Lukas Klostermann ist eine Allzweckwaffe. Der Abwehrspieler von RB Leipzig kann in einer Vierer- oder Dreierkette auf jeder Position eingesetzt werden und könnte entsprechend die Antwort auf die Frage geben, wer aufgrund der zahlreichen Ausfälle bei der deutschen Nationalmannschaft in der Innenverteidigung spielt. Dann allerdings hätte Bundestrainer Joachim Löw eine neue Baustelle eröffnet, die es zu schließen gelte.


"Ich liebe solche Spieler einfach", schwärmt ​RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann laut Focus. Die Rede ist von Lukas Klostermann, der Nagelsmanns variablem System überwiegend auf der rechten Spielhälfte zum Einsatz kommt. Ob im 3-1-4-2 als aufgerückter Außenverteidiger oder im 4-2-2-2 als klassischer Rechtsverteidiger, Klostermann ist eine Bank.


In den letzten drei Bundesligaspielen aber wanderte der 23-Jährige zwischenzeitlich in die Innenverteidigung und auf die linke Abwehrseite. Der frühere Nachwuchsspieler des VfL Bochum spielte in 141 Pflichtspielen für RB auf fünf unterschiedlichen Positionen, weshalb er für Nagelsmann so gut wie unverzichtbar ist. "Man hat immer Spieler im Kader, die fragst du: Kannst du heute mal links spielen? Dann sagen die: Das wird eng, eigentlich nicht, lieber rechts. Und Klosti sagt: Ja gut, spiele ich halt links."


Auch Bundestrainer Joachim Löw ist auf Klostermann aufmerksam geworden, nominierte ihn im März diesen Jahres erstmals für die Nationalmannschaft und ließ ihn im Testspiel gegen Serbien (1:1) sofort von der Leine. Nachdem Joshua Kimmich vom Rechtsverteidiger zum defensiven Mittelfeldspieler umgeformt wurde, liegt es nun an Klostermann, die Lücke zu schließen - bislang hat er diese Aufgabe mit Bravour gemeistert.


DFB: Viele Fragezeichen in der Innenverteidigung


Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass Löw ihn nun auch als Innenverteidiger testen könnte. In den finalen EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland (16.11) und Nordirland (19.11) fehlt Stammspieler Niklas Süle aufgrund seines erlittenen Kreuzbandrisses, der Abwehrchef des ​FC Bayern München dürfte auch die Endrunde im Sommer verpassen. Da neben Thilo Kehrer (Fußverletzung) auch Antonio Rüdiger (Verletzung an der Leiste) fehlt, ist vom Gespann, das beim 3:2-Erfolg über die Niederlande im März auf dem Platz stand, lediglich Matthias Ginter übrig.


Der 25-Jährige ist für Löw unverzichtbar, der Platz - je nach System aber auch die Plätze - daneben sind wiederum frei. Jonathan Tah erlebte im Rückspiel gegen die Niederlande (2:4) vor zwei Monaten einen unglücklichen Abend, könnte nun aber noch einmal eine Chance erhalten. Niklas Stark erlitt im Bundesliga-Heimspiel der Berliner Hertha gegen Leipzig einen Nasenbeinbruch und reiste mit einem Veilchen zur Nationalmannschaft, der Freiburger Robin Koch dürfte noch keine ernsthafte Alternative für die Innenverteidigung sein.

Beim 2:2 gegen Argentinien half Emre Can im Abwehrzentrum aus, der eigentliche Mittelfeldspieler wurde auch diesmal für die Defensive eingeteilt. Dabei könnte Klostermann - eigentlich - Abhilfe schaffen. Mit den Aufgaben eines Innenverteidigers ist er bestens vertraut, mit seinem hohen Tempo kann er sich zudem in Sprintduellen mit den gegnerischen Angreifern behaupten. Dass ein Außenverteidiger auch im Zentrum überzeugen kann, bewies nicht zuletzt Löws ehemaliger Co-Trainer Hansi Flick beim 4:0-Sieg des FC Bayern über Borussia Dortmund, als David Alaba durch sein kluges Positionsspiel und seiner Geschwindigkeit viele Bälle ablaufen konnte.


Die komplizierte Rechtsverteidiger-Situation


Klostermann könnte sowohl in einer Vierer- als auch in einer Dreierkette - dort wohl als halbrechter Innenverteidiger - funktionieren. Gleichzeitig würde sich wiederum die Frage stellen: Wer übernimmt dann die rechte Abwehrseite?


Dort war Kimmich jahrelang gesetzt, seit über einem Jahr ist er allerdings für das defensive Mittelfeld zuständig. Mittlerweile ist Kimmich auch beim FC Bayern häufiger auf der Sechs zu finden, wo er seine Zweikampfstärke und seine Stärken im Passspiel voll und ganz einbringen kann. Dass Löw ihn wieder auf die Außenverteidigung versetzt, ist kaum zu erwarten - denn ohne Kimmich droht das Mittelfeld die Stabilität zu verlieren.


Das Warten auf Kehrer


Zwar könnten Can, Ilkay Gündogan oder Sebastian Rudy auf die Sechs rücken, aber Kimmich genießt den klaren Vorzug. Da dieser gleichzeitig die einzig wirkliche Alternative auf dem Rechtsverteidiger-Posten wäre, wäre das Risiko, Klostermann in die Innenverteidigung zu setzen, zu hoch.


Abhilfe könnte eine Genesung von Kehrer schaffen. Der variable Abwehrspieler von Paris St. Germain beackerte in seinen bisherigen Länderspielen ebenjene Position, die Klostermann aktuell besetzt. Solange er ausfällt, kann es sich Löw aber nicht leisten, Klostermann auf eine andere Position zu verschieben. Demzufolge dürfte Klostermann auch in der aktuellen Länderspielpause auf rechts Platz nehmen, ehe in einigen Monaten genügend Alternativen zur Verfügung stehen.