Der ​FC Augsburg ist einer der kleineren Bundesligisten. Das bedeutet allerdings nicht, dass dort durchgehend Ruhe herrscht. Ob das Fernbleiben von der Mannschaft, ein provozierter Wechsel oder der Bruch des Verhaltenskodex - Manager Stefan Reuter hatte in der jüngeren Vergangenheit mit einigen Härtefällen zu kämpfen.


Augsburg gleicht in der heutigen Fußballwelt eigentlich einer Idylle. Jährlich schafft der Klub irgendwie den Klassenerhalt und erhält während der Saison Unterstützung von den lautstarken Fans, die alle zwei Wochen in der 30.660 Zuschauer fassenden WWK Arena Platz nehmen. Die Fuggerstädter finanzieren sich durch Spielerverkäufe, 2016 beispielsweise brachte ihnen der Transfer von Abdul Rahman Baba zum FC Chelsea satte 20 Millionen Euro ein. 


Eine zweistellige Millionensumme verlangte Stefan Reuter in diesem Sommer auch für Michael Gregoritsch, dem der Wechsel zu ​Werder Bremen verwehrt wurde. Die Bremer konnten die Ablöseforderungen nicht stemmen, und um ihn von einem Verbleib zu überzeugen, wurde Gregoritsch ein Stammplatz zugesagt. Dieser wurde ihm am Ende des Tages aber nicht gewährt, in dieser Saison kam er erst in sechs Bundesligaspielen zum Zug. Gegenüber dem österreichischen Regionalblatt Kleine Zeitung offenbarte er vor wenigen Tagen seinen Wechselwunsch für den Winter: ​"Für mich ist jetzt klar, dass ich im Winter aus Augsburg weg bin. [...] Hauptsache weg."


Im Zuge dessen erzeugte er auch Druck auf Reuter, der als harter Hund gilt und von seinen Forderungen nur selten abweicht: "Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt praktisch ein halbes Jahr nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen." Ähnlich erging es auch Martin Hinteregger, der sich im Sommer endgültig aus Augsburg verabschiedete.


Hintereggers erzwungener Wechsel


Der Innenverteidiger machte bereits im Januar den Abflug, nachdem er den damaligen Cheftrainer Manuel Baum aufgrund der schwachen Resultate überdeutlich kritisierte: "Ich sehe nicht viel Verbesserung, die Entwicklung geht seit einem Jahr nach unten. Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen. [...] Ich weiß selber nicht so genau, was heute unsere Taktik war." (Quelle: kicker). 


Reuter stellte sich demonstrativ hinter den Trainer, suspendierte Hinteregger und verlieh ihn an Eintracht Frankfurt. Dort wurde er zum absoluten Leistungsträger, weshalb Reuter wohl auch von der Eintracht am liebsten eine zweistellige Millionensumme erhalten hätte. Die Verhandlungen zogen sich über Wochen, Hinteregger brachte seinen Wechselwunsch in aller Deutlichkeit zum Ausdruck: Während des Trainingslagers verpasste er offenbar einen Mannschaftsabend und das darauffolgende Abschlusstraining. Ein Video zeigte, wie er stattdessen betrunken auf einem Dorffest in Bad Häring getorkelt sein soll.


Zum Trainingsauftakt wurde Hinteregger angeblich mit einem Eintracht-Rucksack gesichtet, laut Reuter habe es sich aber um einen Rucksack von der österreichischen Nationalmannschaft gehandelt. Nichtsdestotrotz wechselte Hinteregger für 9 Millionen Euro nach Frankfurt und unterschrieb in der Main-Metropole einen Vertrag bis 2024. 


Caiubys Flucht


Anders gingen die Verantwortlichen mit Caiuby um. Der Brasilianer, einst ein integraler Bestandteil der Offensive, ​blieb erstmals im Sommer 2018 länger als gedacht von der Mannschaft fern und verlängerte eigenmächtig seinen Urlaub. Wenige Monate später reiste Caiuby ​nicht mit zum Winter-Trainingslager. Schon zuvor handelte er sich weiteren Ärger ein, da er eine Video-Analyse sowie eine Mannschaftsbesprechung verpasste. 


Der 31-Jährige wollte seinen Abgang provozieren: "In Deutschland zu bleiben, ist nicht gerade die Option, die mir zusagt", sagte er gemäß ​BILD gegenüber dem brasilianischen Online-Portal UOL Esporte. Nach harscher Kritik des eigenen Beraters wurde Caiuby vom Klub freigestellt und für die Rückrunde an Grasshoppers Zürich verliehen. Seit Sommer ist er vereinslos.


Alles begann mit Opare


Der erste Problemfall ereignete sich ein Jahr zuvor. In der Saison 2017/18 absolvierte Daniel Opare 17 Spiele als Rechtsverteidiger und schien sich in Augsburg durchgesetzt zu haben - ehe Anfang Februar die plötzliche Suspendierung bekanntgegeben wurde. Opare habe mehr als einmal "gegen den Verhaltenskodex innerhalb der Mannschaft verstoßen" und könne sich "kurzfristig einen neuen Verein suchen. Es ist kein Spieler wichtiger als das Team und der Verein. Die Krönung war, dass der Spieler und sein Bruder, der ihn aktuell berät, Lügengeschichten erzählt haben", polterte Stefan Reuter in einer Pressemitteilung und gegenüber TV-Sender Sky (Quelle: ​kicker). 


Hintergrund: Opare soll mit Domenico Tedesco und Christian Heidel über einen Wechsel zum FC Schalke 04 gesprochen haben, ohne den FCA darüber informiert zu haben. BILD veröffentlichte ein Foto, das den damaligen S04-Trainer Tedesco gemeinsam mit Opare an einem Tisch zeigte. Wenige Monate später wechselte der Spieler zum belgischen Erstligisten Royal Antwerpen, aktuell fehlt er aufgrund eines Außenbandrisses im Knie.