An diesem Bundesliga-Spieltag gibt es für zwei Trainer ganz besonders wichtige Spiele. Achim Beierlorzer muss mit dem ​1. FC Köln gegen Hoffenheim eine Trendwende schaffen, und Hansi Flick muss mit ​Bayern München einen überzeugenden Auftritt gegen den BVB hinlegen - beide als Richtungsweiser für ihre jeweilige Zukunft. Das ergibt allerdings sehr wenig Sinn. Ein Kommentar.


Dass der Beruf des Fußball-Trainers gerade in den höheren Ligen kein Job ist, bei dem man sich allzu langfristig mit einem Verein beschäftigen sollte, ist offensichtlich. Dass es ein Trainer in den ersten beiden Ligen schafft, mehr als drei, vielleicht sogar vier Jahre bei einem Verein zu bleiben, ist extrem selten geworden. Ein schnelllebiges Geschäft, so viel ist klar. 


Beierlorzer könnte entlassen werden, Flick spielt um mehr Zeit als Interims-Coach - diese Herangehensweise ist falsch


Am elften Spieltag der Bundesliga rumort es bereits bei den ersten Vereinen. Man ist mit Ergebnissen, Auftritten und/oder dem Tabellenplatz unzufrieden und automatisch steht der Trainer im Fokus. Niko Kovac hatte beispielsweise bei der 1:5-Niederlage gegen ​Eintracht Frankfurt sein letztes Spiel als Coach für den FC Bayern, Achim Beierlorzer könnte am heutigen Freitagabend ebenfalls sein letztes Spiel haben. Auch die Zukunft von Hansi Flick, Kovac-Nachfolger, hängt elementar mit einem einzigen Spiel zusammen. Die gemeinsame Zukunft mit einem Trainer von einem einzigen Spiel abhängig zu machen, ergibt allerdings keinerlei Sinn. 


Fall Nummer eins ist Achim Beierlorzer beim 1. FC Köln. ​Man wolle zusammen die Trendwende erreichen, hieß es in einer Mitteilung zu Beginn dieser Woche. Dazu hat man sich die Heim-Partie gegen die ​TSG Hoffenheim ausgesucht. Ein Entscheidungs-Spiel für Beierlorzer. Beim FCB könnte Hansi Flick seine derzeitige Position als Cheftrainer für die kurzfristige Zukunft verlängern, sollte man gegen ​Borussia Dortmund überzeugend auftreten. Überspitzt und vereinfacht gesagt: Schwachsinn. Entweder man ist von der Arbeit eines Trainers und von dessen Entscheidungen als Vereinsführung überzeugt, oder eben nicht. Das Ergebnis eines einzelnen Spiels ist für eine solche Entscheidung schlicht nicht aussagekräftig. 

Entweder man ist vom Trainer und dessen Arbeitsweise überzeugt, oder eben nicht - ein einzelnes Spiel sagt zu wenig aus


Jeder weiß, durch wie viele Faktoren ein Spiel beeinflussbar ist. Ein einziger Stellungsfehler, eine ärgerliche Verletzung, eine fragwürdige Entscheidung des Schiedsrichters - und schon könnte man hinten liegen und das Spiel verlieren. Der Einfluss eines Trainers darauf: Gleich null. Natürlich könnte man nun sagen, dass ja auch die Vereinsbosse solche Umstände sehen und danach ja Milde walten lassen können - das ist soweit richtig, aber dann gibt man (intern) erst gar nicht an, sich das Resultat (Ergebnis und Art und Weise des Auftritts) eines bestimmten Spiels zur Entscheidung zu nehmen. Gibt man zu, dass es verschiedene Aspekte in einem Spiel geben kann, auf die man als Coach keinerlei Einfluss hat, sollte man ohnehin schon einsehen, dass eine solch richtungsweisende Entscheidung nicht davon abhängig sein sollte. 


Die Arbeit eines Trainers zahlt sich ohnehin erst nach genügend Zeit aus. Dazu gibt es selbstverständlich auch interne Strukturen, wie die gemeinsame Arbeit mit den Spielern, mit dem Sportdirektor bzw. dem Sportvorstand, die Herangehensweise an das Training oder an die Spielanalyse, die einen an der Personalie zweifeln lassen können. Doch da muss man sich als Vereinsführung entscheiden: Vertrauen wir Trainer Max Mustermann mit dessen Arbeitsweise, weswegen wir ihn auch verpflichteten, noch immer und gehen diesen (in der Regel schwierigen) Weg zusammen weiter, oder eben nicht. Bei einer seriösen Entscheidung, ob man einen Trainer entlässt, muss man wichtige Kriterien bewerten - und das ist sicherlich kein einzelnes Spiel, kein einzelner Auftritt, kein einzelnes Ergebnis. Unschön für den unter Druck stehenden Trainer, unprofessionell für einen Verein.