Wenig überraschend feierte ​Bayern München einen Heimsieg gegen Union Berlin​Dass dieser aber nur mit 2:1 ausfiel, wunderte selbst den einen oder anderen Gegenspieler. Christian Gentner, Mittelfeldroutinier der Eisernen, absolvierte am Samstag sein 28. Pflichtspiel gegen den Rekordmeister, den er aufgrund vergangener Duelle deutlich stärker in Erinnerung hatte.


"Bayern-like", mit diesem Begriff appellierte Manuel Neuer an seine Mitspieler nach den Spielen gegen Augsburg (2:2) und Olympiakos Piräus (3:2), wieder mehr Stärke und Dominanz auszustrahlen. Seit einigen Wochen aber erscheint es eher "Bayern-like", nicht mit voller Intensität und Konsequenz zu spielen, zahlreiche Torchancen liegen zu lassen und den Gegner durch zu einfache Tore zurück ins Spiel zu bringen.


Auch gegen Union konnte Neuer die Null trotz eines gehaltenen Elfmeters in der 58. Minute nicht halten. Kurz vor Schluss bekamen die Eisernen nach einem Foul von Benjamin Pavard erneut einen Strafstoß zugesprochen, den Sebastian Polter - anders als Sebastian Andersson - sicher verwandelte.


"Ein Spiel machen, das wir frühzeitig entscheiden"


Bereits nach 13 Minuten gingen die Münchner durch ebenjenen Pavard mit 1:0 in Führung, Robert Lewandowski erhöhte wenige Minuten nach Wiederbeginn auf 2:0 - der Pole traf als erster Bundesliga-Spieler überhaupt in den ersten neun Saisonspielen. Danach versiebte der Rekordmeister aber wie schon in Augsburg zahlreiche Großchancen, von denen allein Serge Gnabry zwei an der Zahl hatte. Die Freude über das 3:0 hielt nicht lange an, aufgrund einer Abseitsstellung von Gnabry wurde ein weiterer Treffer von Lewandowski aberkannt. Wenig später verkürzte Union, die Bayern mussten sich wieder einmal mit einem knappen Vorsprung ins Ziel retten.


"Ich würde mir wünschen, dass wir mal wieder ein Spiel machen, das wir frühzeitig entscheiden - und nicht immer bis zur letzten Minute zittern müssen", ärgerte sich Hasan Salihamidzic laut Spox. Die schwache Ausbeute vor dem Tor von Rafal Gikiewicz blieb auch Niko Kovac nicht verborgen, er ist sich seinerseits aber sicher: "Irgendwann wird sich das wieder drehen."


Gentner wundert sich: "Es gab schon schwierigere Spiele"


Zufrieden war Kovac mit der Defensivleistung seiner Schützlinge, abgesehen von den Strafstößen erhielten die Gäste kaum Zugriff. Doch es ist viel Stückwerk, was die Bayern derzeit abliefern, weshalb sich Christian Gentner wunderte: "Es gab sicherlich schon schwierigere Spiele."

Am 03. Dezember 2005 spielte der 34-jährige Mittelfeldspieler erstmals in der Bundesliga gegen die Bayern, damals noch für den ​VfB Stuttgart. Von insgesamt 28 Begegnungen verlor Gentner 23, nur dreimal durfte er einen Sieg feiern. "Das war keine überragende Bayern-Mannschaft", fuhr er fort, "ich habe sie schon wesentlich stärker erlebt."


Zuletzt häuften sich kritische Stimmen über die für Verwunderung sorgenden Auftritte des Branchenprimus. ​So kritisierte beispielsweise Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel bereits vor einer Woche die schwach​e Defensive, nach nun neun Spielen hat Neuer zwölf Gegentore kassiert. "In den letzten zwei Jahren stimmt es bei denen definitiv nicht mehr", sagte Funkel gegenüber BILD, "in der Zeit, als Jupp Heynckes Trainer war, hat Bayern 17 Gegentreffer bekommen - aber in der kompletten Saison."

Die Verantwortlichen nehmen die aktuelle Situation jedoch unterschiedlich auf. Uli Hoeneß verwies nach dem Schlusspfiff auf die Tabelle, auch Kovac wies auf den vorübergehenden Platz an der Sonne hin. Dabei gibt es ebenso statistische Werte, die einen deutlichen Leistungsabfall der Bayern unterstreichen - ganz zu schweigen von dem, was zuletzt häufig auf dem Platz zu sehen war. Und nach der deutlichen Kritik von Hasan Salihamidzic und ​Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel in Piräus war es wieder Salihamidzic, der deutliche Worte für den gestrigen Auftritt der Mannschaft übrig hatte.