Der BVB hat in einer fulminanten zweiten Halbzeit einen 2:0-Rückstand gegen Inter Mailand gedreht und damit wieder alle Trümpfe in der Champions League in der Hand. Es ist die Geschichte eines schwarz-gelben Triumphs, aber auch einer Schattenwelt, aus der sich der BVB herauswinden muss. 


Ein wenig Hintergrund für die, die den Fernseher in der Halbzeit ausgemacht haben. Ja, der BVB hat das Spiel gegen Inter Mailand tatsächlich noch gedreht und gewonnen. Und um die implizierte Frage vorzugreifen: Wie er das geschafft hat, können wir mit Worten nicht erklären; das muss man gesehen haben! Derjenige, der die Flimmerkiste nach 45 Minuten abgeschaltet (oder ausgetreten) hat, ist noch Zeuge der Dortmunder Schattenwelt, die ihren eisigen Griff auch gestern wieder um die Borussia gelegt hat. 


Ein wenig Hintergrund für die, die noch nie etwas von der Schattenwelt, dem "Upside Down", gehört haben. Ich bin mir sicher - irgendwie ist das der Fluch meiner Generation -, dass die Idee des Upside Down nicht neu ist; was ist das schon in der heutigen Zeit? Alles ist ein Remake. Verzeihung also an die Old Generation, die den Stab über mich brechen wird, wenn ich behaupte, dass der Ursprung der Schattenwelt der Fantasy-Serie "Stranger Things" entspringt. Die Kurzfassung: In dieser Serie kämpft eine Gruppe Kinder gegen Monster und Dämonen aus einer anderen Dimension, die quasi deckungsgleich über unserem Universum liegt. Durch eine Art Wurmloch kann dieses postapokalyptische Upside Down betreten und verlassen werden. Und das nur fürs Protokoll: So schlecht, wie das hier klingt, ist die Serie eigentlich nicht.


Der BVB auch gegen Inter Mailand mit Licht und Schatten


Der BVB jedenfalls hat seine ganz eigene Schattenwelt. Mit Wurmloch, Monstern und allem drum und dran. In ebendieser steckte die Borussia am Dienstagabend schon wieder. Der blitzschnelle Lautaro Martinez war es, der den BVB schon nach fünf Minuten ins Upside Down schickte. Und da funktionieren die Dinge leider nicht so, wie sie es in der malerischen echten Welt tun; statt Tempo- und halsbrecherisch schönen Kombinationsfußball zu spielen, musste sich der BVB erneut mit den Dämonen des Upside Downs herumschlagen. Namentlich: Ein neben sich stehender Manuel Akanji, ein notorisch verletzter Kapitän, akute Zweikampfvermeidung, ein paar Halbchancen und Matias Vecino, der Inter noch vor dem Pausentee mit 2:0 in Führung brachte.


Ebenso unerklärlich, wie man in der Schattenwelt landet, ist es auch, diese wieder zu verlassen. Eigentlich braucht es nur jemanden, der dieses verflixte Wurmloch öffnen kann. Am Dienstagabend war dieser Jemand Achraf Hakimi. Der Marokkaner nahm die Beine in die Hand und rannte mit dem Kopf voran solange gegen die Fugen des Upside Down, bis der BVB plötzlich wieder draußen war. Der Rest war am schwarz-gelben Dienstagabend Geschichte; man sah eine Borussia, wie man sie kennt und liebt und die tatsächlich einen 2:0-Rückstand gegen Inter Mailand - eine italienische Mannschaft! - drehen konnte. Chapeau! 

Der FC Bayern vor der Tür - Obacht vor den Dämonen!


Am Samstag steht für den BVB die Feuerprobe gegen den FC Bayern an. Mit dem Selbstvertrauen eines magischen Champions-League-Abends in der Brust dürfte sich so eine Partie ziemlich gut spielen lassen. Der BVB sollte aber trotzdem gewarnt sein; denn die Schattenwelt, sie lauert am Rande des Wahrnehmbaren und droht die Borussia wieder in ihre postapokalyptische Ödnis zu ziehen. Und dass Borussia Dortmund aktuell irgendwie zwischen diesen beiden Welten pendelt, ist ein Zeugnis der letzten Wochen. Diese Geschichte kann auch Inter Mailand erzählen.