Bei seinem Wechsel zum FC Bayern im Jahr 2009 sagte er, er habe Real Madrid überhaupt nicht verlassen wollen - zehn Jahre später beendete er seine Karriere beim deutschen Rekordmeister mit all den Titeln, von denen er geträumt hat. Arjen Robben belegt Platz 10 in unserem All-Decade-Ranking.


Angefangen hat Arjen Robbens Karriere beim FC Groningen. Im Nordosten der Niederlande macht er schon früh auf sich aufmerksam, gut drei Wochen vor seinem 17. Geburtstag wird er zum ersten Januar 2001 in den Profikader des niederländischen Erstligisten befördert - knapp einen Monat davor debütierte er in der niederländischen Eredivisie. ​

Seine technische Begabung wird schnell ersichtlich. Mit 15 Jahren erklärt er in einem Video den 'Magic Robben Trick' - allerdings sollte er später für eine andere Spezialität berühmt werden. Mit gerade einmal 18 Jahren wechselt Robben zur PSV Eindhoven, in seinem ersten Jahr wird er prompt Niederländischer Meister. 


Anfangs spielt Robben noch auf dem linken Flügel, erzielt dort in 71 Spielen 21 Tore und liefert 16 Vorlagen. 2004 geht die Reise zum ​FC Chelsea, für 18 Millionen wechselt der Flügelflitzer auf die Insel. Bei den Blues spielt Robben in der Offensive auf nahezu jeder Position, wird nach nur zwei Jahren gewinnbringend verkauft: Im Sommer 2007 zahlt Real Madrid 35 Millionen Euro, noch vor Pepe und Landsmann Wesley Sneijder ist Robben der teuerste Transfer des Sommers. 


In zwei Jahren in der spanischen Landeshauptstadt bestreitet Robben nur 65 Spiele, fehlt immer wieder wegen muskulären Verletzungen. Diese sollten ihn bis zu seinem Karriereende begleiten, ruinieren würden sie seine Laufbahn aber keinesfalls. Denn 2009, nur zwei Jahre nach dem Wechsel nach Madrid, erlebt Robben einen Transfersommer, der einen ganz entscheidenden Einfluss auf seine Entwicklung haben sollte.


Zweifel am FC Bayern


Louis van Gaal, damals frischgebackener Trainer des FC Bayern, ist mit der Kaderplanung noch nicht abgeschlossen - und will Robben mit aller Macht von einem Wechsel nach München überzeugen. Nach eifriger Überlegung gibt Robben sein Ja-Wort, sagt unmittelbar vor seiner Abreise aus Madrid aber auch (via Spox): "Ich wollte nicht gehen, aber der Klub wollte mich verkaufen."


Er habe zeigen wollen, was für ein Fußballer er sei. Der FC Bayern habe ihm dabei "ein gutes Gefühl" gegeben. Täuschen sollte er sich nicht. Nur wenige Tage später wird er im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg eingewechselt, das erste Mal bildet er mit Franck Ribéry die Flügelzange der Münchner. Ribéry links, Robben rechts - ein Bild, welches das Angriffsspiel noch viele Jahre prägen sollte.


Der Anfang von etwas ganz Großem


Vor ausverkauftem Haus wird Wolfsburg mit 3:0 zerlegt, Robben erzielt nach zwei Vorlagen von Ribéry einen Doppelpack. In den Jahren zuvor war der Franzose das Aushängeschild der Bayern, von nun an aber sollte Robben der Mann für die entscheidenden Momente sein. Unvergessen ist sein langer Sprint in der 112. Minute des DFB-Pokal-Halbfinals beim FC Schalke, den er mit einem Tor vollendete; Robben schoss die Bayern eine Runde weiter.

Zwei weitere seiner 23 Tore waren ganz entscheidend: In der Champions League treffen die Bayern im Achtelfinale auf die AC Florenz, im Viertelfinale auf Manchester United. Beide Heimspiele werden knapp mit 2:1 gewonnen, im Rückspiel aber liegt der Rekordmeister mit 1:3 in Rückstand. Beide Male macht Robben das entscheidende Tor, trifft zum 2:3. Erst nutzte er den Rückenwind für einen sehenswerten Distanzschuss aus, dann veredelte er einen Eckball von Ribéry. 


