​Der ​VfB Stuttgart wurde seiner Favoritenrolle in der zweiten Liga in den erste Wochen absolut gerecht und konnte in den ersten acht Partien im deutschen Unterhaus 20 von möglichen 24 Punkten einheimsen. Zuletzt setzte es für das Team von ​Coach Tim Walter nun aber gleich zwei Niederlagen in Folge. Die Schwächen der Stuttgarter wurden dabei gnadenlos aufgedeckt.


Wie bereits bei der ersten Saisonniederlage gegen Wehen Wiesbaden vor der Länderspielpause, hatten die Stuttgarter auch bei der 0:1-Pleite gegen Walters Ex-Klub Holstein Kiel am Sonntag über weite Strecken der Partie und dabei insbesondere in der ersten Halbzeit die Zügel in der Hand. Summa summarum standen nach Abpfiff 62 Prozent Ballbesitz und eine erneut starke Passquote von 87 Prozent zu Buche. Problem nur, dass man sich von diesem Zahlenwerk nichts kaufen kann und schon gar nicht wichtige Punkte bei der Mission sofortiger Wiederaufstieg.


Dominanz ohne Durchschlagskraft


In Abwesenheit des verletzten Spielmachers Daniel Didavi konnten die Stuttgarter vor allem im ersten Spielabschnitt zwar die ein oder andere sehenswerte Passstafette ​anbieten, nur selten konnte sich die Mannschaft von Tim Walter dabei aber in aussichtsreiche Abschlusssituationen kombinieren. Immer problematischer scheint daher zu werden, dass dem Spiel der Stuttgarter oftmals die nötige Klarheit und Zielstrebigkeit in Richtung gegnerisches Gehäuse abgeht.


Dabei bringen die Spieler des VfB eigentlich eine Menge Tempo und technische Finesse mit. Gegen Kiel wirkten die Schwaben aber nicht wirklich gut aufeinander abgestimmt und machten es der massiven Hintermannschaft der Störche allzu leicht, die Angriffswellen der Gastgeber abzuwehren. Bei den wenigen klaren Torchancen hatten die Angreifer der Stuttgarter dann nicht die nötige Kaltschnäuzigkeit.


VfB stellt sich erneut selbst ein Bein


Erschwert hatten sich die Stuttgarter ihren Sonntagnachmittag dabei selbst in Persona von Holger Badstuber. Der eigentlich so erfahrene Abwehrchef stellte sich bei zwei Zweikämpfen alles andere als geschickt an und flog bereits in der 53. Spielminute mit gelb-rot vom Platz. Die Entscheidung des Referees war angesichts des sonst so fair ausgefochtenen Duell der beiden Mannschaften zwar zweifelsohne hart, bewegte sich aber dennoch im Rahmen der Regeln.


Dass Badstuber ob des Platzverweises alles andere als begeistert war, ist dennoch nachvollziehbar. ​Unprofessionell war jedoch, dass sich der Ex-Münchner zu einer ​verbalen Entgleisung in Richtung der Unparteiischen hatte hinreißen lassen. Nicht auszuschließen, dass dem ehemaligen Nationalspieler nun ein Nachspiel, sprich eine längere Sperre, droht. Von einem Führungsspieler wäre in einer solchen Situation daher eine abgeklärtere Reaktion nicht nur wünschenswert, sondern auch erwartbar gewesen.


Walter muss mit Team Tacheles reden


Nach der Partie bezeichnete Tim Walter den Platzverweis seines Innenverteidigers als Knackpunkt des Spiels und nahm seine Spieler mit dieser Aussage öffentlich in Schutz. Diese Rückendeckung wird seinen Schützlingen angesichts der ersten Krise in der gemeinsamen Zusammenarbeit mit Sicherheit gut tun, zumal im Kader der Schwaben viele jungen Spieler sind.


Intern wird es dennoch wichtig sein, die Fehler der letzten Wochen klipp und klar anzusprechen und sich nicht darauf auszuruhen, die Schuld bei anderen zu suchen. Von einer Mannschaft mit dem Anspruch der Stuttgarter ist schließlich eigentlich zu erwarten, dass man selbst in Unterzahl mehr zustande bringt als in der letzten halben Stunde gegen die Kieler. Unterm Strich war der Auswärtasieg des Nordklubs schließlich alles andere als unverdient und hätten die Gäste nach dem Treffer von Jae-Sun Lee in der 55. Spielminute mit etwas mehr Konsequenz und einem schlechter aufgelegten VfB-Keeper auch noch höher gewinnen können.


​HSV wird zur Feuerprobe


Die Schwächephase der Stuttgarter kommt zu einer absoluten Unzeit, steht doch bereits am kommenden Wochenende das mit Spannung erwartete ​Duell gegen den Hamburger SV an. Für den VfB stellt das Spiel gegen die Hanseaten aber auch eine große Chance dar, würde ein Sieg beim HSV doch rasch wieder für positive Stimmung im Ländle sorgen.


Profitieren könnten die Schwaben dabei davon, dass die Hamburger vor heimischer Kulisse nicht so abwartend auftreten werden, wie die letzten beiden Gegner der Stuttgarter. Da auf Seiten des Gegners aber auch deutlich mehr Qualität vorhanden ist, dürfen sich die Schwaben noch weniger Fehler als zuletzt leisten. Coach Tim Walter steht mit seinem Team also vor einer echten Bewährungsprobe.