​Mit dem Wechsel von ​Bayer 04 Leverkusen zu ​Borussia Dortmund hat Julian Brandt im Sommer den nächsten Schritt in seiner Karriere gewagt. Beim Vizemeister erwies sich der Nationalspieler bislang allerdings nicht als die erhoffte Verstärkung und blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Mit seinem Doppelpack im DFB-Pokalspiel gegen ​Borussia Mönchengladbach (2:1) könnte beim 23-Jährigen nun endlich der Knoten geplatzt sein.


Fünfeinhalb Jahre lang trug Brandt das Trikot der Werkself, ehe er für 25 Millionen Euro zum BVB wechselte. Der Youngster bringt zweifelsohne ausreichend Qualität mit, um in Dortmund eine wichtige Rolle einzunehmen und in wichtigen Spielen den Unterschied zu machen. Dass der Neuzugang nach seinem längeren Gastspiel in Leverkusen gewisse Anlaufschwierigkeiten bei der Borussia hat, ist durchaus nachzuvollziehen. Dennoch muss man von einem Spieler seiner Klasse deutlich mehr erwarten können. In den letzten Wochen enttäuschte Brandt jedoch auf ganzer Linie und musste ​dafür reichlich Kritik einstecken.


Der Doppelpack gegen Gladbach war vielleicht genau das Erfolgserlebnis, das der Neuzugang in dieser schwierigen Phase gebraucht hat, um wieder an seine Leverkusener Glanzzeiten anknüpfen zu können. Fußball ist letztendlich reine Kopfsache. Spielt der Kopf nicht mit, können selbst die besten Profis nicht ihr volles Potenzial abrufen. Fehlendes Selbstvertrauen ist in manchen Fällen sogar das größere Hindernis als der eigentliche Gegenspieler selbst. Erfolgserlebnisse, wie die beiden Treffer im Pokal, können in einer schwierigen Phase durchaus Berge versetzen. 


Brandt erzwingt sein Glück

In solchen Situationen muss ein Spieler auch einmal sein Glück erzwingen. Das hatte Brandt bei seinem ersten Treffer (77.) durchaus auf seiner Seite. Sein Abschluss wurde gleich zweimal abgefälscht und war dadurch für Gladbachs Schlussmann Yann Sommer nicht zu halten. Der Ausgleichstreffer verlieh nicht nur der Favre-Elf, sondern auch Brandt selbst einen spürbaren Schub. Der Nationalspieler ging in der Folgezeit deutlich selbstbewusster und engagierter zu Werke und leitete sein zweites Tor, einen platzierten Kopfballtreffer, selbst ein. 


Die letzte Viertelstunde im Pokalspiel war für den Youngster in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Zuvor hatte der Rechtsfuß auf der Zehner-Position erneut eine enttäuschende Vorstellung abgeliefert und sich viele einfache Ballverluste erlaubt. Schafft es Brandt, den Schwung aus der Schlussphase mitzunehmen und die zuletzt gezeigten Leistungen abzuhaken, wird er sich in den nächsten Wochen als die erhoffte Verstärkung erweisen. "Solche Spiele, schwierige Spiele geben einem besonders viel Selbstvertrauen", betonte der gebürtige Bremer nach der Partie bei Sky.


Druck auf Kapitän Marco Reus

Ein Brandt in Topform kann in wichtigen Partien den Unterschied ausmachen und würde sicherlich der gesamten BVB-Offensive wieder mehr Esprit, Dynamik und Durchschlagskraft verleihen, was mit Blick auf die kommenden Aufgaben auch vonnöten ist. Der VfL Wolfsburg, Inter Mailand und der FC Bayern München warten in den nächsten Partien.


Blüht der Ex-Leverkusener nun auf, erhöht er damit auch den Druck auf Marco Reus. Der Kapitän wusste in den letzten Wochen kaum zu überzeugen, hatte seinen Stammplatz bislang jedoch sicher. Fällt der 30-Jährige am Wochenende erneut aus, ergibt sich für Brandt die Chance, weitere Pluspunkte zu sammeln. Reus hat zuletzt viel Kredit verspielt und muss in den nächsten Wochen liefern, um seine Startelfgarantie zu rechtfertigen.