Hinter Lionel Messi und Cristiano Ronaldo reihte sich Neymar vor einigen Jahren in die Riege der besten Fußballer der Welt ein. Auf Vereinsebene hat der Ausnahmekünstler alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, der große Traum vom Ballon d'Or blieb ihm aber auch in diesem Jahr verwehrt. Ein kontroverser Wechsel zu Paris St. Germain und mehrere Verletzungen hinderten ihn daran. Deshalb landet er im All-Decade-Ranking von 90min auch nur auf Platz 11.


"Er ist der beste Spieler, den ich jemals hatte", sagte Muricy Ramalho vor wenigen Monaten bei ​BILD über Neymar. Was folgte, war jedoch keine Lobeshymne, sondern ein großes Aber: "Er muss jetzt fokussiert sein. Für seine Karriere ist das alles nicht gut. Keine Ahnung, ob ihm das keiner sagt. Jetzt ist der Moment, ganz ruhig zu bleiben, sich eine Auszeit zu nehmen."


Was der Ex-Trainer des FC Santos meint? Den Wirbel um Neymars angepeilte Rückkehr nach Spanien und das wilde Partyleben abseits des Fußballs. Wirklich professionell wirkt das nicht, auch bei Ramalho sorgt der Lebensstil des 27-Jährigen für Verwunderung: "Er steht in Verhandlungen mit dem ​FC Barcelona, mit ​Real Madrid, keine einfache Sache. Und dann fährt er in den Urlaub, zu einer Musikshow. Junge, Junge."


Neymar ist 1,75 Meter groß, beidfüßig, technisch hoch veranlagt - ein typisch brasilianischer Fußballer, nur besser als alle anderen. Er liebt es, seine Gegenspieler auszutricksen, die rächen sich dafür mit Fouls der härteren Gangart. Besonders in Frankreich bekommt er dies zu spüren, weshalb er nicht nur einmal über den mangelnden Schutz der Spieler durch den Schiedsrichter klagt. Schauspieleinlagen wie bei der Weltmeisterschaft 2018 hindern die Unparteiischen aber daran, Neymar gesondert zu behandeln. Denn ob es sich um einen ernsthaften Schmerz handelt oder ob er nur so tut als sei er verletzt, ist bei ihm nie klar.


Aufsteigender Stern beim FC Santos - Wechsel nach Europa


Doch der Reihe nach: 2013 wagte er den Sprung nach Europa, wechselte für 88,2 Millionen Euro vom FC Santos zum FC Barcelona. Mit dem achtfachen brasilianischen Meister gewann Neymar 2011 die Copa Libertadores, die südamerikanische Variante der UEFA Champions League. Sein Talent wurde schon zuvor weltweit bekannt, vor allem von Real Madrid buhlt um den Youngster; die Königlichen mussten aber zahlreiche Körbe einstecken.


Schon 2010 debütiert Neymar für die brasilianische Nationalmannschaft, beginnt im Länderspiel gegen die USA von Anfang an und erzielt nach 28 Minuten sein erstes Länderspieltor. Egal mit welchem Fuß, egal auf welcher Position, egal aus welcher Distanz - Neymar trifft regelmäßig.  Früh wird klar, dass es sich bei ihm um ein Ausnahmetalent handelt.


In Barcelona braucht er kaum Eingewöhnungszeit, in seiner ersten Saison erzielt er wettbewerbsübergreifend 15 Tore. Darauf sind es allein in der Primera Division 22, und schon im zweiten Jahr hat er in Europa alles erreicht: Barça holt unter Luis Enrique zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Triple, gewinnt neben der Liga und der Copa del Rey auch die Champions League. 


Kontroverser Wechsel nach Paris


In der Saison 2015/16 ist Neymar an 56 Toren beteiligt, erzielt in 186 Spielen für die Katalanen 105 Tore und liefert 76 Assists. Allerdings steht er im Schatten von Messi, die Chancen auf den Ballon d'Or verbessern sich nicht unbedingt. Daher entschließt er sich, den Klub zu verlassen, wechselt für 222 Millionen Euro zu Paris St. Germain. Möglich macht dies die festgeschriebene Ablösesumme in seinem Vertrag. 


"Ich bin extrem glücklich, mich Paris Saint-Germain anzuschließen. Seit ich in Europa angekommen bin, war der Klub einer der mit den größten Ambitionen", sagte er laut Tagesspiegel bei seiner Ankunft. Wirklich glücklich wurde er allerdings nicht. Nur wenige Monate nach seinem Wechsel heißt es, dass er wieder nach Spanien zurückkehren wolle, am liebsten nach Barcelona. Real Madrid liebäugelt wieder einmal mit einem Transfer, sollte Neymar aber noch immer nicht bekommen. 


In der französischen Hauptstadt lebt Neymar sein Partyleben aus, auf dem Platz läuft es aber nicht allzu rund. In der Champions League scheitert der Klub im Achtelfinale, der Wunder-Sturm um Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani reicht für ein besseres Abschneiden nicht aus. Vor allem ist Neymar immer wieder verletzt, erleidet im März 2018 einen Mittelfußbruch und verletzt sich im Januar dieses Jahres erneut am Mittelfußknochen. Aktuell fehlt er aufgrund von Oberschenkelproblemen.


Neymar tritt auf der Stelle


Ob er spielt oder nicht, dürfte ihm aber egal sein. Die Spekulationen über eine Flucht aus Paris sind nie abgerissen, 2019 will er den Klub endgültig verlassen. "Wenn du nicht glücklich bist, musst du versuchen, es zu ändern, möglicherweise einen neuen Ort finden, eine neue Berufung, um dich selbst zu finden", sagte Neymar gegenüber dem Fußballportal Otro über die seinen Wechselwunsch (via Sport1). PSG aber bleibt in den Verhandlungen stur und stellt Forderungen, die niemand auch nur ansatzweise erfüllen kann - Neymar muss bleiben.


Lionel Messi hätte ihn gerne wieder an seiner Seite gesehen, darauf wird der sechsmalige Weltfußballer aber noch mindestens ein Jahr warten müssen. Sein selbst gewähltes Schicksal hat Neymar akzeptiert. "Alles gut", sagt er. "Ich sagte bereits, dass ich ein Spieler dieses Vereins bin, ein Profi und ich werde mein Bestes für Paris geben."


Eines dürfte er mit seiner Flucht nach Paris aber gelernt haben: Talent und Ego reichen nicht aus, um der beste Fußballer der Welt zu werden. Neymar hat sich verzockt, wollte sich bei PSG so etablieren wie Messi in Barcelona oder Cristiano Ronaldo in Madrid. Geschafft hat er es bis heute nicht. Von einer erfolglosen Karriere kann nicht die Rede sein, doch sein volles Potenzial hat Neymar noch nicht ausgeschöpft. Ob er es jemals tun wird, ist aufgrund seines Charakters fraglich.


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min Ranking


Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: ​Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel