​Ernesto Valverde ging in diesem Sommer in seine dritte Saison als Chef-Trainer des ​FC Barcelona. Doch dies tat er nur auf Bewährung - denn seit jenem Mai-Abend dieses Jahres schwebt über ihm das Damoklesschwert der Entlassung. Die letzten Resultate haben seine Position sicherlich nicht gestärkt. Es werden bereits zwei mögliche Nachfolger gehandelt.


Schlechte Spiele und Resultate - national wie international!


1:3 in Levante. Wo? Ja, in Levante. Bei einem Klub, dessen Endplatzierungen in der ​La Liga in den letzten beiden Jahren die Ränge 15 (2017/18) und 15 (2018/19) waren. Davor, in der Spielzeit 2016/17 spielten sie gar nur in der zweiten Liga Spaniens. 


1:3 also. Und das nach einer 1:0-Führung. Doch dem Team aus Valencia genügten gerade mal acht (!) Minuten, um das Spiel gegen den haushohen Favoriten zu drehen - und am Ende völlig verdient zu gewinnen. Das war am vergangenen Wochenende. Am gestrigen Gruppenspieltag der Champions-League-Gruppe F (mit dem BVB) gab es dann die nächste herbe Enttäuschung. 

Gegen Slavia Prag kamen die culés nicht über ein mickriges 0:0 hinaus. 


Doch all diese ungenügenden Resultate der letzten Zeit wären an sich nicht das Problem. 

Die Saison ist schließlich noch jung, und wenn der Floh erstmal wieder richtig ins Hüpfen kommt... Kam er aber zuletzt auch nur in homöopathischen Dosen. 


Das Trauma von Liverpool 


Nein, die Ursache von Valverdes aktuell sehr bedrohlicher Situation liegt im Mai. Genauer gesagt: im Halbfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Liverpool. Das Trauma, nach einer 3:0-Hinspielführung am Ende doch noch auszuscheiden, steckt dem ambitionierten Spitzenklub immer noch in den Kleidern. 


Einige hätten ihn am liebsten damals schon gefeuert. Doch die Bosse im Camp Nou hielten an ihm fest, erfüllten nahezu alle seine Transfer-Wünsche und gaben dafür 255 Millionen Euro aus. 

Um was genau als bisherige Gegenleistung zu bekommen? Eine Tabellenführung in Spanien, die sich aber nicht als solche anfühlt und mehr dem Unvermögen der Konkurrenz (Stichwort: Schneckenrennen) geschuldet ist. Denn: drei von elf Spielen zu verlieren ist für das Selbstverständnis eines Klubs wie dem FC Barcelona schlicht und einfach nur eines: inakzeptabel. 


Auch in der Königsklasse können sie bei Can Barça (noch) auf die Tabellenführung in ihrer Gruppe verweisen. Doch niemand in der Grafenstadt zweifelt daran, dass zwei weitere Nicht-Leistungen wie die gestrige zwangsläufig das Aus in der Champions League bedeuten würden. 

Entsprechend sind die Tage von Ernesto Valverde, so jedenfalls schreibt es die Marca, schon gezählt. Seit einem halben Jahr, wie gerade dargestellt. Der einzige Grund, warum noch keine tabula rasa auf dem Coach-Stuhl betrieben wurde, sind die fehlenden Alternativen. 


Koeman im Sommer 2020 da?


Der aussichtsreichste Kandidat auf den Posten ist Hollands Bondscoach und Barça-Legende ​Ronald KoemanDer schoss die Katalanen 1992 (beim 1:0-Finalerfolg gegen Sampdoria Genua) zum ersten Triumph in der Champions League, die damals ihre Premieren-Saison als Nachfolger des Europapokals der Landesmeister feierte. 


So etwas vergisst man in einem Klub nie. Auch nicht beim FC Barcelona.Das Problem ist: Koeman ist noch bis zur im kommenden Jahr anstehenden Europameisterschaft an den niederländischen Verband gebunden. Für die Zeit nach der EM soll in seinem Vertrag sogar eine ausdrückliche Barcelona-Klausel verankert worden sein.


Koeman, der als Mann seines Wortes gilt, wird die Elftal somit auf jeden Fall noch zur EM führen. Danach könnte sein langgehegter Traum von einer Rückkehr nach Barcelona Realität werden.  Zwar schwirren momentan auch Gerüchte über ein mögliches Engagement von River-Trainer Marcelo Gallardo durch die Medien (El Chiringuito). 


Auch die Marca selbst setzt ihn auf eine imaginäre Liste der Top-Kandidaten. Aber hinter Koeman. Doch bis zur EM sind es noch gute sieben Monate. Ein echtes Problem für die Barça-Verantwortlichen. 


Eine denkbare Lösung wäre, Gallardo interimsweise - bis zum Sommer 2020 - einzustellen. Wenn schon ein Arsène Wenger als Notnagel-Lösung beim FC Bayern ernsthaft diskutiert wird...

Doch das letzte Experiment des FC Barcelona mit einem argentinischen Trainer ("Tata" Martino) ging 2013/14 frustrierend und titellos zu Ende. 


Und ob Gallardo, der mit River eine durchaus beachtliche Titel-Sammlung hingelegt hat (zehn in fünf Jahren!), sich mit einer Rolle als Steigbügelhalter für Ronald Koeman begnügt, darf ebenfalls angezweifelt werden. 


Die Situation rund um den FC Barcelona und seinen Trainer ist also durchaus vertrackt. Woran aber mittlerweile kaum noch einer zweifelt, ist, dass Valverde - wie die Spanier sagen - den turrón (spanisches Weihnachtskonfekt) wohl nicht mehr in Barcelona essen wird.