In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um Bastian Schweinsteiger, ehe mit dem Karriereende im Oktober noch einmal ein großer Knall erfolgte. Der 35-Jährige verlässt die Fußballbühne als einer der ganz Großen, dabei hätte er auch in einer anderen Sportart seinen Weg machen können.


Bastian Schweinsteiger: Der Fußballgott steht in unserer großen 90min-Serie der besten Spieler des Jahrzehnts auf dem neunten Rang!


Es ist kein Geheimnis, dass Bastian Schweinsteiger nicht nur ein herausragender Fußballer, sondern auch ein guter Skifahrer ist. In Kindertagen konkurrierte er mit Felix Neureuther, entschied sich aber doch für den Fußball - so, wie sein älterer Bruder Tobias. Im alter von sechs Jahren beginnt der spätere 'Fußballgott' das Kicken beim FV Oberaudorf, wechselt 1992 in die Jugendabteilung des TSV 1860 Rosenheim. Sechs Jahre später, 1998, ging die Reise zum FC Bayern. 


Von sechs Uhr morgens bis etwa 22:30 Uhr, schreibt kicker-Chefreporter Karlheinz Wild in einer Hommage, war der damals 14 Jahre junge Schweinsteiger unterwegs, um sich seinen Traum von einer Profikarriere zu erfüllen. Vier Jahre später, im November 2002, ist es erstmals so weit: Im Champions-League-Spiel gegen den RC Lens (3:3) wird Schweinsteiger, damals noch auf der Außenbahn angesiedelt, für Mehmet Scholl eingewechselt und genießt seine ersten 14 Minuten in der ersten Mannschaft des FC Bayern.


Es folgten 14 Einsätze in der Bundesliga, im DFB-Pokal Viertelfinale gegen den 1. FC Köln darf er von Beginn an ran und erzielt beim 8:0-Sieg seine ersten beiden Profi-Tore. Während Philipp Lahm im Sommer 2003 an den VfB Stuttgart verliehen wird, darf Schweinsteiger bleiben, erhält in der folgenden Saison 19 Startelfeinsätze und steht in insgesamt 33 Pflichtspielen auf dem Platz - die meisten davon absolviert er im rechten Mittelfeld des von Ottmar Hitzfeld bevorzugten 4-4-2-Systems.


Magath kannte Schweinsteiger nicht


Im Juni 2004 folgt das Debüt bei der Nationalmannschaft, für die er bis zum Ende seiner Laufbahn nach im Jahr 2016 121 Länderspiele absolvieren sollte. Und dennoch gab es eine Person, die anfangs nur wenig mit ihm anzufangen wusste: Felix Magath. "Ich wollte ihn begrüßen. Dann hat er mich gefragt: Wer sind Sie eigentlich? Ich sagte: Bastian Schweinsteiger", erinnerte er sich vor einigen Jahren auf Sport1 an die erste Begegnung mit dem Nachfolger von Ottmar Hitzfeld, der sein Amt im Mai 2004 niederlegte (via ​WAZ).


Das Kuriose: Nach einer Knieverletzung samt zehn Tagen Pause hatte Magath ihn wieder vergessen. "Nach der ersten Trainingseinheit sind wir zu einem Spiel nach Mainz gefahren. Dann hat er gesagt: Die ganze Mannschaft fährt mit nach Mainz. Daraufhin habe ich gefragt: Trainer, muss ich auch mit? Und dann hat er echt gesagt: Äh, wer sind Sie überhaupt?"


Danach sollte er aber genau wissen, um wen es sich handelt. Unter Magath spielt sich Schweinsteiger weiter in der Startformation fest, absolviert bis zu dessen Entlassung im Januar 2007 109 Pflichtspiele, in denen er 12 Tore erzielt und 24 Vorlagen liefert. Doch erst einige Jahre später sollte der Blondschopf die Position finden, auf der er zur Weltklasse reifte.


Weltklasse unter van Gaal


Im Sommer 2009 übernimmt der Niederländer Louis van Gaal das Zepter an der Säbener Straße. Nach einigen Wochen erkennt er Schweinsteigers Qualitäten als Spielmacher, beordert ihn daraufhin ins zentrale Mittelfeld, von wo aus er das Spiel walten soll. Neben Kapitän Mark van Bommel blüht Schweinsteiger auf, findet sich immer besser in seiner neuen Rolle zurecht - woanders wird er auf dem Spielfeld nie wieder zu sehen sein.


Ob beim FC Bayern oder der Nationalmannschaft - Schweinsteiger ist Dreh- und Angelpunkt, Lenker und Denker. Und so kämpften vor allem die Bayern um ihr Eigengewächs, welches das Interesse von Real Madrid weckte. Am elften Dezember 2010 gab er wenige Augenblicke nach dem 3:0-Heimsieg über den FC St. Pauli seine Vertragsverlängerung vor der Südkurve bekannt.


"Es war eine Entscheidung für den Trainer, aber auch für den ganzen Verein", erklärte er laut ​​Welt - doch auch die Aussicht auf sportliche Erfolge war ihm wichtig. Schweinsteiger will die Champions League gewinnen, sieht den Klub nach dem Final-Einzug 2010 bestens gerüstet. 


Der Traum von der Champions League


Zweimal sollte er in dem darauffolgenden Jahr in den Mittelpunkt rücken. Im Halbfinale 2012 treffen die Münchner auf Real Madrid, die Entscheidung fällt im Elfmeterschießen. Während Real-Trainer José Mourinho das Geschehen auf Knien verfolgt, hängt alles von Schweinsteiger ab. Der fünfte Schütze der Bayern steht kurz davor, seinen Herzensverein den Traum vom 'Finale Dahoam' zu erfüllen. "Ich habe kurz meine Eier verloren", sagte er über den langen Gang auf das Tor von Iker Casillas (via ​Welt) - dabei verwandelte er sicher und jubelte im Anschluss mit seinen Mannschaftskollegen.


Im Elfmeterschießen gegen Chelsea aber verschießt er und besiegelt die zweite Final-Niederlage binnen drei Jahren. Schweinsteiger ist am Boden, gibt allerdings nicht auf - und stemmt den Pokal ein Jahr später doch in die Höhe. Am deutlichsten wird sein Kämpferherz aber im WM-Finale von 2014, als er über 120 Minuten 16 Kilometer abspult, jeden Körpereinsatz des Gegners wegsteckt und mit einem Cut unter dem Auge bis zum bitteren Ende weiterspielt. Der Einsatz zahlt sich aus, Deutschland wird zum vierten Mal Weltmeister.


Doch Pep Guardiola weiß beim FC Bayern immer weniger mit ihm anzufangen, weshalb Schweinsteiger 2015 einen Schlussstrich zieht und zu Manchester United wechselt. Dort wird er wegen seiner mangelnden Schnelligkeit häufig kritisiert und schlussendlich von Mourinho, der ihn einst zu Real lotsen wollte, aussortiert. Bei Chicago Fire lässt er seine Karriere ab März 2017 ausklingen, Anfang Oktober verkündet er das Ende seiner fußballerischen Laufbahn.


Bis zum Schluss hat der nach außen hin schüchterne, als 'Fußballgott' gefeierte Bastian Schweinsteiger alles gegeben, sich nie unterkriegen lassen und seine größten Träume erfüllen können. Zweifelsfrei gehört er zu den besten Spielern der vergangenen zehn Jahre - ganz besonders für die Fans des FC Bayern.


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: ​Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: ​Neymar: Das Ausnahmetalent mit vielen Makeln

Platz 10: ​Arjen Robben - der Mann für die entscheidenden Momente