Platz 8 im All-Decade-Ranking von 90min geht an David Silva. Der 33-jährige Mittelfeldspieler bestreitet seine letzte Saison bei ​Manchester City, an den Nagel will er seine Fußballschuhe aber noch nicht hängen. Solange er noch im Etihad Stadium aufläuft, sollten die Anhänger der Skyblues seine Auftritte genießen.


David Silva ist ein großer Teil der erfolgreichsten Fußballgeneration Spaniens. 125 Länderspiele bestritt der offensive Mittelfeldspieler von 2006 bis 2018, stand in dieser Zeit gemeinsam mit Größen wie Xavi, Andres Iniesta, Iker Casillas, Carles Puyol, Sergio Ramos, Xabi Alonso oder Sergio Busquets auf dem Platz und zählte selbst zu den Größten seines Landes. Bei beiden EM-Titeln in den Jahren 2008 und 2012 sowie beim WM-Triumph 2010 war er dabei, so richtig Fahrt sollte seine Karriere aber erst in England aufnehmen.


Anfänge in Valencia


Den Feinschliff für eine erfolgreiche Laufbahn erhielt David Silva beim FC Valencia. Nach fünf Jahren bei seinem Heimatverein CD Arguineguín wechselte er im Jahr 2000 in die Nachwuchsakademie der Fledermäuse, ​bei den Profis aber sollte sich der 1,70 Meter große und eher schmächtige Fußballer noch nicht durchsetzen. Die Saison 2004/05 verbringt er bei SD Eibar, ein Jahr später läuft er für Celta Vigo auf. Dort sammelt Silva 34 Einsätze und legt den Grundstein für den Durchbruch in Valencia.


Silva ist nach seiner Rückkehr im Sommer 2006 auf Anhieb Stammspieler, macht in seinem ersten Jahr 49 Pflichtspiele in allen Wettbewerben. Unter Quique Sanchez Flores spielt er sich fest, gemeinsam mit David Villa, den Valencia 2005 für 12,5 Millionen Euro von Real Saragossa verpflichtet, gehört er zu den Schlüsselspielern in der Offensive. 


Das ändert sich weder unter Ronald Koeman, noch unter Voro oder Unai Emery. Silva läuft insgesamt 166 Mal für Valencia auf, erzielt 31 Tore und legt 33 weitere Treffer auf - doch nachdem Spanien 2008 Europameister wird und 2010 die Weltmeisterschaft gewinnt, ruft Manchester City. Der neureiche Verein investiert im Sommer 2010 fast 184 Millionen Euro, Silva ist hinter Edin Dzeko, Yaya Toure und Mario Balotelli der viertteuerste Transfer.


Joe Hart wunderte sich: "Kannte nicht einmal seine Position"


28,75 Millionen Euro überweist der Klub auf das Konto des FC Valencia. Der damalige Stammtorhüter Joe Hart war davon irritiert, wie er einige Jahre später in einem Interview mit Kickback verriet (zitiert via as): "Wir gaben 33 Millionen Pfund für einen kleinen, langsamen Linksfuß aus, der nicht einmal seine Position kannte." Doch Hart sollte sich irren, wie er zugab. Silva habe sich "nicht von Anfang an auf der Überholspur" befunden, "aber seine Konstanz und Qualität sind durch die Decke geschossen. Er ist ein fantastischer Spieler. Es gibt nichts Negatives an ihm, außer dass er klein ist."


Die Zweifel an einen Durchbruch in der ​Premier League sind anfangs groß, Englands erste Liga gilt als besonders physisch. Der eher schmächtige Silva muss sich den Gegebenheiten anpassen - doch seine Qualitäten machen ihm den Umstieg angenehm. Mit seiner extremen Ballsicherheit und der Fähigkeit, sich selbst auf engstem Raum aus Pressingsituationen zu befreien, ist er für seine Gegenspieler kaum zu greifen - dabei ist es völlig egal, auf welcher Position er spielt. Mit Finten und dem ein oder anderen Trick spielt er sich durch die engen Maschen, gedanklich ist er immer einen Schritt voraus. Besonders gefährlich sind aber seine präzisen Pässe, mit denen er über die Jahre als Vorlagengeber auf sich aufmerksam machen wird.


Aktuell steht David Silva bei 410 Pflichtspielen für Manchester City, in dieser Zeit gelangen ihm 134 Assists und 74 eigene Tore. In der Saison 2011/12, als City im Herzschlagfinale dank des späten Siegtreffers von Sergio Agüero beim 3:2 über die Queens Park Rangers zum ersten Mal seit 1968 Englischer Meister wird, gelingen ihm 17 Torvorlagen in der Premier League; bis heute konnte er diese Marke nicht überbieten. 


Wunderwaffe David Silva


Ob auf den Außenbahnen, im linken oder rechten Mittelfeld, auf der Zehn oder Acht - Silva ist nahezu überall einsetzbar. In der Saison 2014/15 gelingen ihm gar zwölf Tore, mit 23 Scorerpunkten ist er einer der besten Spieler der Liga. Unter Pep Guardiola ist er auch im Alter von 33 Jahren Stammspieler, der Katalane bezeichnete ihn laut Bleacher Report als "einen der intelligentesten Spieler, die ich je gesehen habe. Du kannst eine gute Saison spielen, aber er hat es zehn Saisons lang getan", so Guardiola, "es ist fast unglaublich. Seine speziellen Qualitäten helfen ihm, in der Premier League zu überleben."


Auch die Konkurrenz bewundert ihn. So sagte der aktuelle Trainer des FC Chelsea, Frank Lampard, laut ​Metro über seinen Zwischenstopp bei den Cityzens (August 2014 - Juni 2015): "Mit ihm jeden Tag zu trainieren und seine Demut als Spieler, seine Qualität und alles was er mitbringt, zu sehen, war etwas Besonderes. Ich freue mich, dass er Erfolg und all die Anerkennung erhalten hat. Er ist unglaublich."


Dass er in England den Sprung in die Weltklasse geschafft hat, ist auch an Titeln ablesbar: Viermal wird er mit City Meister und Ligapokalsieger, gewinnt zudem zweimal den FA Cup. Bei Valencia gewann er lediglich die Copa del Rey im Jahr 2008. Alles, was ihm jetzt noch fehlt, ist die ​Champions League - doch diese Saison bietet wohl die letzte Gelegenheit. Im Sommer wird er sich aus Manchester verabschieden, Gerüchten zufolge zieht es ihn wie Andres Iniesta oder David Villa womöglich nach Japan. Aufhören, so scheint es, wird er aber nicht. 


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: Neymar - das Ausnahmetalent mit vielen Makeln

Platz 10: ​Arjen Robben - der Mann für die entscheidenden Momente

Platz 9: ​Bastian Schweinsteiger - Fußballgott mit Kämpferherz