​Es war eine der Szenen des vergangenen Spieltages. Bereits in der Nachspielzeit wollte Frankfurts ​David Abraham einen Einwurf schnell ausführen, checkte dabei den gegnerischen Trainer Christian Streich zu Boden und löste damit eine Rudelbildung aus, in deren Verlauf er vom Freiburger Spieler ​Vincenzo Grifo ins Gesicht gegriffen wurde. Nach dem Spiel jedoch posteten beide Streithähne ein Versöhnungs-Foto auf sozialen Netzwerken. Das wiederum stößt Ex-Schiri Kinhöfer sauer auf. Warum eigentlich?


Unmittelbar nach Streichs Fall sprang die gesamte Freiburger Ersatzbank wie von der Tarantel gestochen auf. Einer, der sich dabei am heftigsten hervortat, war Vincenzo Grifo. Die Bilder in der Sportschau entlarvten denn auch sein Verhalten als durchaus übergriffig, da er dem Frankfurter Abraham ins Gesicht patschte und auch ein wenig an die Gurgel ging. Per se schon Grund genug für einen direkten Platzverweis.


Doch so sehr sein Fehlverhalten auf dem Platz Tadel und Sanktion verdient, so vorbildhaft ist es wiederum, danach mit dem Rivalen ein gemeinsames Foto (als eine Art Friedenspfeife) zu machen und die Sache damit abzuhaken. Umso unverständlicher sind in meinen Augen die polemischen Äußerungen von Ex-Schiedsrichter Kinhöfer (Foto oben), der entsprechend mit dem Spiel gar nichts zu tun hatte, und den beiden Streithähnen Schauspielerei vorwirft und ihnen ihr Friedensfoto nicht abkauft. 


Vielmehr glaubt Kinhöfer, dass beide Spieler durch die öffentlich inszenierte Aussöhnung nur ein geringeres Strafmaß von Seiten des DFB-Sportgerichts erwirken wollten. Die Wortwahl des  Referees bei seinen Ausführungen gegenüber der Bild-Zeitung ist dazu noch unangemessen drastisch: "Da fühle ich mich verarscht! Erst wollte Grifo Abraham fast umbringen, dann ist auf einmal wieder Friede, Freude, Eierkuchen!"


Was will Kinhöfer eigentlich?


Doch da liegt Herr Kinhöfer in meinen Augen völlig falsch. Dass Herr Grifo versucht habe, Herrn Abraham umzubringen, entlarvt sich schon von sich aus als tumbe Übertreibung im Boulevard-Sprech. Lag vielleicht am Rahmen des Interviews. Doch auch verbal können Aggressionen geschürt werden, Herr Kinhöfer. 

Das "Friede, Freude, Eierkuchen" klingt irgendwie auch nicht schön, weil despektierlich. Fast könnte man glauben, Herr Kinhöfer habe ein persönliches Interesse daran, dass Abraham und Grifo von nun an und auf ewige Zeiten Todfeinde bleiben. Mit der Sechs-Spiele-Sperre gegen Abraham (Grifo bekam drei aufgebrummt!) ist Kinhöfer, im Gegensatz zu vielen Fans, natürlich auch einverstanden. Seinen Worten nach hätte die Strafe sogar noch höher ausfallen müssen: "Das ist für mich das untere Strafmaß." Worte, die tief blicken lassen. 


Zudem ist Kinhöfers Verbal-Attacke in meinen Augen ein ziemlicher Anachronismus in genau diesen Zeiten, in denen eigentlich kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo und von irgendwem Fair-Play eingefordert wird. Sich mit seinem Rivalen auszusöhnen, steht dabei in meinen Augen ganz oben. 


Jetzt kommt es mal dazu, wie in dieser Frankfurt-Freiburger-Affäre, und dann ist es auch nicht richtig. Auch die abschließenden Worte Kinhöfers ("Die Spieler schalten auf dem Platz alles aus, ihnen ist alles egal. Auch hohe Strafen. Deshalb zweifele ich an, dass höhere Strafen im Profifußball die gewünschte Abschreckung haben.") lassen darauf schließen, dass für ihn die Spieler völlig verroht sind, und nichts Besseres zu tun haben, als ihre Gegner mutwillig zu verletzen. 


Und wenn es den Anschein haben sollte, dass sie sich vertragen, ist alles nur geschauspielert. Bei solchen Aussagen erklären sich mir so einige Darbietungen der Schiedsrichter in den letzten Jahren.