Nach dem 0:2-Rückstand zur Halbzeit konnte ​Borussia Dortmund das gestrige Duell gegen Inter Mailand das Spiel durch eine fulminante zweite Hälfte noch drehen. Beim historischen Sieg (zuvor hatte man noch nie einen zwei-Tore-Rückstand in der CL gedreht) konnte vor allem Achraf Hakimi überzeugen, während u.a. Nico Schulz teilweise erneut wie ein Fremdkörper wirkte.


Als der BVB mit zwei Toren Rückstand in die Halbzeit ging, rechneten wohl nur die wenigsten mit einem solchen Comeback. Zu abgeklärt hatte Inter Mailand die erste Halbzeit gespielt, stand sicher vor dem eigenen und war zudem eiskalt vor dem gegnerischen Tor. Wie bereits im Hinspiel (2:0 für Inter) sah es nach einem schwierigen Abend für Schwarz-Gelb aus - ​bis zur zweiten Halbzeit.


Die Tops des Abends


Bürki mit gutem Comeback

Nachdem Roman Bürki zuletzt zwei Spiele pausierte und Marwin Hitz seine Rolle übernahm, kehrte er am Dienstagabend zurück - Hitz fiel mit Rückenproblemen aus. Im gesamten Spielverlauf machte Bürki dabei eine gute Figur. Bei den beiden Gegentoren blieb er machtlos, als die Mannschaft von Antonio Conte schlicht zu abgeklärt die Führung erzielte. Im weiteren Verlauf des Spiels zeigte er sich immer wieder als sicherer Rückhalt, vor allem während der letzten zehn Minuten, als Inter nochmal Druck nach vorne machte.

Hakimi mit Super-Leistung und Doppelpack

Umumstrittener Mann des Abends war eindeutig Achraf Hakimi. Der ​von Real Madrid (bis Sommer 2020) ausgeliehene Rechtsverteidiger sorgte defensiv für ​Stabilität und offensiv für viel Tempo und Gefahr. Mit 104 Ballaktionen stand er an der Spitze seines Teams, lediglich von den beiden Sechsern Julian Weigl und Axel Witsel (jeweils 109) geschlagen. Durch zwei von drei erfolgreichen Dribblings in der Offensive, zudem zwei von vier angekommenen Hereingaben in den gegnerischen Strafraum zeigt sich diese ins Spiel gebrachte Gefahr auch in Zahlen. Mit seinem Anschluss- und dem Siegtreffer sorgte er für die zwei wichtigsten Höhepunkte der zweiten Halbzeit. 

Favre scheint sich wohler zu fühlen - emotional und aktiv an der Linie

Während der letzten Wochen kam es durch sehr zähe Leistungen immer wieder zu Kritik an Trainer Lucien Favre. Dabei sei er vor allem nicht emotional genug, er könne die Spieler nicht richtig motivieren, hieß es weiter. An der taktischen und fachlichen Fähigkeit​ Favres zweifelte zwar kaum jemand, doch war die Emotionalität ein wichtiger Aspekt in Zeiten der Mentalitäts-Frage. Seit einigen Spielen schon wirkt der Coach jedoch viel emotionaler und aktiver an der Linie als zuvor. Der Rückstand zur Halbzeit schüchterte weder ihn noch seine Mannschaft ein - aus der Pause kamen alle sichtlich gestärkt zurück. 


Hazard etabliert sich weiter - Alcácer mit Comeback

Zu Saisonbeginn war Neuzugang Thorgan Hazard sichtlich noch nicht wirklich beim BVB angekommen. Er konnte ab und zu zwar den einen oder anderen Assist liefern, aber er schien zunächst noch nicht wirklich ins Spiel gefunden zu haben. ​Das hat sich in den letzten zwei bis drei Wochen geändert. Er wirkt viel aktiver, ist deutlich häufiger in gefährlichen und schnellen Aktionen zu sehen. Wie die ganze Mannschaft auch, arbeitet er zurzeit daran, wieder konstant auf hohem Niveau zu spielen. 


Zudem konnte Paco Alcácer sein Comeback feiern. Nach seiner Achillessehnenreizung konnte er gegen den ​VfL Wolfsburg eine Minute spielen, doch gegen Inter reichte es bereits für rund 30 Minuten. Einen richtigen Stürmer hat man lange vermisst, nun scheint der Spanier wieder da zu sein. 


Die Flops des Abends


Schulz und Akanji weiterhin nicht in Topform

​Während Spieler wie Hazard, Hakimi oder auch Brandt derzeit immer besser und wichtiger für den BVB werden, befinden sich Nico Schulz und Manuel Akanji weiterhin nicht in Topform. Akanji befand sich über die letzten Wochen schon häufiger in der Kritik - während beispielsweise ein Einsatz von Dan-Axel Zagadou gefordert wurde - und auch gestern sorgte er mit einem schlimmen Fehler für das erste Tor der Gäste. Auch im weiteren Spielverlauf machte er keine allzu glückliche Figur, auch wenn er immer besser in die Zweikämpfe fand. 


Schulz wirkte zuletzt ebenfalls nicht wirklich ein Teil des funktionierenden Teams auf dem Platz zu sein. Zu selten kann er sich gefährlich einschalten, zu viele wichtige Zweikämpfe in der Defensive gehen verloren.


Jadon Sancho fehlt zurzeit der wichtige Punch

Jadon Sancho dürfte unbestritten eines der größten jungen Talente der aktuellen Zeit sein. Dennoch konnte er sich in den letzten Wochen nicht so zeigen, wie er und sein Team sich das wünschen. Neben seiner Suspendierung (Verspätung) gegen ​Mönchengladbach setzte er gegen Wolfsburg komplett aus. Gegen Mailand konnte er zwar des Öfteren mit Tempo über die rechte Seite kommen und den Siegtreffer vorlegen, doch hat er sich selbst bereits in andere Maßstäbe gehoben - man ist mittlerweile mehr von ihm gewohnt. Die eigene Torgefahr war beispielsweise zuletzt eher selten zu sehen.