Jürgen Klopp und der ​FC Liverpool sind nicht zu stoppen. Punktum. Das zeigte das 3:1 gegen Manchester City eindrucksvoll, doch es liest sich auch in der Entwicklung, die die Reds unter Kloppo nahmen. Gleichzeitig lichten sich auch die allerletzten Restzweifel an Klopp als Taktiker, dem Pöhler in der Matrix.


Ein kerniges Lachen, eine armauskugelnde Säge und herzhafte Umarmungen; Assoziationen, die man bei Jürgen Klopp hat, sind deftiger Natur. Statt feiner Klinge verbindet man mit Klopp eher die rohe Keule. Dafür lieben sie ihn in Liverpool, Dortmund und Mainz - ach komm, wahrscheinlich überall außer in München und Manchester. Was gerne unter den Tisch fällt - auch nach 18 Jahren beinahe nahtloser Erfolgsgeschichte - ist Klopps taktische Expertise. Die letzten Restzweifel dürften so langsam aber aus den Köpfen gefegt sein.


Klopp'sche Revolution - die Komplexität im Einfachen


Man lässt schnell außer Acht, dass Klopp quasi den gesamten deutschen Fußball mit seinem konzeptionellen Gegenpressing revolutioniert hat. Man lässt schnell außer Acht, dass sein Ansatz nahezu makellos ist. Denn es wirkt so einfach; der Trainer Jürgen Klopp wirkt so einfach. Dabei liegt in dieser Simplizität eine Perfektion, die im höchsten Maße komplex ist. Aufgeweicht wird diese Komplexität durch das Herzblut und die Leidenschaft, die Klopp für seinen Fußball voraussetzt. Aufgeweicht wird seine taktische Finesse durch seine so menschliche Art. 


Klopps Taktik, sie hat etwas Rohes; eigentlich undenkbar, dass er damit im Modernen Fußball Erfolg hat. Variables Positionsspiel, schnelles Umschalten, Bälle in die Tiefe und keine klare Neun - das wirkt beinahe antiquiert. Und doch funktioniert es so herzzerreißend gut, dass man sich nur verbeugen kann. Klopp schafft es, seine Idee nahezu jedem Spieler nahe zu bringen, der Leidensfähigkeit beweist. Und er schafft es damit seit Jahren, die weltbesten Trainer auszumanövrieren. Es scheint einfach keinen Angriffspunkt für Klopps Fußball zu geben. 


Klopp-Ball perfektioniert


Vor ein paar Jahren, damals noch als Trainer des ​BVB, sah das noch anders aus. Klopps Fußball wirkte - nach zwei Meisterschaften und einem DFB-Pokalsieg - etwas eingerostet. Die Tatsache, dass der Pöhler ohne Mario Götze und Robert Lewandowski auskommen musste und die Bayern gleichzeitig mächtig aufrüsteten, geriet zur Nebensache. Klopps Handschrift wurde im deutschen Oberhaus ausrechenbarer. Der Vorwurf, Klopp-Ball würde nicht zum ganz großen Wurf reichen, musste in Liverpool korrigiert werden. Mit beträchtlich mehr finanziellen Mitteln und einem ausgesuchten Personal blieb Klopp seinem Fußball treu und perfektionierte ihn. Und perfekt ist er.


Es ist einzigartig, was Jürgen Klopp tut. Im Modernen Fußball, der maximalen Anspruch auf Perfektion erhebt, in einem Zeitalter der Taktiktüftler und Laptop-Trainer, steht da dieser "German Guy" und sägt und brüllt und lacht - und gewinnt alles, was es zu gewinnen gibt. Der eine Mannschaft, mit zuvor als mittelmäßig eingestuften Spielern (Ausnahmen bestätigen diese Regel), zum besten Team der Welt geformt hat. Er ist der Pöhler in der Matrix, der kein Gleichgewicht zulässt. Und davor ziehen wir unseren Hut.