Sergio Ramos ist ein beinharter Innenverteidiger und gnadenloser Anführer. Der 33-Jährige hat in seiner Karriere alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gab und belegt im All-Decade-Ranking von 90min einen verdienten fünften Platz. 


Kein Spieler hat ​Real Madrid in den vergangenen Jahren so sehr verkörpert wie Sergio Ramos. Der Abwehrspieler ist seit mittlerweile 14 Jahren für die Königlichen aktiv, nachdem diese ihn im Sommer 2005 für 27 Millionen Euro von seinem Heimatklub FC Sevilla verpflichteten. Für einen dritten Verein hat Ramos bis heute nicht gespielt - einzig die spanische Nationalmannschaft, für die er nach seinem Debüt im März 2005 168 Mal auf dem Platz stand und auch künftig stehen wird, darf noch dazugezählt werden.


Zu seinen Anfangstagen in Madrid wurde Ramos vielseitig eingesetzt. Mal im defensiven Mittelfeld, dann in der Innenverteidigung oder auf der rechten Abwehrseite. Als Rechtsverteidiger interpretierte er sein Spiel offensiv, so wie fast alle modernen Außenverteidiger. Mit der Zeit aber wurde klar, dass Ramos in der Innenverteidigung am besten aufgehoben ist. 


Denn dort kommen seine kämpferischen Eigenschaften zum Tragen. Der kopfballstarke, wuchtige Spanier geht rigoros in Zweikämpfe, geht schonungslos mit seinen Gegenspielern um. Über 20 Mal wurde er in LaLiga des Feldes verwiesen, über 160 Mal vom Schiedsrichter mit einer Gelben Karte verwarnt. Doch ändern wird seine Spielweise nie - denn genau diese rustikale Art macht ihn zu dem Anführer, der er mit der Übernahme der Kapitänsbinde vor sechs Jahren wurde.


Der Wunsch nach Toren


Umso überraschender erscheint es, dass Ramos eigentlich Stürmer werden wollte. "Als Kind habe ich mir nichts mehr gewünscht, als Fußballer zu werden, und zwar Stürmer, um Tore zu schießen", erklärte er im Interview mit dem ​Sportbuzzer. "Ich habe zu den Torjägern der damaligen Zeit aufgeschaut: Ronaldo, Claudio Caniggia – auch wegen der langen Haare – und Hernán Cres­po." Mit der Zeit aber kümmerte er sich um den hinteren Teil des Spielfeldes, fortan zählten unter anderem Paolo Maldini und Fernando Hierro eigenen Aussagen zufolge zu seinen Vorbildern. 


Seinen Instinkt bei eigenen Angriffen hat Ramos aber nie verloren. In bis dato 621 Pflichtspielen für Real Madrid erzielte er 88 Tore, im Dress der Nationalmannschaft durfte er 21 Mal jubeln. Besonders bei Standards ist er eine stetige Gefahr, Stadt-Rivale Atlético Madrid bekam dies gleich doppelt zu spüren: Im Champions-League-Finale 2014 traf Ramos in der Nachspielzeit per Kopf zum wichtigen Ausgleich, in der Verlängerung setzten sich die Blancos mit 4:1 durch. Als beide Mannschaften zwei Jahre später wieder aufeinandertrafen und Real sich erst im Elfmeterschießen durchsetzen konnte, brachte der Abwehrchef Real in Führung. 


Rüpel-Foul an Salah - Lob von Lewandowski


In den vergangenen Jahren aber richtete sich der Fokus auf seine harte Gangart in Zweikämpfen. Unvergessen ist eine entscheidende Szene aus dem bislang letzten Triumph in der Königsklasse, als Ramos Mohamed Salah vom FC Liverpool in Kampfsport-Manier zu Boden rang. Der Ägypter, in der Saison 2017/18 mit 44 Toren der alles überragende Mann bei den Reds, musste wenig später verletzungsbedingt ausgewechselt werden.


"Das ist ein Teil meines Lebens, damit muss ich klarkommen. Ich respektiere die Meinung aller, und es ist wahr, dass mich manchmal Leute falsch einschätzen. Doch daran darf man nicht denken, da es einen von seinen Zielen abbringen kann", sagt Ramos über sein Image. Doch längst nicht jeder meidet ihn auf dem Feld. Robert Lewandowski vom FC Bayern München betitelte ihn im Interview mit Spox und Goal als den "härtesten Gegenspieler", dem er begegnet ist (zitiert via ​Real Total). "Es war immer toll, Zweikämpfe gegen Sergio Ramos zu führen. Ich war immer froh, mich mit ihm messen zu können", so der Pole, der vor einiger Zeit am liebsten gemeinsam mit Ramos auf dem Platz gestanden hätte - einen Wechsel zu Real Madrid ließen die Münchner aber nicht zu.


Titelsammler durch und durch


Eines muss man dem spanischen Matador trotz allem lassen: Der Erfolg gibt ihm recht. 24 Titel hat Ramos in seiner Karriere gewonnen, zahlreiche von ihnen sind hochdekoriert. Mit der Nationalmannschaft feierte er 2008 und 2012 den zweifachen Gewinn der Europameisterschaft, auch beim WM-Triumph 2010 war er dabei. Viermal gewann Real zwischen 2014 und 2018 die Champions League, dreimal nahm Ramos den Henkelpott als Kapitän entgegen. Hinzu kommen vier Meisterschaften, zwei Titel in der Copa del Rey, je drei weitere Titel im spanischen Supercup sowie dem UEFA Supercup, der Gewinn der U19-EM 2004 und der vierfache Triumph bei der FIFA-Klubweltmeisterschaft. 


Im europäischen Fußball gibt es nur wenige, wirkliche Anführer. Dazu kann man Virgil van Dijk vom FC Liverpool zählen oder Manuel Neuer vom FC Bayern - doch Sergio Ramos ist in allen Bereichen seit vielen Jahren die wohl größte Konstante. Lange Zeit galt er als der beste Innenverteidiger der Welt, mittlerweile wird dieser Titel van Dijk zugeschrieben. Aber auch heute noch gehört Ramos zur absoluten Elite. 


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: Neymar - das Ausnahmetalent mit vielen Makeln

Platz 10: Arjen Robben - der Mann für die entscheidenden Momente

Platz 9: Bastian Schweinsteiger - Fußballgott mit Kämpferherz

Platz 8: David Silva - der Lieblingsspieler von Frank Lampard

Platz 7: Zlatan Ibrahimovic - der Fußballgott persönlich

Platz 6: ​Manuel Neuer - der Anführer einer neuen Torhüter-Generation