Im Sommer wechselte Koray Günter innerhalb der ​Serie A vom FC Genua zu Hellas Verona. Beim derzeitigen Tabellenzehnten blüht der frühere Nachwuchsspieler von Borussia Dortmund in der Innenverteidigung auf - könnte er auch in der Nationalmannschaft Abhilfe schaffen?


2014 durfte Günter letztmals im DFB-Dress auflaufen. Der 25-Jährige spielte im Junioren-Bereich für die U17, U19 und U20-Auswahl der deutschen Nationalmannschaft, nach einem letzten Einsatz gegen die Schweiz am fünften März 2014 war aber Schluss. Zwei Monate zuvor wechselte Günter für 2,5 Millionen Euro​ von Borussia Dortmund zu Galatasaray Istanbul, am Bosporus blieb ihm der Durchbruch jedoch verwehrt. 


Nur 50 Pflichtspiele absolvierte Günter - zwischenzeitlich ausgebremst von einem Kreuzbandriss - zwischen Januar 2014 und Sommer 2018. Vor einem Jahr wechselte er nach Italien, ablösefrei schloss er sich dem FC Genua an. Nach nur 15 Einsätzen wurde er vor Saisonbeginn Hellas Verona verliehen und weiß unter dem Kroaten Ivan Juric plötzlich zu überzeugen.


Beim knappen 1:0-Sieg gegen Parma Calcio Ende Oktober war Günter der Mann des Spiels, zeigte auch bei der jüngsten 1:2-Pleite gegen Inter Mailand eine ordentliche Leistung. Noch mangelt es ihm ein wenig an der Konstanz, aber der 25-Jährige hat im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Entwicklung genommen.


Löws Sorgen in der Innenverteidigung


Bundestrainer Joachim Löw sucht händeringend nach Alternativen für das Abwehrzentrum. Niklas Süle, Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer fehlen noch immer, wieder wurde der Freiburger Robin Koch nominiert und Emre Can, der im Mittelfeld zuhause ist, für die Defensive zugeteilt. 

Zur Weltmeisterschaft 2014 wagte es Löw, den in Deutschland unbekannten Skhodran Mustafi mitzunehmen. Wie Günter wechselte auch Mustafi im Nachwuchsbereich ins Ausland, über den FC Everton gelang er an Sampdoria Genua - nach der WM wechselte er für acht Millionen Euro zum FC Valencia, zwei Jahre später für stolze 41 Millionen Euro zum ​FC Arsenal, wo er seit geraumer Zeit aber keine Rolle mehr spielt.


Die aktuelle Personalsituation würde den Raum für solch ein Experiment ermöglichen - wohl allerdings erst nach der endgültigen Qualifikation für die Europameisterschaft. In den letzten beiden Gruppenspielen trifft die DFB-Elf auf Weißrussland (16.11) und Nordirland (19.11), der Vorsprung auf die drittplatzierten Nordiren beträgt drei Punkte. 


Für Günter spricht seine Kopfball- und Zweikampfstärke, zudem ist er mit der von Löw bevorzugten Dreierkette vertraut. Hellas spielt in einem 3-4-2-1-System, Günter nimmt dabei die zentrale Rolle in der Abwehrreihe ein. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass der Bundestrainer wie vor fünf Jahren eine Überraschung aus dem Hut zaubert - gänzlich ausgeschlossen ist es nicht.