Der ​Hamburger SV läuft auswärts weiterhin seinen Ansprüchen hinterher. Erneut konnten die Rothosen ihr Gastspiel nicht siegreich gestalten und mussten am Ende mit dem 1:1 in Kiel zufrieden sein. Zu der Ergebniskrise in der Fremde gesellen sich jetzt erste Formdellen der eigentlichen Leistungsträger, Verletzungspech und - eine empfindliche Rotsperre. 


Jatta drohen mindestens zwei Spiele Sperre

Mit glatt Rot flog Bakery Jatta am Samstag im Holstein-Stadion bereits in der 26. Minute vom Platz. Angesichts der Kompromisslosigkeit, mit der der Gambier in den Zweikampf ging, durchaus vertretbar, auch wenn dies Trainer Dieter Hecking und sein Sportvorstand naturgemäß etwas anders sahen. Vor allem war Jattas Einsteigen in dieser Zone des Spielfeldes, fast auf Höhe des Mittelkreises und direkt an der Seitenauslinie, taktisch mehr als unklug. 

Lass den Kieler doch als erstes an den Ball kommen - viel wäre nicht passiert. 


Jetzt passiert aber einiges mit der Mannschaft, denn zwei Spiele werden sie beim DFB dem Gambier mindestens aufbrummen. Ein weiterer personeller Rückschlag, der für Hecking natürlich zur Unzeit kommt. 


Erste Delle beim HSV: Formtiefs und verletzungsbedingte Ausfälle


Denn aktuell sind mit Jan Gyamerah und Josha Vagnoman schon beide etatmäßigen Rechtsverteidiger verletzt und fallen noch mindestens bis zum Februar aus. 

Bei "Jambo" könnte es sogar noch ein wenig länger dauern. Der Back-Up der beiden, Khaled Narey, sucht noch nach seiner Form. Auch gegen Kiel lieferte Narey viele Fehlpässe ab (14 von 36) und verursachte damit immer wieder Gefahr auf seiner Seite.


Leider hängen auch ein paar andere Spieler momentan etwas durch, von denen man bislang Top-Leistungen gewohnt war. Ein Adrian Fein, z.B., wirkte in Kiel und schon in den beiden Pflichtspielen zuvor (im Pokal gegen den VfB und beim Last-Minute-Remis in Wiesbaden) etwas überspielt. Eine Pause wird der gebürtige Münchener indes auch jetzt nicht erhalten. 

Im Gegenteil: Stefan Kuntz nominierte den Mittelfeld-Strategen des HSV für das am kommenden Sonntag (16.00 Uhr) anstehende EM-Qualifikationsspiel der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Belgien in Freiburg. 


In derselben Altersklasse muss auch Rick van Drongelen für den holländischen Nachwuchs ran. Auch "Big Rick" wirkte in den letzten Spielen bisweilen unkonzentriert, leitete am Samstag mit einem kapitalen Fehlpass die Kieler Führung durch Serra ein. 

Und vorne läuft Lukas Hinterseer weiterhin seiner Form des Vorjahres hinterher. 

Da leider auch die Routiniers Aaron Hunt und Martin Harnik aktuell verletzungsbedingt fehlen, gehen dem Coach so ganz allmählich die Alternativen aus. 

Eines ist klar: bis zum Ende der Hinserie (einschließlich des ersten Rückrundenspieltages kurz vor Weihnachten) darf jetzt nicht mehr viel passieren. 


Pluspunkt: Im Team steckt Moral und Einsatzwille


Dennoch gibt es auch durchaus Positives zu berichten: Ein Spiel wie in Kiel hätte die Mannschaft der letzten Saison auf jeden Fall verloren. Doch im HSV 2019/20 steckt Charakter. Der ist mindestens ebenso wichtig wie Talent. In Unterzahl bei einem ekligen Gegner in der Nachspielzeit noch einen Punkt zu retten, ist aller Ehren wert. 

Diesmal spielte es der HSV sozusagen spiegelverkehrt gegenüber dem vorigen Auswärts-Auftritt: war man vor einer Woche nicht in der Lage, in numerischer Überzahl einen 1:0-Vorsprung über die Zeit zu bringen, müssen sich diesmal die Gegner aus Kiel diesen Schuh anziehen.


Natürlich wird es auf Dauer nicht reichen, auswärts ständig nur unentschieden zu spielen (zumal man irgendwann auch zuhause Punkte liegen lassen wird) - aber für die Umstände an diesem Spieltag geht das Ergebnis in Ordnung. 

Zumal mit dem VfB Stuttgart einer der beiden Hauptkontrahenten noch schlimmer patzte. 

Dass die Tabellenführung an Arminia Bielefeld abgegeben wurde, ist für mich eine Randnotiz. Zumal die Ostwestfalen, in meinen Augen, momentan absolut am Anschlag sind und fast schon über-performen. 

Die zweiwöchige Länderspielpause dürfte ihnen am ungelegensten kommen. 

Ganz im Gegensatz zum HSV. 


Für den gilt es jetzt, die Kräfte zu bündeln, verletzte Spieler fit zu bekommen, sich wieder neu zu fokussieren und aus den verbleibenden fünf Spielen (vier in der Hinrunde plus Rückrunden-Auftakt) zumindest noch 11 - 13 Punkte zu holen. Sollte dies gelingen, dürfte auch die Tabellenführung wieder zurückerobert sein. Wobei eine Tabellenführung nach dem 18. Spieltag so egal ist, wie 88, wie man hier oben sagt. Wichtig ist, was die Tabelle am Ende, nach 34 Spielen, vorweist. 


Und da sieht die sportliche Führung des Vereins, trotz der Auswärtsmisere und der Formschwäche einiger Leistungsträger, noch keinen Anlass, schwarz zu sehen.

"26 Punkte, seit sieben Spielen ungeschlagen, erst ein Ligaspiel verloren. Das ist erst mal sehr stabil", bewertet Hecking das erste Drittel der Liga ingesamt positiv. Jonas Bold schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir stehen momentan noch ganz gut da. Ich kann immer nur betonen: Wir müssen auf uns schauen." (Quelle: kicker.de)

Eine neue Gelegenheit dazu gibt es am 23. November (13.00 Uhr). Dann gastiert ​Dynamo Dresden zum "Elb-Derby" in der Hansestadt.