlich unnatürlich war für einen Spieler in seinem Alter", erklärte der 57-Jährige gegenüber der WAZ. "Natürlich hat er gerade nicht seine beste Phase, aber er wird da wieder rauskommen. Man darf nicht vergessen, dass er noch ein ganz junger Spieler ist."


BVB braucht Sancho in Topform

Für die BVB-Fans bleibt zu hoffen, dass der 19-Jährige zeitnah wieder zu alter Stärke zurückfindet. Im ​Rennen um die Meisterschaft kann ein Sancho in Topform sicherlich den Unterschied ausmachen. Nach schwierigen Wochen in Dortmund war die jüngste Länderspielreise für den Engländer sicherlich eine willkommene Abwechslung, um auf andere Gedanken zu kommen. Mit Nationalcoach Gareth Southgate führte der BVB-Profi zudem ein längeres Einzelgespräch. Der 49-Jährige ist ebenfalls davon überzeugt, dass es sich beim Youngster um ein "normales Formtief" handelt, was in seinem Alter wenig überraschend sei.