​Wenn nach einem derart ​rassigen, unterhaltsamen und bisweilen hochklassigen Remis wie dem gestrigen in der Bielefelder Schüco-Arena beide Mannschaften nach dem Spiel mit der Leistung des Schiedsrichters (Frank Willenborg, Foto oben) unzufrieden sind, kann man getrost davon ausgehen, dass keines der Teams über Gebühr benachteiligt (oder bevorteilt wurde). Trotz jener Szene in der 50.Minute, die den ​HSV empörte und ihn in der Folgezeit ein wenig aus dem Spiel nahm.


Hecking und Boldt verärgert über Fehlentscheidung


"Beim Ausgleichstor liegt aus meiner Sicht ein klares Foul vor, das muss der Schiedsrichter pfeifen", beurteilte HSV-Coach Dieter Hecking jene Szene, in der Bielefelds Voglsammer Vagnoman mit einem kleinen Schuppser an der Torauslinie aus der Balance bachte, wodurch letztlich erst die Ecke generiert wurde, aus der dann der Ausgleich für die Arminia entstand. 


HSV-Sportchef Jonas Boldt bewertete diese Szene - wenig überraschend - genau so. "Das ist auf jeden Fall ein klares Foul, kein schlimmes Foul, aber es ist eben eines. Das ist ein abgeklärter Spieler, der weiß, was er tut. Er bringt unseren Spieler aus dem Tritt. Wer den Josha in den vergangenen Wochen verfolgt hat, der weiß, dass er sonst so einen Pass ins Toraus nicht spielen würde. Jeder, der auch mal gekickt hat, hat das erlebt. Das musst du abpfeifen und dann ist Ruhe."


Schiedsrichter nicht spielentscheidend


Recht haben beide Vertreter des HSV. Aber sie taten auch sehr gut daran, das ganze Spiel und dessen etwas unglücklichen Verlauf für ihr Team nicht einzig und allein an dieser Szene festzumachen. 


Obwohl sie durchaus auf Verständnis beim Gegner trafen. So urteilte Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus: "Wenn ich Hamburg gewesen wäre, hätte ich das auch für mich reklamiert als Freistoß. Es gab sehr viele ähnliche Szenen, in denen beide Seiten mit den Entscheidungen nicht einverstanden waren. In dem Moment hatten wir Glück und machen daraus das Tor. Es gab heute viele 50:50-Entscheidungen, die komisch getroffen wurden." 


Und so wird aus einer offensichtlichen Fehlentscheidung am Ende auch nur eine Randnotiz. Denn auch bei jener ominösen Ecke, die dem nicht geahndeten Foul Voglsammers folgte, habe der HSV, so Arminia-Stürmer Fabian Klos, immer noch die Möglichkeit gehabt, sie zu verteidigen. Was ihm aber nicht gelang. So wenig, wie es ihm in der starken ersten Halbzeit gelungen war, den Sack schon vor dem Halbzeitpfiff zuzumachen. 


HSV mit Chancenwucher in der ersten Halbzeit


Bei konsequenter Chancenverwertung wäre ein 0:3 zur Halbzeit keinesfalls zu hoch gewesen. Und die Arminia auch nicht mehr zurückgekommen. Doch so ging es halt nur mit einem Tor Vorsprung in die Kabinen, und die Arminia konnte sich noch einmal auf einen 45-minütigen Sturmlauf in Halbzeit zwei einschwören. 


Nach dem - nennen wir es mal: glücklich zustande gekommenen Remis, hatten dann auf einmal die Hausherren Oberwasser und durch Klos in der 80. Minute die Riesenchance auf den wohl entscheidenden zweiten Treffer. 


Doch das letzte Wort in einer turbulenten Schlussphase, in der beide Mannschaften nochmal den Fuß aufs Gaspedal drückten, hatte Jeremy Dudziak mit seinem Lattentreffer in der 88. Minute. 


Am Ende steht ein 1:1, mit dem beide Mannschaften leben können. Oder, wie es Torschütze Klos formulierte: "Keine Mannschaft hätte es verdient, heute als Verlierer vom Feld zu gehen." Wenn es überhaupt einen "Verlierer" gab, war es wohl diesmal eindeutig der Unparteiische.