​Der ​HSV ist in der zweiten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Im heimischen Volksparkstadion gab es gestern gegen den ​VfB Stuttgart eine nicht unverdiente 2:1-Niederlage nach Verlängerung. Damit haben die Rothosen erstmals seit Mitte September, als sie das Hamburger Stadtderby mit 2:0 verloren, wieder eine Niederlage einstecken müssen. Doch das ist alles andere als ein Drama.


HSV kann sich jetzt voll auf den Aufstieg fokussieren


Ich hatte es schon vor dem Bielefeld-Spiel allen, die es hören wollten, gesagt: Von den damals anstehenden drei Spitzenspielen (bei der Arminia und der Doppelpack in Liga und Pokal gegen die Schwaben) war das K.O.-Spiel das unwichtigste. Natürlich kann man im Pokal, wenn man denn Runde um Runde übersteht und zumindest bis ins Viertelfinale kommt, einen erklecklichen Geldbetrag einfahren. Wobei dieser Betrag, verglichen mit den Geldern, die in der ​Champions League zu gewinnen sind, doch eher im homöopathischen Bereich anzusiedeln ist. 


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der traditionell etwas klamme HSV kann natürlich jeden Eurocent an Zusatzeinnahmen mehr als nur gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr erspielten sich die Hamburger durch den Einzug ins Halbfinale immerhin satte drei Millionen Euro. Es ist aber auch genauso wahr, dass der HSV am Ende sein Ziel Wiederaufstieg nicht erreicht hat. 


Wohl auch (unter vielen anderen Faktoren) der Zusatzbelastung im Frühjahr geschuldet, als man im April zuerst beim SC Paderborn (Viertelfinale) antreten musste und dann den Champions-League-Aspiranten ​RB Leipzig (Halbfinale) empfing. Das Verfehlen des großen Saisonzieles Wiederaufstieg hat jedenfalls am Ende weit mehr als nur drei Millionen Euro gekostet. 

In dieselbe argumentative Kerbe schlägt auch HSV-Coach Dieter Hecking. "Natürlich wäre ich gerne weitergekommen, aber die nächste Runde ist im Frühjahr, wo es in der Meisterschaft um alles geht. Das hätte uns dann Körner kosten können", sagte der Übungsleiter am Tag nach dem Pokal-Aus.


Pokalsieg war sowieso unrealistisch


Und meiner Meinung nach wäre es ohnehin nur um die soundso viel Euro an Mehreinnahmen gegangen. Denn den Wettbewerb am Ende sogar zu gewinnen, war realistischerweise aus HSV-Sicht nicht anzunehmen. Dafür hätten sich die Bayerns, BVBs und Gladbachs vorher alle gegenseitig eliminieren müssen. Und dann wären immer noch die Werders, Wolfsburgs und Herthas übrig geblieben. 


Jetzt hat den HSV halt der VfB Stuttgart rausgekegelt. Mal wieder, muss man sagen, denn es ist bereits der fünfte Pokalerfolg (im fünften Aufeinandertreffen!) der Schwaben gegen die Norddeutschen. Doch aufgrund der angeführten Gründe ist es überhaupt keine Katastrophe, dass der HSV in diesem Jahr schon in Runde zwei die Segel streichen musste. Zumal das Ergebnis auch völlig in Ordnung ging. 


Gefühlt hatte der HSV nie richtig Zugriff auf das Spiel. Eine zarte Druckphase nach dem frühen Gegentor sorgte für den ebenso frühen Ausgleich, doch danach bekamen die Hamburger ihre schwäbischen Gegner nie in den Griff. In Halbzeit zwei kann ich mich an keine gute Torchance des HSV erinnern. Von daher: alles gut. 


Dem VfB ist zu wünschen, dass er im weiteren Verlauf des Wettbewerbs nicht allzu viele Körner lässt, um für den Aufstiegskampf gerüstet zu bleiben. Und der HSV kann sich jetzt voll und ganz auf die Mission Rückkehr ins Oberhaus konzentrieren.