Aufgrund der Verletzungen von Niklas Süle und Antonio Rüdiger ist Matthias Ginter vorerst der Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft. Vor einigen Jahren wäre ihm diese Rolle wohl kaum zugetraut worden, er selbst geht mit Kritik solcher Art aber gelassen um.


Matthias Ginter ist eine Konstante im deutschen Fußball - nicht nur in der ​Bundesliga. Der Innenverteidiger debütierte erst im März 2014, gehörte jedoch beim WM-Triumph in Brasilien dem Aufgebot von Joachim Löw an und absolvierte seit dem Debakel bei der 'Mission Titelverteidigung' 10 von 14 Länderspielen. Anfangs gab Ginter den neuen Rechtsverteidiger, mittlerweile ist er wieder in der Innenverteidigung zuhause. ​Im 3-5-2-System, das bei der Nationalmannschaft Einzug erhalten hat, bildet der 25-Jährige das zentrale Element, in einer Viererkette übernimmt er wie bei Borussia Mönchengladbach den Posten des halblinken Innenverteidigers.


Da die Dreierkette auch in Gladbach eine gern gesehene Variante ist und die Borussia unter Marco Rose in kürzester Zeit zu einem variablen Gebilde gemacht wurde, wird Ginter auch für Löw immer wichtiger. Von den aktuell verfügbaren Innenverteidigern besitzt er die meiste Erfahrung und soll diese nutzen, um auch im DFB-Dress wichtige Kommandos zu geben.


Viele Experten dürften wahrlich nicht mit solch einer Entwicklung gerechnet haben. Trotz seines Durchbruchs beim ​SC Freiburg flog Ginter stets ein wenig unter dem Radar, schließlich kam er nach seinem 2014 erfolgten Wechsel zu ​Borussia Dortmund erst im letzten Jahr über die Rolle des Ersatzspielers hinaus und absolvierte 29 Bundesligaspiele (26 von Beginn an). In Mönchengladbach aber war Ginter auf Anhieb der neue Abwehrchef, in all seinen 70 Bundesligaspielen - erst neben Jannik Vestergaard, dann neben Nico Elvedi - wurde er für die Startelf nominiert.


Ginter hat sich an seinen Status gewöhnt


Dass Gladbach die Tabellenführung seit dem siebten Spieltag innehat und aktuell vier Punkte Vorsprung auf die Verfolger besitzt, hängt auch mit der starken Abwehrleistung zusammen. Erst elf Gegentore haben die Fohlen kassiert, nur der VfL Wolfsburg ist im Gesamtbild noch stabiler (10). Einen großen Anteil dazu hat Ginter beigetragen, der sich über die Jahre damit abgefunden hat, nicht im Rampenlicht zu stehen: "Ich bin das tatsächlich mittlerweile gewohnt. In Freiburg glaubte keiner, dass ich Bundesligaspieler werde. Als ich zu Dortmund wechselte, glaubten viele, dass der Schritt zu früh kam. Und auch bei Mönchengladbach wurde ich nicht in der Rolle gesehen, die ich im Defensivblock tatsächlich einnehme", sagte er auf der DFB-Pressekonferenz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland (zitiert via ​kicker). 


In den kommenden Monaten muss er sich nun auch als Ankerpunkt bei der Nationalmannschaft beweisen. Rüdiger wird voraussichtlich erst 2020 zurückkehren, die Europameisterschaft ist für Süle womöglich außer Reichweite. Doch auch wenn Niklas Stark noch immer auf sein Debüt warten, Jonathan Tah sich nach seiner Leistung gegen die Niederlande im September wieder rehabilitieren und Robin Koch sich erst zurechtfinden muss - mit Matthias Ginter kann Löw auf einen Spieler zurückgreifen, der konstant seine Leistung bringt.