​Beim 4:0-Erfolg gegen Borussia Dortmund präsentierte sich der ​FC Bayern München am Samstag endlich mal wieder wie eine echte Einheit. In den Wochen und Monaten zuvor war Ex-Trainer Niko Kovac das Vertrauen seiner Spieler immer mehr abhangen gekommen. Mittlerweile soll klar sein, welche Profis sich intern am stärksten gegen den unlängst entlassenen Cheftrainer ausgesprochen hatten. 


Einen Tag nach der empfindlichen 1:5-Niederlage gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt war Kovac am 3. November von der Bayern-Führung entlassen worden. Dabei versuchten alle Beteiligten ​für eine saubere Trennung zu sorgen und verzichteten darauf nachzutreten. Am vergangenen Samstag ließ sich ​Noch-Präsident Uli Hoeneß jedoch zu einem vielsagenden Statement hinreißen und bestätigte im 'Sportstudio' des ZDF, dass es "Strömungen in der Mannschaft" gegeben hatte, "die den Trainer weghaben wollten". Die BILD will nun die einzelnen Bedenkenträger ausgemacht haben.


Kovac brachte sich selbst in die Bredouille


Klar ist, dass sich Kovac selbst im Umgang mit seinem Starensemble nicht immer geschickt angestellt hatte. So leistete es sich insbesondere bei der Moderation seiner aus sportlichen Gründen durchaus zumindest teilweise nachvollziehbaeren Nicht-Berücksichtigung von Thomas Müller ein folgenschweren Patzer und legte sich durch seinen schon jetzt legendären Notnagel-Satz selbst ein Ei ins Netz. Nicht nur bei dem Ex-Nationalspieler kam dieses Statement alles andere als gut an.


Auch im Umgang mit seinen Innenverteidigern ließ Kovac zuweilen Fingerspitzengefühl vermissen. So legte er sich schnell darauf fest, Niklas Süle zum unangefochtenen Abwehrchef zu machen und trat dadurch den Weltmeistern Mats Hummels und Jerome Boateng auf die Füße. Hummels entschloss sich daher zu einer Rückkehr zum BVB und auch Boateng liebäugelt seit gefühlt Jahren mit einem Wechsel. 


Kimmich und Lewandowski legten Finger in die Wunde


Doch nicht nur der persönliche Umgang stieß so manchem Bayern-Profi sauer auf. Mindestens genau so bedenklich empfanden besonders die ehrgeizigsten Spieler der Münchner, darunter Nationalspieler Joshua Kimmich, dass es Kovac nicht gelang, ​de​r Mannschaft ein klares taktisches System vorzugeben. Kimmich galt daher bereits Monaten als großer Taktik-Kritiker und blickte wehmütig auf die intensive Zeit unter Pep Guardiola zurück.


Auch Robert Lewandowski strebt immer dazu, das Optimum zu erreichen. Rein persönlich befindet er sich aktuell dank seiner unglaublichen Toreserie in der Bundesliga zwar auf einem exzellenten Weg, mahnte zuletzt aber auch an, dass er sich schon wünschen würde, dass auch seine Teamkollegen weiter geformt werden. "Eine Achse, die nur aus Neuer und Lewandowski besteht, ist zu wenig", so der Torjäger gegenüber der Süddeutschen Zeitung.


Ein enttäuschter und ein enttäuschender Spanier​


Javi Martinez hatte bis zuletzt unter Niko Kovac einen sehr schweren Stand und war nur sehr selten die erste Wahl. Das Ganze, obwohl sich Hoeneß bereits in der vergangenen Spielzeit als großer Fan des spanischen Mittelfeldspieler geoutet hatte. Da jeder um die Macht des Präsidenten weiß, kann man sich gut vorstellen, dass dies konträre Einschätzung dem Standing von Kocac alles andere als zuträglich war.


Martinez Landsmann Thiago Alcantara hingegen, war unter Kovac unumstrittener Stammspieler und wurde in den vergangenen Monaten selbst bei konstant schwachen Leistungen nicht abgestraft. Auch diese Inkonsequenz kam bei den anderen Bayern-Profis und insbesondere den direkten Konkurrenten des Iberers nicht gerade gut an.


Selbst Kapitän Manuel Neuer, der lange Zeit noch als Befürworter von Kovac galt, machte gegen Ende immer deutlichere Andeutungen, dass sich an der Säbener Straße etwas verändern müsse. Nach dem knappen Pokal-Sieg gegen Bochum betonte die Nummer Eins, dass die Zeit gekommen wäre, keine Ausreden mehr zu suchen. Nach der Klatsche gegen die Eintracht wurde er gegenüber dem ZDF noch konkreter: "Es ist kein riesiges Wunder, was hier passiert ist. Es hat sich ein bisschen angebahnt. Ich glaube, die kommenden Tage werden sehr unruhig."


Grüppchenbildung beim FCB


Doch nicht nur zwischen Spieler und Trainer, sondern auch mannschaftsintern kam es gelegentlich bereits zu Spannungen. Dabei soll sich die Kabine der Münchner laut der BILD grob in drei Lager aufteilen lassen. Da wären zum einen ​die Gruppe der jungen Wilden, der vor allem viele deutsche Spieler angehören, die sich bereits aus den U-Mannschaften des DFB bestens kennen. Dem harten Kern gehören dabei vor allem Kimmich, Gnabry, Goretzka und Süle an. David Alaba ist ziemlich dicke mit dieser Gruppe. Ähnliches gilt für Manuel Neuer, der besonders zu Goreztka - ebenfalls mit Ruhrpottvergangenheit - einen guten Draht hat.


Eine weitere Gruppe setzt sich aus den französischsprechenden Profis zusammen, namentlich: Pavard, Tolisso, Hernandez, Coman und auch Cuisance. Die dritte größere Gang ist schließlich die Spanien- und Südamerika-Fraktion, der Thiago, Martinez und Coutinho angehören.


Von wirklichen Grabenkämpfen zwischen den einzelnen Gruppierungen soll jedoch selbst in der zuletzt andauernden sportlichen Krise keine Rede gewesen sein. Vielmehr gibt es auch durchaus Freundschaften, die sich über mehrere Gruppen hinweg erstrecken, etwa zwischen Neuer und Thiago. Auch ein Einzelgänger wie Thomas Müller, der keinen klaren Gruppe angehört, kapselt sich nicht komplett ab und ist des Öfteren mit Süle auf dem Golfplatz anzutreffen.