​Nach zwei Pflichtspielsiegen in Folge, inklusiver geglückter Revanche beim HSV, wähnte sich der ​VfB Stuttgart vor dem vergangenen Wochenende wieder auf einem guten Weg. Umso bitterer, dass sich die Stuttgarter gegen Aufsteiger VfL Osnabrück den nächsten Patzer leisteten. Nach der komplett ​unnötigen 0:1-Pleite mussten die Spieler den Unmut der Fans über sich ergehen lassen. 


Eine sportliche Krise - und davon muss für einen Aufstiegsfavoriten wie dem VfB bei vier Niederlagen aus den letzten fünf Zweitligaspielen definitiv die Rede sein - kommt zu keinem Zeitpunkt in der Saison wirklich gelegen. Findet diese Leistungsdelle aber wie aktuell ausgerechnet zwei Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Duell gegen den Erzrivalen Karlsruher SC einen erneuten Tiefpunkt, schrillen bei jedem eingefleischten VfB-Fan durchaus verständlicherweise zwar nicht alle, doch aber zumindest einige Alarmglocken.


VfB-Fans lassen ihren Gefühlen freien Lauf


Die Anhänger der Stuttgarter mussten in den vergangenen Jahren schon eine Menge mitmachen und lassen sich dennoch immer wieder auf die emotionale Achterbahnfahrt VfB ein. Auch bei der Partie gegen den Aufsteiger aus Osnabrück machten sich stolze 1.500 Fans der Schwaben auf den langen Weg in den Norden und hofften darauf, von ihren Lieblingen für diese Strapazen entsprechend verwöhnt zu werden.


Bereits nach nur wenigen Minuten mussten die Fans dann aber mit ansehen, wie ihre Mannschaft ins Hintertreffen geriet und in der ersten Halbzeit nur herzlich wenig zu Stande brachte. In der zweiten Hälfte konnte sich die Walter-Elf zwar deutlich steigern, scheiterte schlussendlich aber zum einen an dem zweifelsohne gut aufgelegten VfL-Keeper, aber vor allem auch an ihrer fehlenden Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse.


Nach Abpfiff, wurden die Spieler von ihren mitgereisten Anhägern heftig kritisiert. Zugute halten muss man der Mannschaft der Schwaben dabei, dass sie sich diesem Gang nach Canossa nicht verwehrte und sich sogar auf die ein oder andere Diskussion mit den aufgebrachten Supportern einließen. Über die Inhalte der Gespräche ist nichts bekannt, Torhüter Gregor Kobel deutete laut den Stuttgarter Nachrichten aber zumindest an, dass durchaus Tacheles geredet wurde: "Es waren relativ viele, die relativ laut waren."


Mislintat versucht seine Spieler zu schützen


​Sportdirektor Sven Mislintat indes, zeigte wenig Verständnis für die heftigen Reaktionen seitens der Gästefans: "Das ist eine junge Truppe, die willig ist, aber auf Knopfdruck noch nicht alles umsetzen kann. Wenn ich die zweiten 45 Minuten mit den ganzen Torchancen sehe, wäre Support auch super – und würde mehr helfen.“


Mit dieser Aussage hat sich der bislang sonst so überzeugende Kaderplaner aber keinen ​Gefallen getan, schließlich konnte man den Stuttgarter Anhängern während der Partie nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie ihre Spieler nicht ausreichend unterstützt hatten. Vielmehr muss von einer Mannschaft mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten des VfB - ausgeglichene zweite Liga hin oder her - schlicht und einfach ein souveräner Auswärtssieg bei einem Aufsteiger wie dem VfL Osnbrück erwartbar sein. Von unzulässiger Erwartungshaltung oder gar Arroganz kann dabei nicht die Rede sein.


Walter versucht Druck vom Kessel zu nehmen


Auch ​Coach Tim Walter stellte sich wie Mislintat im Nachklapp schützend vor seine Spieler. Die fein eingestellten Antennen des Cheftrainers dürften aber längst erkannt haben, dass alles andere als ein Sieg im Derby gegen den Karlsuher SC das Fass endgültig zum Überlaufen bringen könnte. Da hilft auch der Versuch des Ex-Kielers aus dem Duell in zwei Wochen eine ganz normale Partie zu machen herzlich wenig: "Mir ist es total egal, gegen wen wir spielen. Für uns ist jedes Spiel wichtig."


Die bisherige Saisonbilanz des VfB:


Siege​Remis​Niederlagen​​ToreGegentore​
​2. Bundesliga​7​2​4​20​18
​DFB-Pokal​2​-​-​3​1
​Insgesamt​9​2​4​23​19

Wer den VfB nur ein bisschen kennt, weiß ganz genau, wie wichtig die Spiele gegen den KSC vor allem für die eingefleischtesten und zudem lautstärksten, sprich mächtigsten, Fans des VfB sind. Eine Art Welpenschutz für die zugegebenermaßen jungen Spieler des VfB, ist schon allein aufgrund der eindeutigen Mission sofortiger Wiederaufstieg in dieser Spielzeit ohnehin von keinem Entscheider des VfB ernsthaft einzufordern. In besonderem Maße gilt dies fürs Derby, das zweifelsohne richtungsweisenden Charakter haben dürfte. 


Wie jedes große Spiel, ergeben sich aus dieser Herausforderung aber durchaus auch Möglichkeiten. Dies weiß spätestens nach der Fan-Schelte auch Neuzugang Phlipp Klement, der sich laut den Stuttgarter Nachrichten sicher ist, "im Derby wieder vieles gut machen zu können".