​Es könnte die Transferbombe der diesjährigen Saison werden: Wie die Sport Bild in ihrer neuesten Ausgabe berichtet, könnten der​ BVB und Star-Trainer ​José Mourinho in Zukunft zueinander finden. Aber passt der Portugiese überhaupt in die Spielkultur der Bundesliga?


Eines vorweg: Zweifel am Fußballsachverstand des 56-jährigen Trainers aus Setúbal braucht man nicht zu haben. Der Mann weiß, wie man Mannschaften konfektioniert, trainiert, aufstellt - und zum maximalen Erfolg führt. 


Vier Länder - viermal Erfolg!


Wer in vier verschiedenen Ligen Europas jeweils Meister geworden ist, dazu mit Mannschaften wie dem FC Porto und Inter Mailand die Champions League gewinnt, steht in dieser Facette außerhalb jeglicher Diskussion.


Es geht bei der Frage um Mourinho vielmehr um einen Stil, eine gewisse Kultur, die man sich mit seiner Person ins Haus holt. Borussia Dortmund steht seit den glorreichen Zeiten eines Jürgen Klopp für sehr schnellen, sehr offensiven Power-Fußball. 


Thomas Tuchel brachte etwas mehr Ordnung und Disziplin in das Spiel, und hätte wohl durchaus in die Fußstapfen seines Vorgängers treten können. Und auch gepasst. Jedoch war er von der ganzen Persönlichkeitsstruktur kein Mann für den Pott. Und auch keiner für den BVB, bei denen ein eher hemdsärmeliger Mann wie Hans-Joachim Watzke das Sagen hat. 


Der Holländer Peter Bosz war dann wiederum zu offensiv ausgeprägt, und das Experiment mit dem Holländer scheiterte. Dasselbe gilt für den Österreicher Peter Stöger. Am Ende durften beide nur jeweils ein gutes halbes Jahr am Signal Iduna-Park wirken. Und wie das so ist: Gleich eines Pendelschlages kehrte man nach den Ultra-Offensiven Varianten wieder zu mehr Vorsicht und defensiver Absicherung. 


Mit Lucien Favre (einem Schweizer) hat man - was den dogmatischen Ansatz betrifft - eine Mischung aus allen vier vor ihm tätigen Übungsleitern geholt, dabei aber die charakterliche Note beiseite gelassen. Favre gilt - übrigens nicht erst seit seiner Dortmunder Zeit - als zögerlich, zaudernd. 


Wohl bekannt das Bonmot des Dieter Hoeneß (also noch aus uralten Hertha-Zeiten), der mal über Favre sagte, dass dieser im Supermarkt verhungern würde, weil er sich zwischen Wurst und Käse nicht entscheiden könne. Doch Zögerlichkeit ist eigentlich ein Ausschlusskriterium für Trainerkandidaten bei einem Spitzenklub in einer der vier stärksten Ligen Europas. 


Pragmatischer Ansatz: Nur das Ergebnis zählt!


Im kontrastreichen Gegensatz kommt der Begriff "Zögerlichkeit" im Wortschatz des José Mourinho gar nicht erst vor. Wer sich selbst als "speziell" beschreibt und auch in aller Öffentlichkeit so vorstellt, hat eines mit Sicherheit nicht: Zweifel an sich selbst oder an seinem Handeln. Der Mann macht einfach. 


Mit einer gewissen Portion Pragmatismus ging der Portugiese alle seine Aufgaben an. Nacheinander hievte er drei Traditionsklubs (FC Porto, Inter Mailand und FC Chelsea) in drei verschiedenen Ländern, die in den Jahren vor seiner Ankunft in eine gewisse Stagnation verfallen waren und lediglich auf nationaler Ebene Titel einholen konnten, auf ein neues Level. 

Zwei von ihnen (FC Porto, Inter Mailand) brachte er lang ersehnte europäische Weihen, mit dem FC Chelsea scheiterte er zweimal am FC Liverpool (beide Male im Halbfinale) und einmal am späteren Sieger FC Barcelona im Achtelfinale. 


Nach diesen furiosen acht Jahren war die Zeit reif für die ganz großen Aufgaben. ​Real Madrid

Doch wer dachte, dass die Galaktischen 2.0 und Mourinho nun eine unschlagbare Mischung darstellen würden, sah sich schnell getäuscht. Mourinhos "Problem" während seiner Zeit in Madrid hatte einen Namen: Pep Guardiola. Der war mit seinem Barça und dem zu dieser Zeit in der Form seines Lebens befindlichen Messi so gut wie unschlagbar. 


Doch Mourinho akzeptierte diese Rolle zähneknirschend und passte sich den Umständen derart an, dass er aus dem stolzen Real Madrid eine nüchterne Ergebnismaschine machte. Fürs Schönspielen hatte er Özil, für die Tore Cristiano Ronaldo. Ansonsten hieß es: hinten dicht. 


Augenfällig wurde dies vor allem in den Clásicos gegen den Erzrivalen aus Barcelona. Da war sich Mourinho auch nicht zu schade, seine Truppe bisweilen über neunzig Minuten zum Verteidigen und Rennen und Kämpfen aufzufordern. Der Zweck heiligte beim ihm alle Mittel. Ein einziges Mal schaffte er es sogar, mit dieser Taktik im direkten Duell seinem großen Widersacher ein Bein zu stellen. Allein - es war "nur" das spanische Pokalfinale (2011). Die Meisterschaft im folgenden Jahr konnte dann grundsätzlich nichts mehr an seinem Schicksal in der spanischen Hauptstadt ändern. 


Nach drei Jahren hatte Real-Boss Pérez einfach genug vom Pragmatismus, und die Wege der beiden trennten sich. Es folgte ein zweites Engagement beim FC Chelsea, das jedoch längst nicht so erfolgreich verlief wie das erste. Und letztlich sein Scheitern (trotz des Europa-League-Titels 2017) bei Manchester United. 


Mourinho wäre eine Attraktion der Bundesliga


Wer sich also einen Mourinho ins Haus holt, weiß, was er bekommt. Dass Dortmund und die Ansprüche des Umfeldes nicht mit denen von Real Madrid zu vergleichen ist, ist auch klar. 

Deshalb würde ich, aus einer Position der Neutralität heraus, es durchaus begrüßen, einen so renommierten Trainer in der ​Bundesliga wirken zu sehen. Er wäre eine absolute Bereicherung und das untrügliche Zeichen, dass die Bundesliga auch für die absoluten Spitzentrainer dieser Welt ein attraktives Ziel ist. 


Mourinhos Trophäensammlung:

​JahrKlub​International​National​
​2003FC Porto​​UEFA-Cup​Meister; Pokal; Super-Cup
​2004FC Porto​​Champions League​Meister
​2005​Chelsea ​Meister; Liga-Pokal; Super-Cup
​2006​Chelsea ​Meister
​2007​Chelsea ​Pokal, Liga-Pokal
​2008​Inter Mailand​Super-Cup
​2009​Inter Mailand​Meister
​2010​Inter Mailand​Champions League​Meister; Pokal
​2011​Real Madrid​Pokal
​2012​Real Madrid​Meister; Super-Cup
​2015​Chelsea​Meister; Liga-Pokal
​2016​Man United​Super-Cup
​2017​Man United​Europa League​Liga-Pokal