​Es ist nicht schwierig, die aktuelle Gefühlslage der Fans von ​Bayer 04 Leverkusen zu beschreiben. Galgenhumor und Hoffnung sind Wut und vor allem Frustration gewichen. Die 1:2-Niederlage gegen ​Borussia Mönchengladbach war wieder einmal unnötig und vermeidbar. Doch allen voran das desolate Defensivverhalten lässt die Werkself auf der Stelle treten.


Nur zwei Punkte aus den letzten vier Ligaspielen, dazu acht Gegentore - Bayer 04 trudelt langsam aber sicher Richtung trostloses Mittelfeld. Die Rheinländer ließen gegen Mönchengladbach beste Chancen auf einen Punktgewinn ungenutzt, standen dabei in der Arbeit gegen den Ball desolat. Trainer Peter Bosz ernannte im kicker die erste Halbzeit als die "schlechteste, seit ich hier bin". Worte des Niederländers, die einem irgendwie bekannt vorkommen (​Frankfurt, Paderborn)...


Symptomatisch für Leverkusen: Beide Gegentore fielen am Samstag exakt nach dem selben Muster. Beide Male hatte die Borussia auf Leverkusens linken Seite keine Probleme, vor das Tor zu flanken. Und beide Male hatte ein Fohlenspieler keine Probleme, inmitten des Strafraums an den Ball zu kommen und locker einzuschieben. Von der Effektivität der Borussia hätte sich Leverkusen durchaus eine Scheibe abschneiden können.


Erste Stimmen aus der Mannschaft werden laut - Bayer 04 hat ein Einheitsproblem


Inzwischen monieren nicht nur die Fans auf den Rängen das Spiel mit deutlichen Worten, auch einige Werkself-Spieler kommentierten die Partie am Samstag heftig. "Wir sollten aufhören, über große Spiele zu sprechen, sondern einfach Woche für Woche unsere Arbeit machen. Ich habe noch keinen gesehen, der ganz einfach oder leicht viel erreicht hat im Leben", äußert sich Sven Bender im kicker über die eigenen Leistungen. Auch Kevin Volland schlägt einen ähnlichen Ton an. "Wir verlassen uns zu sehr auf manche Mitspieler", so der Torschütze zum 1:1. "Wir dürfen uns nicht das Halbgas erlauben. So kann man nicht spielen. Wir müssen als Mannschaft verteidigen."


Kernaussage der beiden Spieler: Bayer 04 leistet nicht annähernd das, was sie erreichen könnten.


Besonders sollte Bayer 04 die Einheit auf dem Platz hinterfragen. Während die Borussia im Abwehrverhalten durch gemeinschaftliches verteidigen es schaffte, Leverkusen so weit wie möglich vom Tor wegzuhalten, offenbarte Leverkusen immer wieder die gleichen Lücken. Wie bereits erwähnt fielen die beiden Tore auf eine identische Art und Weise.


Dazu lädt Leverkusen den Gegner durch reihenweise individueller (Stellungs-) Fehler zu Möglichkeiten ein. So rutschte Linksverteidiger Wendell vor dem 0:1 im Duell mit Marcus Thuram aus, wodurch der Borusse alle Zeit der Welt zum entscheidenen Pass hatte. Dies war nicht der erste Bock des Brasilianers, den auch Völler hart ins Gericht nimmt. "Es gibt keinen Bundesligaspieler, der so viel ausrutscht wie Wendell", so der sportliche Geschäftsführer von Leverkusen im kicker.


Auch dass gegen Gladbach Karim Bellarabi und Sven Bender vor den Gegentoren schläfrig agierten, passt zu Bayer 04. Vorherige Woche gegen Werder Bremen sorgte etwa ein nur müde trottender ​Julian Baumgartlinger dafür, dass letztendlich Milot Rashica einen Treffer markierte. Es fehlt einfach der letzte Wille und die Gier nach Erfolg, wodurch sich Leverkusen letztendlich selbst zum Stolpern bringt.


Warum entscheidet sich Bosz gegen die Rotation? Es fehlt die Idee im Leverkusener Spiel


Viele Spieler, die gegen Gladbach auf dem Platz standen, wirkten matt und uninspiriert. Profis wie Mitchell Weiser, Jonathan Tah oder eben Baumgartlinger und Wendell zeigen seit Wochen keine Leistungen mehr. Hier muss sich wirklich hinterfragt werden, warum Trainer Peter Bosz diesen Spielern keine Pause gönnt und neue Impulse von der Bank setzt. Mit Moussa Diaby, Paulinho und Joel Pohjanpalo hat man unter anderem drei hungrige Offensivkräfte auf der Bank, die für neuen Schwung sorgen könnten. Kreativität, Effektivität und Frische sind der Werkself schon lange abhanden gekommen.


Leverkusen muss sich schnell einen neuen Plan einfallen lassen, um nicht völlig den Faden zu verlieren. Am wichtigsten wird wohl das Entzünden des unabdingbaren Willens sein. Doch ehrlich gesagt muss dafür die Mannschaft komplett umgebaut werden. Mit der Startelf, wie sie gegen Gladbach auf dem Platz stand, wird man die Wende kaum schaffen. Die Führungskräfte bei Bayer müssen nun den Mut haben, mit voller Härte gegen die Formkrise anzukämpfen. Rotation und Vertrauen in die jungen Talente sind nun unabdingbar. Ansonsten wird man wohl oder übel immer weiter abrutschten, bis am Ende gar nichts mehr bleibt.