​David Villa, der beste Stürmer in der Geschichte Spaniens, nahm die Entscheidung, sich vom Fußball zurückzuziehen, mit einer klaren Idee vor Augen: Erfolg in seinen Geschäften zu haben und, vor allem, in seinem Herzensprojekt: dem Queensboro FC, von dem er Mit-Eigentümer, Vorzeigegesicht und Hauptbotschafter sein wird. Der 37-jährige Villa wird seinen Abschied vom aktiven Fußball geben, wenn die laufende Saison mit Vissel Kobe beendet ist. Er hinterlässt eine Bilanz als bester Torschütze für Spanien (59 Tore), als Weltmeister von 2010, Europameister 2008, dreifacher spanischer Meister und als Champions-League-Sieger mit dem ​FC Barcelona


Am Ende stehen 424 Tore in 19 Karrierejahren mit neun verschiedenen Mannschaften - eine Leistung, die nur schwierig zu wiederholen sein dürfte. ​Mit unseren spanischen Kollegen sprach Villa über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Fußballs


Frage: Welche ist deine Rolle beim FC Queensboro?

Villa: Meine Rolle ist allumfänglich. Ich bin Teil der Eigentümer-Gruppe des Vereins. Ich kümmere mich um die sportlichen Belange, Geschäfte, das Image des Klubs usw. Es ist ein Traum, den wir seit langem gehegt haben und in die Wirklichkeit umsetzen wollten, und am Ende haben wir es geschafft. Wir werden in der USL (United Soccer League) dabei sein und können es kaum erwarten. 


Frage: Wird Queensboro eine Art Nachwuchsschmiede für die MLS, speziell für New York City?

Villa: Nein. Es hat nichts mit der MLS zu tun. Es ist eine Profi-Mannschaft, die für uns Spieler entwickeln soll. Wir sind in einer anderen Profi-Liga. 


Frage: Warum hast du dich gerade in diesem Jahr dazu entschieden, mit dem Fußball aufzuhören?

Villa: Ich werde bald 38, und wollte mit dem Fußball eher aufhören als der Fußball mit mir. Ich will mich nicht schlecht auf dem Platz sehen, und außerdem will ich meine Geschäfte und Projekte vorantreiben. Es war eine schöne Karriere, von der ich viele gute Dinge in Erinnerung behalten werde.


Frage: Wie war es, ​Andrés Iniesta in Japan wiederzutreffen, nach all diesen goldenen Jahren beim FC Barcelona? 

Villa: Einer der Gründe, weshalb ich meine Karriere in Japan fortgesetzt habe, war Andrés. Er schickte mir damals eine Nachricht - und sofort war ich bei ihm. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Erfahrung, weit weg von zu Hause und ich habe sehr spezielle Dinge erlebt. Hoffentlich können wir weiterhin gemeinsam Geschichte schreiben. 


Frage: Was waren die Gründe deines Weggangs vom FC Barcelona?

Villa: Ganz ehrlich: Ich begann, weniger Einsatzzeiten zu bekommen. Immer war ich auf der Bank, und nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte, habe ich der Vereinsführung gesagt, dass ich weg möchte. So läuft das im Fußball. Ich wunderschöne Erfahrungen gesammelt, aber es war einfach der Moment, zu gehen. 


Frage: Es hieß, einer der Gründe sei die schlechte Beziehung zu ​Lionel Messi gewesen. Stimmt es, dass ihr Probleme miteinander hattet?

Villa: Mit Messi ist gar nichts passiert. Damals wurde viel erzählt, doch die Wahrheit ist, dass ich, wenn ich weiterhin Stammspieler gewesen wäre, in Barcelona geblieben wäre. Ich hatte nie irgendein Problem mit meinen Mannschaftskollegen. 

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Frage: Mit welchem Spieler hast du es auf dem Platz am meisten genossen, zu spielen?

Villa: Da habe ich mehrere auf dem Zettel. Ich habe verschiedene Epochen durchlebt. In Valencia habe ich sehr gerne mit Silva und Mata gespielt. In Barcelona hatte ich das Privileg, neben Messi, Iniesta, Xavi, Puyol und vielen anderen zu spielen. Aber: Der beste Mitspieler, den ich gehabt habe, war Fernando Torres. Wir haben mit Spanien Geschichte geschrieben und uns sehr gut miteinander verstanden. Er hatte Dinge, dich ich nicht hatte, und umgekehrt. 


