Am neunten Spieltag der ​Bundesliga kam es zum Hinspiel-Derby zwischen ​Schalke 04 und ​Borussia Dortmund. Beim 0:0 in der Veltins Arena müssen sich die Schalker vorwerfen lassen, erneut die vielen Chancen nicht genutzt zu haben. Dennoch war es erneut ein Zeichen der positiven Entwicklung - der neunte Spieltag aus S04-Sicht.


Das eine Spiel der Hinrunde, was das ganze Ruhrgebiet elektrisiert und bewegt, hat am Samstagnachmittag keinen Sieger gefunden. Im torlosen 0:0-Derby musste sich Schalke erneut der fehlenden Chancenverwertung stellen, ​während Dortmund einen sehr schwachen Au​ftritt ablieferte


Kampfgeist, Wille, Sicherheit - verkehrte Welt im Derby?


Bei sämtlichen Aufeinandertreffen der letzten Jahre zwischen Königsblau und Schwarz-Gelb waren es eigentlich immer die Dortmunder, die den besseren Kader und die bessere Ausgangslage hatten. Während sich S04 seine Chancen durch die Einstellung und die Motivation erarbeitete und erkämpfte, konnte der BVB oftmals durch fußballerisch starke Auftritte glänzen. Das war dieses Mal jedoch anders: Während die Mannschaft von David Wagner nicht nur von der Einstellung her den deutlichen besseren Eindruck machte, sondern auch spielerisch klar das Heft des Handels in der Hand hatte, enttäuschte das Team von Lucien Favre. 


Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte er, vor dem Spiel wäre man mit einem Punkt nicht zufrieden gewesen, nach dem Spiel jedoch schon. Wagner hingegen ließ verlauten, er hätte vor dem Spiel den Punkt mitgenommen, anschließend sei dies jedoch zu wenig. So spiegelt sich das Spiel in zwei Aussagen gut wider. Schalke trat, wie bereits gegen die ​TSG Hoffenheim, dominant und sicher auf. In den Zweikämpfen hatte man in der Regel ebenfalls die Nase vorn. Dortmund hatte zwar mehr Anteile am Ballbesitz, konnte daraus - vor allem in der ersten Halbzeit - kein Kapital schlagen.


Mit Salif Sanés Kopfball an die Latte und Suat Serdars Schuss an den Pfosten hatte man das Pech, nicht vorzeitig mit einem oder gar zwei Toren zu führen. Über weite Strecken hatte man das Gefühl, dass die Mannschaft, die überhaupt ein Tor schießen wird, auch gewinnt - zu wenig klare Chancen wurden herausgespielt. Dazu vergab ​Rabbi Matondo (19) noch drei gute Chancen, von denen jedoch auch zwei im Nachhinein als Abseits deklariert wurden. So muss sich die Wagner-Elf erneut (im dritten Spiel in Folge) vorwerfen lassen, das Spiel nicht für sich entschieden zu haben.


Erneut Punkte liegen gelassen - aber: Entwicklung weiterhin gut


Durch das fehlende Tor hat S04 zwei Punkte liegen lassen. Bereits gegen den ​1. FC Köln hätte man das Spiel mitsamt der Führung über die Zeit bringen​ oder unter anderem durch Guido Burgstaller auf 2:0 erhöhen, sowie gegen Hoffenheim die Dominanz ausnutzen müssen. Kritisch gesehen hat Schalke so leichtfertig sieben Punkte liegen lassen. 


Das Positive ist weiterhin vor allem die Art und Weise der Auftritte. Schon längst versteht man sich nicht nur auf das wichtige Umschalten mit viel Zug zum Tor. Wie man nun in den letzten beiden Spielen gesehen hat, kann Schalke mittlerweile auch schon Partien kontrollieren und das Spiel bestimmen. Das ist ein enorm wichtiger Schritt in der Entwicklung, der nicht vergessen werden darf. Nach knapp vier Monaten hat Wagner bereits grundlegende Sachen implementieren und verbessern können. Die Chancenverwertung und das Sich-Belohnen müssen allerdings weiterhin ausgebaut werden - durch gute Auftritte bekommt man keine Ehren-Punkte.


Omar Mascarell nicht mehr aus der Startelf wegzudenken - auch die Verteidigung steht stabil


Ein besonderes Lob gebührt erneut Omar Mascarell. Am Samstag war der Spanier, zurzeit im zweiten Jahr auf Schalke, erneut ein extrem wichtiger Spieler für Königsblau. Sowohl im Aufbau, wenn er sich zwischen die beiden Innenverteidiger fallen lässt, als auch in den Zweikämpfen und im Pressing liefert er derzeit starke Leistungen ab. Im letzten Jahr überhaupt nicht warm geworden, kann man sich die Startelf zurzeit nicht ohne ihn vorstellen.

Auch die Verteidigung steht weiterhin sicher und stabil. Sané und Benjamin Stambouli machen innen einen tollen Job, sind dabei gut abgestimmt und ein sicherer Rückhalt. Leihspieler Jonjoe Kenny kann weiterhin an seine konstant guten Leistungen anknüpfen, war im Derby durch seine Zweikämpfe und auch im Offensivspiel ein wichtiger Bestandteil. Bastian Oczipka muss sich zwar weiterhin verbessern, besonders in Sachen Geschwindigkeit und im Spiel nach vorne, doch ist er aktuell auch sicherer, als noch zu Beginn der Saison.

Nach dem neunten Spieltag steht Schalke somit auf dem guten, dennoch ärgerlichen siebten Platz. ​Mönchengladbach konnte durch den 4:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt erneut an ​Bayern München vorbeiziehen und sich den ersten Platz sichern. Der BVB ist ein Punkt vor Schalke auf dem fünften Platz. Das nächste Spiel in der Liga folgt am Sonntag gegen den ​FC Augsburg. Gegen das weiterhin schwächelnde Team von Martin Schmidt müssen dann erneut drei Punkte her. Zunächst muss der S04 am morgigen Abend im Pokal gegen ​Arminia Bielefeld ran.