Das Programm nach der Länderspielpause war für ​Borussia Dortmund denkbar ungünstig. Nach schwankenden Leistungen wartete ein Topspiel nach dem anderen, mit der anstehenden Begegnung gegen den FC Bayern schließt sich am Samstagabend der Kreis. Alle Beteiligten dürfen zufrieden sein, vor der letzten Unterbrechung des Jahres hat die Mannschaft gute Arbeit geleistet.


Was war das für eine komische Phase, in der der BVB von Mitte September bis Anfang Oktober steckte. Einerseits wurde keines der sechs Pflichtspiele verloren, andererseits standen nur zwei Siege und vier Unentschieden zu Buche. Mangelnde Kaltschnäuzigkeit und späte Gegentore entfachten eine Mentalitätsdebatte und befeuerten die Kritik an Trainer Lucien Favre, der den Blick nun aber entspannt nach vorn richtet.


Wochen der Wahrheit beim BVB: 6 Spiele, 4 Siege


Dortmund kann wieder gewinnen - das ist die Hauptbotschaft der vergangenen Spiele. Bis auf den 3:0-Kantersieg über den VfL Wolfsburg waren es zwar stets enge Begegnungen, diese haben aber gezeigt: Mangelnde Mentalität darf sich die Mannschaft nicht vorwerfen lassen; das ein oder andere Manko gab es dennoch.


Im ersten Spitzenspiel nach der Länderspielpause wurde Borussia Mönchengladbach mit 1:0 in die Knie gezwungen. Kurz vor Schluss hätten die Gäste beinahe den Ausgleich erzielt, am Ende aber blieben alle drei Punkte im Signal-Iduna Park. Den Tiefpunkt bildete das 0:2 bei Inter Mailand, das die fortbestehenden Probleme dank einer reifen Abwehrleistung der Italiener offenbarte - ähnlich wie beim darauffolgenden 0:0 gegen Schalke.


Aber Gladbach bot dem BVB auch im zweiten direkten Duell Starthilfe, im DFB-Pokal wurde ein 0:1-Rückstand gegen den Lieblingsgegner in einen 2:1-Erfolg gedreht. In den Wochen zuvor waren es die Dortmunder, die das Spiel aus der Hand gaben - nun drehte die Mannschaft den Spieß um.

Achraf Hakimi

Bilder wie diese zeigen: Der BVB ist wieder da



Auf das 3:0 über Wolfsburg folgte ein 3:2 im Rückspiel gegen Inter, obwohl es zur Pause noch 0:2 stand. Auffällig: Alle Dortmunder Tore nach der Länderspielpause fielen in Durchgang zwei. Die vergangenen Spiele waren umso mehr ein Sinnbild des bisherigen Saisonverlaufs - die Mannschaft braucht ein wenig, um in Schwung zu kommen, aber wenn der Motor läuft, ist die Offensive nur schwer aufzuhalten.


Kampfansage an Bayern


Entsprechend erleichtert waren die Akteure nach dem wichtigen Sieg über Inter: "Es fühlt sich brutal gut an", wird Julian Brandt von Sport1 zitiert. Der offensive Mittelfeldspieler war ob der Ausfälle von Marco Reus eine Schlüsselfigur, in fünf von sechs Spielen begann der 23-Jährige von Beginn an und erzielte drei Tore. "Wir haben als Kollektiv agiert, waren sehr eklig zu bespielen, immer dran, jeder Gegenspieler hatte jederzeit einen von uns im Rücken", sagte er über die Leistung in den zweiten 45 Minuten des Dienstagabends. Genau das hatten die Fans seit geraumer Zeit vermisst.


"Wir waren in der letzten Zeit nicht so schlecht, wie uns die Medien gemacht haben", empfand Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der gleich eine Kampfansage an den kommenden Gegner aus München schickte (zitiert via ​Sport Bild): "Das gibt uns Rückenwind für Samstag. Wir sind bereit für den Clásico." Auch Stadionsprecher Norbert Dickel ist sich sicher: "Am Samstag hauen wir die Bayern weg."


Auch wenn einige Fans Lucien Favre noch immer kritisch beobachten - beim Führungstor von Inter sahen sie sich in ihrer Auffassung, Manuel Akanji habe keinen Platz in der Startelf verdient, wieder einmal bestätigt -, dürfte das gesamte Umfeld spüren, dass sich die Mannschaft in die richtige Richtung entwickelt. Eigenschaften wie Kampfgeist, Tempo, Kreativität und vor allem der Wille, sofort einen Treffer nachzulegen, sind wieder zu spüren.

Lucien Favre

       Lucien Favre feierte erstmals seit August drei Siege in Serie



Besonders Favre, der an der Seitenlinie etwas befreiter wirkt und allmählich aus sich herauskommt, dürfte sich über den Aufwärtstrend freuen, schließlich war der Trainer im Kreuzfeuer der Kritik. "Ich kann damit sehr gut leben", sagte er angesprochen darauf, kritisierte aber zugleich, es sei "von beiden Seiten übertrieben." Denn aller vergangenen Wochen zum Trotz rangiert Dortmund in der ​Bundesliga auf Rang zwei, befindet sich im Achtelfinale des DFB-Pokals und kann den Einzug in die K.o.-Phase der ​Champions League aus eigener Kraft schaffen. Ein Punktgewinn gegen die Bayern würde das Stimmungsbild sogar noch mehr aufhellen.