​Man könnte witzelnd sagen: in Sachen Pyro-Technik ist der ​Hamburger SV ein gebranntes Kind. Immerhin musste der Klub in der vergangenen Spielzeit satte 294.000 Euro an Strafen wegen einschlägiger Vergehen seiner Anhänger an den DFB zahlen. Deshalb wagen die Hamburger jetzt einen ungewöhnlichen Vorstoß.


In Hamburg haben sie alle noch die Bilder vom Stadt-Derby im letzten März vor Augen, als die Fans aus beiden Lagern für drei Spielunterbrechungen sorgten. Das Spiel stand damals sogar kurz davor, endgültig abgebrochen zu werden. 


Seitdem ist viel diskutiert worden: über "kalte Bengalos", wie sie in Dänemark teilweise schon erfolgreich getestet wurden, bis zum kontrollierten Abbrennen unter der Aufsicht des Klubs. 

In diese Richtung zielt der jüngste Vorstoß der Hanseaten. 


Testlauf vor einem halben Jahr


​Wie die Sportbild berichtet, soll es in diesem Zusammenhang bereits vor einem halben Jahr zu einem heimlichen Test gekommen sein. Anwesend waren seinerzeit: ein Experte für Pyro-Technik, die Feuerwehr und Fans. Nach vorhergehender Einholung der amtlichen Erlaubnis durch die Stadt Hamburg wurden dann die Rauchtöpfe zwischen Fan-Block und Spielfeld kontrolliert gezündet. 


Aktuell scheint diese Methode die einzige zu sein, um die verschiedenen Interesselagen der beteiligten Parteien unter einen Hut zu bringen. Denn: Die Fans haben bereits unmissverständlich signalisiert, auf Pyro-Technik nicht verzichten zu wollen, da sie einen wesentlichen Aspekt der Fan-Kultur ausmache. Und der HSV beugt sich dieser Haltung. Weil er befürchtet, mit Sanktionen die Lage nur noch weiter zu verschlimmern und die Fronten dadurch zu verhärten. 


"Brauchen anderen Umgang mit der Thematik"


Bernd Hoffmann sagte bereits im vergangenen Februar gegenüber dem Hamburger Abendblatt: "Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher. Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt – ganz im Gegenteil."


Bevor man also die Dinge weiter eskalieren lässt, brennt man lieber - gemeinsam mit den Fans - in kontrollierter Weise Rauchtöpfe ab. Besagter Testlauf soll Anfang des Jahres in Hamburg wiederholt werden. Das Kalkül des HSV: durch Zulassen kontrollierter Pyro-Aktionen wird die Lust der Fans vermindert, eigene Artikel ins Stadion zu schmuggeln und abzufackeln oder gar aufs Spielfeld zu werfen. Denn dann - siehe oben - wird es richtig teuer. Und in der Bundesliga, in die aufzusteigen ja das große Ziel der Rothosen ist, noch mal doppelt so viel. 


Jetzt will man also den dialogbasierten Weg gehen. Ob die Problematik dadurch eingedämmt wird, bleibt abzuwarten.