​​Julian Brandt wurde vom BVB mit ganz viel Vorschusslorbeeren von ​Bayer Leverkusen verpflichtet. Bislang findet der Deutsche Nationalspieler aber noch so gar nicht in die Spur. Dass es nun Geduld braucht und die sich auszahlen kann, zeigten bereits einige andere BVB-Spätzünder.


Er kann es ja, er will ja auch; doch so richtig ins Rollen kommt Julian Brandt beim BVB noch nicht. Der 23-Jährige sucht seine Form und seine Position, wirkt weder ganz fit, noch wie ein funktionierendes Puzzleteil in der schwarz-gelben Offensive. Der Druck auf den ehemaligen Leverkusener wächst. Jetzt heißt es: Ruhe und Geduld bewahren. Ohne dieses Erfolgsrezept wären die folgenden vier Ex-Borussen nicht zu den Topstars geworden, die sie heute sind.


Robert Lewandowski


Für die Young Generation: Ja, Robert Lewandowski funktionierte nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund zunächst gar nicht. 2010 wagte der Pole den Schritt aus der Heimat von Lech Posen hin zum BVB, musste sich dort aber zunächst hinter dem etatmäßigen Torjäger vom Dienst, Lucas Barrios, einreihen. Zwar kam Lewandowski regelmäßig zum Zug (43 mal in seiner Debütsaison), erntete aber schnell den Ruf eines Chancentodes. Am Ende der Spielzeit standen nur neun Pflichtspieltore auf dem Konto des Neuzugangs, für den der BVB damals die durchaus bemerkenswerte Summe von 4,75 Millionen Euro auf den Tisch lag.

Als Fehleinkauf und Chancentod abgestempelt, glaubte in Dortmund niemand so recht an den Durchbruch des Polen. Außer Trainer Jürgen Klopp, der sich hinter seinen Schützling stellte und ihm das Vertrauen schenkte, als sich Lucas Barrios schwer verletzte. In seiner zweiten Saison beim BVB, durch die Barrios-Verletzung vom Konkurrenzkampf entbunden, explodierte Lewandowski: 30 Tore und 12 Torvorlagen legte der Pole in 47 Pflichtspielen auf - und der Rest ist Geschichte.

Henrikh Mkhitaryan


Den Schritt hin zum absoluten Topstar machte auch Henrikh Mkhitaryan beim BVB. Der hochtalentierte Armenier wechselte 2013 als designierter Nachfolger von Mario Götze nach Dortmund. Und irgendwie zum Unmut der Fans: Denn zuvor wurden die Namen Kevin De Bruyne und Christian Eriksen gehandelt. Während De Bruyne keine Freigabe vom FC Chelsea erhielt, entschied sich der BVB gegen Eriksen und stattdessen für Mkhitaryan, der als unbeschriebenes Blatt aus Donetsk in den Ruhrpott wechselte.

Mit 27,5 Millionen Euro - und damit in einer ähnlichen Sphäre wie Julian Brandt - avancierte Mkhitaryan damals zum neuen Rekordeinkauf der Vereinsgeschichte. Und ähnlich wie Brandt, kam Mkhitaryan nicht in Schwung. Die hohe Ablösesumme machte dem Armenier zu schaffen: "Es war zu viel Druck für mich. Jeder redete nur über das Geld, das man für mich bezahlt hatte", erzählte Mkhitaryan vor einigen Jahren SPOX. "Ich bekam mit, dass in den Zeitungen schlecht über mich geschrieben wurde. Das habe ich mir zu sehr zu Herzen genommen, auch wenn es sich nach rund einem halben Jahr wieder gelegt hat." 

Nach den Anlaufschwierigkeiten wuchs Mkhitaryan mehr und mehr in die Mannschaft hinein und beendete seine erste Saison mit respektablen 13 Toren und zehn Vorlagen. Doch auch in der zweiten Saison stolperte sich Mkhitaryan durch das Dortmunder Mittelfeld. Zu wenig gute, zu viele schlechte Spiele häuften sich beim Armenier an. Der Druck aus dem Vorjahr wuchs erneut an. Das Problem: Klopp funktionierte Mkhitaryan zum Außenspieler um, was anfangs nicht gut klappte. Erst nachdem der flexible Spielmacher seine Rolle gefunden und die schwere Saison hinter sich gebracht hatte, startete er beim BVB durch. 23 Tore und 32 Vorlagen sammelte er in seiner dritten Saison in Schwarz-Gelb. Beim Armenier hat sich die große Geduld definitiv ausgezahlt.

Pierre-Emerick Aubameyang


Nach Robert Lewandowski war Pierre-Emerick Aubameyang die nächste ganz große Erfolgsgeschichte im Dortmunder Sturmzentrum. Und sein Weg in Dortmund fing ähnlich an, wie der von Lewandowski: er musste sich hinten anstellen. Denn Lewandowski war in Dortmund 2013, als Aubameyang in die Bundesliga wechselte, unangefochtener Stammspieler. Aubameyang musste auf die Flügel ausweisen, was trotz seines enormen Tempos nicht wirklich gut funktionierte. Nachdem Auba gleich in seinem ersten Bundesligaspiel mit einem Dreierpack gegen Augsburg glänzte, wurde es schnell still um den Gabuner. Auf den Flügeln wirkte er im dynamischen BVB-Spiel unter Jürgen Klopp wie ein Fremdkörper.

Mit dem Abschied von Robert Lewandowski zum FC Bayern (2014) begann der Aufstieg von Aubameyang. Fortan im Sturmzentrum eingesetzt, fuhr der Gabuner seine Waffen aus und ballerte Tore am Fließband. 25 Tore in der Saison 2014/15 toppte er ein Jahr später noch mit außergewöhnlichen 39 Pflichtspieltreffern in 49 Pflichtspielen. Auch wie aktuell bei Julian Brandt brauchte es lediglich die richtige Position und Erfolgserlebnisse, um in die Spur zu finden.

Ilkay Gündogan


Der letzte im Bunde, der in der jüngeren Vereinsgeschichte des BVB als Spätstarter auf sich aufmerksam machte, ist Ilkay Gündogan, der gut und gerne zur Riege der besten (zentralen) Mittelfeldspieler der Welt gezählt werden darf. Der Deutsche Nationalspieler schloss sich 2011 dem BVB an, wagte damals den nächsten Karriereschritt vom 1. FC Nürnberg. In Dortmund lief es für Gündogan aber nicht rum. Dem Spielgestalter mangelte es an Selbstvertrauen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte mal zu dieser Zeit über Gündogan, dass er mit solch einer langen Anlaufszeit beim FC Bayern schon längst aussortiert worden wäre.

Doch der BVB hielt an Gündogan fest, baute ihn behutsam auf. Auf dem ehemaligen Nürnberger lastete der schwere Druck, in Dortmund in die Fußstapfen von Nuri Sahin treten zu müssen. Nach einem schwachen, unsicheren Saisonstart verlor Gündogan zweitweise sogar seinen Platz im Kader, schien in Dortmund mehr und mehr außen vor zu sein. Doch im letzten Saisondrittel 2011/12, seiner Debütsaison in Dortmund, explodierte der mittlerweile 29-Jährige und entwickelte sich schnell vom Sicherheitsbälle spielenden Sechser zum modernen Achter, der kreieren und Akzente setzen kann. Fortan war er beim BVB unverzichtbar und wechselte 2016 zu Manchester City, wo er nahtlos an seine Leistungen in Dortmund anknüpfen konnte.