"Was wäre wenn...?" ist eine beliebte Fragestellung im Fußball; das gilt besonders für Transfers, die am Ende des Tages nicht zustandegekommen sind. Ronaldinho wäre einst um ein Haar bei ​Borussia Dortmund gelandet, Ronaldo beim ​VfB Stuttgart und Petr Cech bei ​Werder Bremen. Bevor Philipp Lahm im Sommer 2003 nach Stuttgart verliehen wurde, hätte der Weg des Weltmeister-Kapitäns auch zu ​Arminia Bielefeld führen können - der damalige Trainer Benno Möhlmann war von dieser Idee aber nicht überzeugt.


Auf Empfehlung von Nachwuchstrainer Hermann Gerland trainierte Lahm in der Vorbereitung auf die Saison 2002/03 bei den Bielefeldern mit, entsprach aber offenbar nicht dem Profil, nach dem Benno Möhlmann suchte. Ansgar Brinkmann machte sich damals für Lahm stark, der frühere Mittelfeldspieler flehte Möhlmann an (via n-tv): "Trainer, den Kleinen, wir müssen den Kleinen nehmen."


Der entgegnete nur: "Ansgar! Der hat keinen Offensiv-Kopfball und auch keinen Defensiv-Kopfball." Bereits vor zwei Jahren erinnerte sich Brinkmann bei n-tv an diese Unterhaltung in Möhlmanns Büro, sagte rückblickend, er wisse "wirklich nicht, was die damals gesucht haben." Denn gegen Lahm war er in den Trainingseinheiten chancenlos: "Benno", antwortete Brinkmann seinem Trainer, "der hat in der ganzen Woche keinen Zweikampf verloren. Ich komme an dem nicht vorbei. Das habe ich noch nie erlebt."


Arminia stieg ab, Lahm auf


Statt Lahm vom ​FC Bayern auszuleihen, verpflichtete Bielefeld für die Defensive Du-Ri Cha von ​Bayer Leverkusen, Torjus Hansén von Lillestrom FK und Benjamin Lense von Darmstadt 98. Das Trio passte augenscheinlich besser in Möhlmanns Konzept, sportlichen Erfolg brachte es allerdings nicht: Mit 36 Punkten stieg der Aufsteiger prompt wieder ab, Bielefeld gewann nur acht Bundesligaspiele. "Wir hatten Spieler in Bielefeld, die konnten Kopfballduelle gewinnen. Wir hatten Spieler, die konnten grätschen. Aber dann gingen die Probleme los", so Brinkmann, der im Sommer 2003 zu LR Ahlen wechselte -  im selben Jahr wurde Lahm nach Stuttgart verliehen.


Unter Felix Magath durchlebte der Außenverteidiger eine rasante Entwicklung. "Nach drei, vier Monaten in Stuttgart gab's einen Zeitungsartikel, darin stand, dass der VfB Lahm für vier Millionen vom FC Bayern kaufen wollte", weiß Brinkmann, als ob es gestern gewesen wäre. Daraufhin verpasste er Möhlmann im wahrsten Sinne des Wortes einen Denkzettel: "Ich habe Benno den Artikel an die Tür genagelt."


2005 kehrte Lahm nach München zurück und absolvierte bis zu seinem Karriereende vor zwei Jahren 517 Pflichtspiele für den Rekordmeister. Mit dem FC Bayern wurde Lahm achtmal Deutscher Meister, sechsmal DFB-Pokalsieger und Champions-League-Sieger, 2014 führte er die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum WM-Triumph in Brasilien.