Nach dem Rücktritt von Uli Hoeneß ändert sich das Machtgefüge beim ​FC Bayern. Größter Profiteur dessen ist Karl-Heinz Rummenigge, der als Vorstandsvorsitzender nun mehr Macht besitzt als je zuvor. Der 64-Jährige hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er für diese Rolle bestens geeignet ist.


Von 2014 bis 2016, als Uli Hoeneß seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten musste und nach der vorzeitigen Entlassung am 26. November 2016 erneut zum Vereinspräsidenten der Münchner Bayern gewählt wurde, lag die Verantwortung zum Großteil auf den Schultern von Karl-Heinz Rummenigge. 


Gemeinsam mit Matthias Sammer, Pep Guardiola​ und dessen Nachfolger Carlo Ancelotti bewerkstelligte Rummenigge Transfers von Spielern wie Xabi Alonso, Joshua Kimmich, Arturo Vidal, Douglas Costa, Kingsley Coman oder Sven Ulreich. Auch ohne seinen "Macher" feierte der FC Bayern drei Meisterschaften, zwei Pokal-Erfolge und den dreimaligen Einzug ins Halbfinale der ​Champions League


Knapp ein Jahr nach Hoeneß' Rückkehr wurde Ancelotti jedoch entlassen und durch Jupp Heynckes ersetzt. Nachfolger Niko Kovac musste nach 15 schwierigen Monaten gehen - im Sommer wird sich der Klub erneut neu aufstellen.


Das neue Machtgefüge 


Auch in der Führungsetage wird sich einiges ändern. Nachdem Herbert Hainer wie erwartet zum neuen Präsidenten gewählt wurde, beginnt Oliver Kahn ab Januar seine Tätigkeit im Vorstand. Hasan Salihamidzic wird zur neuen Saison vom Sportdirektor zum Sportvorstand befördert, Rummenigge bleibt derweil noch bis zum 31. Dezember 2020. Danach übernimmt Kahn das Ruder als Vorstandsvorsitzender, der den FC Bayern endgültig in eine neue Zukunft führt.


Bis dahin behält Rummenigge das Zepter. In seinen letzten 14 Monaten erhält er mehr Macht als je zuvor, wie BILD am Sonntag berichtet. Da sich Hainer, wie er bereits auf der Jahreshauptversammlung ankündigte, bei der Trainerfrage und wohl auch bei Spielertransfers zurückziehen und allen voran Rummenigge und Salihamidzic die Verantwortung überlassen wird, kann Rummenigge als Vorstandsvorsitzender seinen Willen nun häufiger durchsetzen, da mit Hoeneß die größte Gegenstimme wegfällt. 

Dem Bericht zufolge kümmere sich Salihamidzic weiter um das Scouting, die Nachwuchsabteilungen und die "Transfer-Anbahnung" - doch im operativen Geschäft wird Rummenigge das Sprachrohr des Klubs sein. Anders als Hoeneß bläst er nicht zur 'Abteilung Attacke' und wütet wild gegen vermeintliche Gegner. Der 64-Jährige reagiert besonnen, analytisch und bringt einen klaren Plan mit sich, wie der FC Bayern die Zukunft gestalten wird.


Auch besitzt die Champions League bei ihm einen größeren Stellenwert. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool übte er deutliche Kritik, als die Mannschaft vor knapp einem Monat nur mit 3:2 bei Olympiakos Piräus gewann, mahnte er gemäß dem kicker: "Ich glaube nicht, dass die heutige Leistung uns am Ende des Tages in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht langsam die Kurve kriegen." Und auch mit seiner im April getroffenen Aussage, es gebe beim FC Bayern München für keinen Angestellten eine Job-Garantie, die vor allem als Kritik an Niko Kovac aufgefasst wurde, machte er seine Sorgen in aller Öffentlichkeit deutlich.


Es wurde Zeit


Als Hoeneß ging, befand sich der Klub auf einer Erfolgswelle. Erst, als er wieder zurückgekommen war, ebbte diese langsam ab. Nun, da Rummenigge wieder als einziger die Hände am Steuer hat, scheint es, als könnte der FC Bayern wieder auf eine erfolgreichere Zukunft steuern. Davon abhängig ist aber auch, wann die Verpflichtung eines neuen Trainers für die Saison 2019/20 eingefädelt wird und auf welchen Namen der Neuzugang hört. Das letzte Mal, als der Verein in dieser Situation steckte, trug Hoeneß in sich die Hoffnung, Jupp Heynckes für ein weiteres Jahr binden zu können - und so verpasste der Klub die Chance auf Thomas Tuchel. Mit solch einem Szenario ist nicht mehr zu rechnen. 


Uli Hoeneß wird "seinen" FC Bayern zweifelsfrei verteidigen, wenn er in der Kritik steht, und innerhalb des Klubs wird er mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn er gebraucht wird. Aber dass Rummenigge von nun an an der Speerspitze steht, ist aufgrund der Entwicklung der vergangenen drei Jahre die beste Entscheidung, die alle Beteiligten treffen konnten.