An der Säbener Straße herrschten seit Saisonbeginn gemischte Gefühle. In den Pokalwettbewerben ist der FC Bayern München auf Kurs, in der Bundesliga aber wirkte die Mannschaft vor der Trennung von Niko Kovac alles andere als sattelfest. Die gewünschten Fortschritte blieben aus, wie sich auch in den Leistungen einzelner Spieler verdeutlichen sollte. In der folgenden Übersicht sind vier Akteure gelistet, die bislang am meisten enttäuscht haben.


Corentin Tolisso

Corentin Tolisso

Mit einer Ablösesumme von 41,5 Millionen Euro stieg Corentin Tolisso vor zwei Jahren zum teuersten Neuzugang in der Geschichte des FC Bayern auf, erst der 80 Millionen Euro schwere Transfer von Landsmann Lucas Hernandez löste ihn ab. Im September vergangenen Jahres erlitt Tolisso beim 3:1-Erfolg über ​Bayer Leverkusen einen Kreuzbandriss, seine Form hat er seither noch nicht wiedergefunden.


Verwunderlich ist das nach solch einer gravierenden Verletzung nicht. Doch mit zunehmender Dauer wirkte Tolisso wie ein Risikofaktor, der sich im Mittelfeldzentrum zu einfache Ballverluste leistete und riskante Pässe spielte, die - wie bei Tottenham Hotspur und wenige Tage später gegen 1899 Hoffenheim - zum ein oder anderen Gegentor führten. Seit der 1:2-Pleite gegen die Sinsheimer erhielt er nur 14 Bundesliga-Minuten.

​"Ich bleibe gelassen. Aber klar ist kein Fußballer glücklich, wenn er auf der Bank sitzt", sagte der 25-Jährige im Interview mit Le Parisien über seinen derzeitigen Platz auf der Bank (zitiert via Sky). "Beim FC Bayern ist die Qualität sehr hoch und es herrscht auf allen Positionen ein harter Wettbewerb. Manchmal muss man sich in solchen Zeiten ein wenig zurücknehmen und dann die richtige Einstellung zeigen, wenn man die Möglichkeit bekommt." Unter Hansi Flick wird sich Corentin Tolisso einen Stammplatz erkämpfen müssen.


Leon Goretzka

Leon Goretzka

Auch Leon Goretzka ist noch nicht am Maximum angekommen. Nach Verletzungen am Oberschenkel wie am Sprunggelenk kam der deutsche Nationalspieler nur viermal in der Bundesliga zum Einsatz, erst beim 2:2 gegen den ​FC Augsburg vor einem Monat kehrte er in den Kader zurück.


Nach einer mäßigen Leistung in der Champions League gegen Olympiakos Piräus konnte Goretzka eine klare Steigerung im Topspiel gegen ​Borussia Dortmund vorweisen, doch sobald sich andere Kandidaten in den Vordergrund spielen, dürfte es wieder enger für ihn werden. Das liegt auch daran, dass Joshua Kimmich bis auf Weiteres auf der Sechs gesetzt sein dürfte. Goretzkas technischen Defizite gegenüber Corentin Tolisso oder Thiago spielen ihm nicht gerade in die Karten.


Thiago

Thiago

Thiago Alcántara ist der wohl begnadetste Techniker im Mittelfeld der Münchner Bayern. Der Spanier reißt an guten Tagen das Spiel an sich und waltet es wie kein Zweiter, davon war in der laufenden Spielzeit aber nur wenig zu sehen.


Das liegt auch an taktischen Problemen, die unter Kovac herrschten - Stichwort Positionsspiel -, dennoch dürften alle Beteiligten deutlich mehr vom 28-Jährigen erwartet haben. Entsprechend versetzte ihn Hansi Flick auf die Bank, in den vergangenen beiden Spielen erhielt Thiago gerade einmal 18 Einsatzminuten. Sobald die Länderspielpause vorüber ist, wird es spannend zu beobachten sein, ob sich Thiago wieder seinen gewohnten Stammplatz erarbeiten kann. 


Philippe Coutinho

Philippe Coutinho

Philippe Coutinho ist das Endprodukt eines schwierigen Transfersommers an der Säbener Straße. Selbstverständlich ist der Brasilianer, der für 8,5 Millionen Euro vom ​FC Barcelona ausgeliehen wurde, aufgrund seiner enormen Qualitäten eine Bereicherung - zu sehen war davon bislang aber zu wenig.


Gewiss hätte die Integration auf dem Spielfeld auch einfacher erfolgen können. Das System der Bayern war zum Zeitpunkt der Verpflichtung alles andere als intakt, bestehende Probleme wurden nicht behoben. Aufgrund der flügellastigen Ausrichtung konnte sich Coutinho, der auf der Zehn zuhause ist, kaum ins Spiel einbinden und für die gewünschten Überraschungsmomente sorgen. Nicht zu unrecht prasselte in den vergangenen Wochen Kritik herein, allen voran Sky-Experte Dietmar Hamann ließ kein gutes Haar am 27-Jährigen.


Klar ist, dass Coutinho ebenso wenig wie Ivan Perisic die Wunschlösung war. Beide kamen als Alternativen zu Leroy Sané, dessen Transfer sich aufgrund des Kreuzbandanrisses zerschlug. Auf dem Papier ergeben Coutinho und Perisic - auch aufgrund der Transfermodalitäten - durchaus Sinn, seinen Stempel konnte vor allem Coutinho aber dem Münchner Spiel noch nicht aufdrücken.