Im Halbfinal-Hinspiel gegen Olympique Lyon (1:0) schießt er ebenfalls ein wichtiges Tor, im Rückspiel ist er an keinem der drei Treffer beteiligt. Aufgrund von Ribérys Sperre muss er die Münchner im Endspiel von Madrid aber alleine gegen Inter Mailand zum Sieg führen; doch die Nerazzurri, trainiert von José Mourinho, waren ihnen einen Schritt voraus. 


Schlüsseljahre 2012 und 2013


Zwei weitere Male erreichte der FC Bayern das Endspiel der Königsklasse, beide Male stand Robben im Fokus. 2012, im Finale Dahoam, verschießt er in der Verlängerung einen Elfmeter; Bayern verliert im Elfmeterschießen, ließ zuvor über 120 Minuten zahlreiche Chancen liegen.


"Schon beim ersten Training nach dem verlorenen Finale wirst du ein ganz besonderes Gefühl haben", schrieb er vor wenigen Monaten in einem Brief an sein Vergangenheits-Ich bei The Players Tribune (via ​ran). "Du hast schon viele erste Trainingstage im Laufe deiner Karriere erlebt. [...] Aber dieses Mal wird es anders sein, es wird ein ganz besonderer Geist in der Mannschaft sein. Denn jeder Spieler will Rache für das verlorene Finale nehmen."

Rache, Gier, Hunger, Zusammenhalt - das zeichnete den FC Bayern in der Saison 2012/13 aus. Die Meisterschaft gewinnt die Mannschaft, angeführt von Trainer Jupp Heynckes, mit 25 Punkten Vorsprung, gewinnt außerdem den DFB-Pokal im Finale gegen den VfB Stuttgart (3:2). Mit ​Borussia Dortmund wartet im Endspiel der Königsklasse am 25. Mai 2013 der größte Widersacher der jüngeren Vergangenheit; doch nach zwei verlorenen Meisterschaften und einer 5:2-Klatsche im Pokal sind es die Bayern, die sich den größten Titel auf europäischer Vereinsebene schnappen. Siegtorschütze in der 89. Minute: Arjen Robben.


Der Robben-Trick


209 Tore schießt er bis zu seinem Karriereende im Mai 2019, viele davon laufen nach einem ähnlichen Muster ab: Von rechtsaußen zieht er nach innen, geht dabei an mindestens einem Gegenspieler vorbei und überwindet den Torhüter mit einem Schuss in den Winkel. "Du musst es einfach im richtigen Moment machen", erklärte er gegenüber dem kicker, "es bleibt eine Überraschung, weil ich oft etwas anderes mache, wenn die Leute meinen, jetzt kommt wieder das Gleiche von Robben."


"Die beste Entscheidung, die du je machen wirst"


Robben und Ribéry bezeichnete Heynckes im kicker als "Geschenk für den Fußball. Sie waren getrieben von einer kindlichen Freude am Fußball, von nie abkühlender Leidenschaft und einem ungebremsten Spaß, der Straßenfußballern eigen ist." Besonders Robben verlor trotz zahlreicher Verletzungen nie den Ehrgeiz, trainierte auch mit 35 Jahren wie ein Vollprofi. "In deiner Karriere wolltest du dich immer verbessern", schreibt er in seinem persönlichen Brief weiter - und Bayern, wie sich herausstellen sollte, war "die beste Entscheidung sein, die du je machen wirst. [...] Die acht Jahre bei den Bayern werden die stolzesten deiner Karriere. Drei Champions-League-Halbfinals. Drei Finals. Eine Champions-League-Trophäe. Sechs Bundesliga-Titel. Vier Pokal-Siege."


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: ​Neymar - das Ausnahmetalent mit vielen Makeln