​Beim aktuellen Tabellenführer der Zweiten Liga, dem ​Hamburger SV, einen Spieler hervorzuheben, fällt momentan wahrlich nicht leicht. Doch was ​Adrian Fein seit seiner Ankunft in der Hansestadt abspult, ist einer besonders lobenden Erwähnung wert. Im Interview mit dem kicker gab der gebürtige Münchener jetzt ein paar Einblicke in seine neue Etappe.


Hamburg nicht nur ein Sprungbrett für München


Gefragt, ob er selbst nicht über diese schnelle und positive Entwicklung bei seinem neuen Klub überrascht sei, gibt Fein zu: "Ganz ehrlich, dass es so läuft wie derzeit, hätte ich auch nicht erwartet. Aber ich habe mir den Schritt schon zugetraut nach dem Jahr in Regensburg." Dieses Jahr beim Jahn sei der perfekte Karriereschritt für ihn gewesen.


Der Unterschied zum HSV sei aber nochmal ein gewaltiger. Dabei benennt Fein vor allem den Umstand, dass "der HSV noch mehr mit Ball spielt als der Jahn", was ihm noch mehr liege. Die Frage, ob er sich angesichts des schlechten Rufs des HSV (Stichwort: Karrierefalle für Talente) nie Gedanken über die Richtigkeit des Wechsels an die Elbe gemacht habe, beantwortet Fein klar und kategorisch mit "Nein". 


Er habe in den Gesprächen mit den Verantwortlichen genau den Eindruck gehabt, der sich jetzt bestätigt. 


"Der HSV ist ein Klub, der extrem polarisiert"


"Hier entsteht etwas völlig Neues. Im Vergleich zu den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass man den HSV fast nicht wiedererkennt. Nehmen wir das Beispiel Bakery Jatta: Die Schlagzeilen um ihn haben den Verein nicht aus dem Tritt und in Unruhe gebracht, sondern alle noch enger zusammengeschweißt. Oder nehmen wir die Derby-Niederlage gegen St. Pauli: Sie hat uns nicht umgehauen, sondern wir haben danach Aue mit 4:0 geschlagen. Ich finde, diese beiden Episoden haben schon eine gewisse Aussagekraft." 


Schon als Kind gab es für Fein direkte Bezüge zur Hansestadt, da sein Onkel ein paar Jahre in Hamburg gewohnt hat. "Ich hatte mit acht Jahren schon mal ein HSV-Trikot, für mich war das immer ein großer Klub. In meiner Jugend, als er lange im Europacup gespielt hat, aber auch als es dann immer tiefer ging, hat dieser Klub ja gefühlt alle bewegt. Der HSV ist ein Klub, der extrem polarisiert." Und soll für den Mittelfeldstrategen auch kein reines Sprungbrett auf dem Weg zum FC Bayern sein. 


In diesem Punkt gibt sich Fein sogar derart entschieden, dass man als Verantwortlicher die leiste Hoffnung hegen könnte, dass es mit einer Zusammenarbeit über das einjährige Leihgeschäft hinaus klappen könnte. "Nein, die Formulierung Vorbereitung auf Bayern wird dem HSV nicht gerecht", sagt Fein. "Klar, ich wurde beim FC Bayern ausgebildet, und natürlich habe ich im Kopf, dort auch mal spielen zu wollen. Aber der HSV ist in meiner Welt ein Riesenverein und kein Sprungbrett." 


Diesen Ball sollten die Verantwortlichen im Volkspark in den kommenden Wochen und Monaten aufnehmen. 


Gegnerische Gangart wird härter


Konkret auf die sportlichen Geschicke seines aktuellen Klubs in der Zweiten Liga angesprochen, hat auch Fein erkannt, dass die Härte, mit der die meisten Gegner ihn jetzt versuchen, auszuschalten, in den vergangenen Partien zugenommen hat. 


"Gerade in Bielefeld waren ein paar Szenen dabei, die einfach auch unglücklich waren, aber mit Härte muss ich klarkommen. Auffälliger ist für mich der Versuch, mich zuzustellen. Und das hat schon früher angefangen, erstmals am 3. Spieltag gegen Bochum. Auch das ist eine völlig neue Erfahrung. Das gab es in Regensburg nicht, weil ich da noch anders, defensiver gespielt habe." 


Angesichts seiner vertraglichen Situation (Feins Vertrag mit dem ​FC Bayern endet Ende Juni 2020) macht das Fachblatt noch einen letzten Versuch, irgendeine Tendenz aus dem Spieler herauszukitzeln. Doch Fein lässt sich darauf nicht ein und antwortet diplomatisch-diffus: "Ich bekomme es eher von außen mit, dass sich viele mit meiner Zukunft beschäftigen. Es steht in den Zeitungen, Freunde fragen mich. Für mich ist entscheidend: Ich habe hier eine richtig große Aufgabe. Ich find es grad total aufregend hier. Der Hamburger SV ist für mich eine völlig neue Welt." 


Und der HSV wiederum befindet sich, mit und dank Adrian Fein, gerade in einer völlig neuen Euphorie.