Frage: Gegen welchen Gegenspieler hattest du es am schwersten?

Villa: Puyol - den wollte ich nicht mal sehen. Er ließ mich einfach keine guten Spiele machen. Mein Spielstil kam seiner Art zu verteidigen sehr zu pass. Gegen ihn hatte ich tatsächlich einen sehr schweren Stand. 


Frage: Welcher war dein bester Trainer?

Villa: Alle haben mir geholfen, mich als Fußballer zu verbessern. Aber einer hat mich besonders geprägt: Luis Aragonés. Luis half mir nicht nur, mich auf dem Feld zu verbessern, sondern auch als Mensch. Er hat mir sehr viele Ratschläge gegeben und war für mich eine ganz spezielle Person. 


Frage: Welchen Titel hast du am meisten genossen?

Villa: Die Weltmeisterschaft mit Spanien gewonnen zu haben, ist mit nichts vergleichbar. Das war eine riesengroße Freude. Jeder träumt davon, Weltmeister zu werden. Und die Besten der Welt zu sein, hält keinem Vergleich stand. 


Frage: Dein schönstes Tor?

Villa: Das Tor, das ich im Champions-League-Finale 2011 mit dem FC Barcelona geschossen habe. Es war sehr wichtig, um den Titel zu holen, und diesen Moment werde ich nie vergessen. 

Barcelona's Spanish forward David Villa

Frage: Mit welcher Mannschaft hast du am meisten das Fußballspielen genossen?

Villa: Alle sind Teil meines Leben und meines Erfolges. Aber was ich gefühlt habe, wenn ich mit der spanischen Nationalmannschaft gespielt habe, war großartig. Alle Teams haben mir geholfen, doch wenn ich welche benennen müsste, wären es Sporting Gijón und die spanische Nationalelf. 


Frage: Siehst du dich als besten Stürmer in der Geschichte Spaniens?

Villa: In diesem Sport sehe ich mich nicht als Bester. Ich hatte das Glück, von vielen großen Spielern umgeben zu sein. Ich bekomme jeden Tag viel Lob, aber das Wichtigste ist, meine Familie stolz gemacht zu haben und mit meinem Land triumphiert zu haben. 


Frage: Was passiert gerade beim FC Barcelona? Warum verschwindet sein Stil allmählich?

Villa: Im Fußball ist es schwierig, immer zu gewinnen. Der FC Barcelona hatte ein goldenes Zeitalter - so ist Fußball. Jetzt gibt es andere, bessere Teams. Sie haben immer noch große Spieler, aber die Zeit läuft an keinem spurlos vorbei. 


Frage: Wer ist dein Idol im Fußball?

Villa: Ich habe Luis Enrique sehr gemocht. Habe ihn imitiert. Er begann seine Karriere als Stürmer bei Sporting Gijón, und zog sich dann immer weiter auf dem Feld zurück. Es war schon enorm, wie er spielte. Mit viel Leidenschaft. 


Frage​Messi oder Cristiano Ronaldo?

Villa: Messi ist viel besser als Cristiano Ronaldo. Ich hatte das Glück, mit Messi zusammenzuspielen. Und das ist etwas, was ich in meinem Leben nie wieder sehen werde. Er ist der beste Spieler der Welt. Cristiano ist eine Maschine, aber Messi ist noch ein Stück weit über ihm. 


Frage: Wird Messi nochmal den Ballon d'Or gewinnen?

Villa: Das weiß ich nicht. Messi ist der beste Spieler auf dem Planeten, aber bei Preisen dieser Art werden andere Dinge bewertet, wie die Titel und andere Dinge, die von dem jeweiligen Team abhängen.


Frage: Was kommt jetzt? Willst du irgendwann mal als Trainer arbeiten?

Villa: Man sollte nie "nie" sagen, aber im Moment will ich mich meinen Akademien widmen, dem Queensboro FC und einigen persönlichen Dingen, die mich beschäftigen. Alle Klubs, für die ich gespielt habe, haben mir gesagt, dass ihre Türen immer geöffnet sein werden, aber im Moment sehe ich mich nicht in dieser Rolle. Wir werden sehen, was kommt.