Etwas mehr als anderthalb Jahre durfte Domenico Tedesco als Trainer die Geschicke von ​Schalke 04 leiten, wobei er die verschiedenen Extreme des Vereins kennengelernt hat. Im Interview mit dem kicker sprach er nun über seine Zeit beim S04, falsche Schubladen und welche Erinnerungen an Königsblau er mitgenommen hat.


Seit einigen Wochen ist Domenico Tedesco mittlerweile ​Cheftrainer von Spartak Moskau. "Das ist der größte und beliebteste Verein des weltweit größten Landes, eine absolute Hausnummer", so der 34-Jährige gegenüber dem kicker. Aus Moskau kam jedoch nicht das einzige Angebot, verriet er - so gab es weitere aus dem Ausland, aber auch aus der Bundesliga. Bei Spartak sei er jedoch überzeugt gewesen, "dass es jetzt der richtige Schritt ist."


Auf Schalke zu Unrecht in die Defensiv-Schublade geraten: "Das ist nicht mein Ansatz"


Natürlich verbindet man mit dem Namen Tedesco noch immer vornehmlich den FC Schalke 04. Nach der Vizemeisterschaft in der ersten Saison, war er im Frühjahr 2019 - also im frühen Endspurt der zweiten Saison - gescheitert. Während der anderthalb Jahre sei er als Trainertyp jedoch in eine falsche Schublade gesteckt worden, merkte er an: "Bei mir galt schon immer: Wir wollen mutig nach vorne spielen und Tore schießen. [...] Wir hatten genau das auf Schalke vor. Ich habe bislang bei keiner Station [...] den Fokus nur auf die Defensive gelegt. Das ist nicht mein Ansatz."


Dieser Eindruck könnte entstanden sein, weil er häufig "kein gepflegtes Kurzpassspiel" spielen ließ, was man aber mit den Stürmertypen wie Franco Di Santo, Guido Burgstaller und Breel Embolo erklären könne: "Wir haben viel das Mittel der zweiten Bälle angewendet, sind viel über die Wucht gekommen." Denjenigen, die der Meinung seien, S04 hätte "immer nur tief gestanden", unterstellte er eine "sehr undifferenzierte Betrachtungsweise". Schließlich habe man beispielsweise im Vizemeister-Jahr die dritthöchste Verteidigungslinie gehabt, merkte der Deutsch-Italiener gegenüber dem kicker an.

Tedesco freut sich über positive Entwicklung und lobt das Trainerteam - "Ich werde immer Schalke-Fan sein"


Seine Freistellung habe er mittlerweile überwunden. Da er sich jedoch sehr wohlgefühlt habe, sei diese Trennung "nicht spurlos" an ihm vorbeigegangen. Das halbe Jahr habe er jedoch gut genutzt, "um alles aufzuarbeiten". Über die positive Entwicklung der Königsblauen wundert er sich indes nicht. Wichtige Führungsspieler wie Salif Sané, Suat Serdar, aber auch Amine Harit und ​Omar Mascarell "leisten wirklich großartige Arbeit auf dem Feld". Sie seien nun richtig angekommen. Zudem lobte Tedesco die gute Arbeit des neu formierten und erweiterten Trainerteams. 


"Ich habe nie daran gezweifelt, dass in dieser Mannschaft Potenzial steckt. Ich freue mich, dass dies nun immer deutlicher wird und die Jungs ihre Qualitäten zeigen", so Tedesco weiter. Er persönlich habe vor allem zwei Dinge, die ihn an Schalke erinnern. So nannte er zum einen den 2:0-Derbysieg mit anschließender Feier vor der Nordkurve, und zum anderen die bittere und erschreckende 0:4-Heimniederlage gegen ​Fortuna Düsseldorf: "Diese beiden Momente stehen für mich sinnbildlich für die Extreme, die Schalke so besonders machen und die Wucht widerspiegeln." Er sei froh, dass erlebt haben zu dürfen, und er werde "immer Schalke-Fan" sein.