Aus der Sicht von ​Schalke 04 hat man am heutigen Abend gegen die ​TSG Hoffenheim eine extrem unnötige Niederlage (0:2) hinnehmen müssen. Lange dominierte man ganz klar das Spiel, von der Heimmannschaft war über weite Strecken gar nichts zu sehen. Dass man am Ende dennoch verliert, hat Gründe - doch auch das bremst die weiterhin gute Entwicklung nicht.


Diejenigen, denen das Spiel bekannt ist, könnten dieses Spiel als "typisches FIFA-Spiel" betiteln. Man dominiert und beherrscht die Partie, vom Gegner kommt über weite Strecken wenig bis gar nichts - ​und am Ende verliert man das Spiel. So könnte man diese Partie aus Schalke-Sicht grob zusammenfassen. Ein Spiel, was der S04 niemals verlieren darf. Dass man es am Ende doch tat, hatte viele verschiedene Gründe. Nichtsdestotrotz gibt es auch an einem so bitteren Abend gute Schlüsse, die man mitnehmen kann und sollte. 


Forcierte Systemumstellung funktioniert - Schalke kann Dominanz


Angefangen bei den positiven Erkenntnissen aus dem Spiel. Auch durch ​die Ausfälle von Suat Serdar und Weston McKennie, die zuletzt in sehr guter Form waren, musste S04-Trainer David Wagner umstellen. Vom sonst üblichen 4-2-3-1 wechselte er - wie bereits gegen ​RB Leipzig - auf ein 4-4-2 mit Raute um. So war Omar Mascarell, der erneut eine starke Partie ablieferte, der einzige Sechser. Begleitet wurde er rechts und links von Daniel Caligiuri und Alessandro Schöpf, und hinter Guido Burgstaller und Rabbi Matondo durfte ​Amine Harit auf seiner Lieblingsposition, der Zehn, starten. In der Defensive stand die gewohnte Abwehrreihe der letzten Wochen. 


Diese Umstellung hat reibungslos funktioniert. Wenn man mal mögliche Personaldiskussionen nicht beachtet, ist es wichtig, dass die Mannschaft von Spiel zu Spiel auch verschiedene Formationen und Herangehensweisen bespielen kann. Das macht einen weniger ausrechenbar und ermöglicht dazu, die etwaigen Schwächen der jeweiligen Gegner besser zu attackieren. Schalke spielte bis zum 0:1-Rückstand dominant und sicher auf, zahlreiche Kombinationen - vor allem in den ersten beiden Dritteln - funktionierten ebenfalls gut. Das sehr hohe Pressing hinterließ bei der Heimmannschaft früh Spuren. Auch hier kann man also weitere Fortschritte in der Entwicklung erkennen.

Die ewige Schwäche: Vor dem Tor nicht zwingend und nicht gefährlich genug


Wenn man eine erste Halbzeit so sehr unter Kontrolle hat, wie die Königsblauen gegen Hoffenheim, muss man mit einer Führung in die Pause gehen. Heißt: Aus der Dominanz muss man sich die Großchancen erspielen und diese nutzen. Genau daran hat man sich auch am heutigen Abend erneut das Genick gebrochen. Dass ​früher oder später auch Rückschläge kommen werden, war klar. Dass es jedoch so passiert, ist schlicht ärgerlich und unnötig. 


Burgstaller war erneut viel zu ungefährlich, auch Matondo kam zu keiner klaren Chance. Dazu kam, dass man sich deutlich zu wenig Möglichkeiten herausspielen konnte. So schwach wie die Mannschaft von Alfred Schreuder bis zur eigenen Führung aufgetreten ist, wäre bereits ein einzelnes Tor für den S04 spielentscheidend gewesen; man hätte den Gegner brechen können. Das tat man jedoch nicht. Die Schalker erspielten sich zu wenig Chancen, zu häufig war man im letzten Drittel zu ungenau oder den einen berühmten Schritt zu spät. Eventuell hätte es mit anderem Personal anders ausgesehen - das weiß man jedoch nicht.

Burgstaller braucht dringend eine Pause - auch die Wechsel waren fragwürdig


Guido Burgstaller durfte erneut in der Startelf stehen und über die volle Distanz spielen. Wie bereits in sieben Spielen der Saison zuvor, hat es auch dieses Mal keinerlei Ertrag bringen können. Irgendwann muss man eine derart schlechte Phase durchbrechen, das wird auch Wagner versucht haben. Im Endeffekt tut er jedoch weder dem 30-Jährigen einen Gefallen, noch der ganzen Mannschaft. Auch wenn es hart klingt: Schlechter und weniger ertragreich kann ein Ahmed Kutucu nicht spielen. Das junge Alter, mögliche noch wichtige Lernschritte was Abläufe und Taktik angeht hin oder her - es wird Zeit, dass er seine Chance bekommt. 


Stichwort Personal. Auch die von Wagner vorgenommenen Wechsel wurden im S04-Fanlager berechtigterweise kritisiert. In der 57. Minute wird Rabbi Matondo ausgewechselt. Der Gedanke dahinter: Der junge Waliser kommt gegen noch tiefer stehende Gegner nicht zum Zuge. Soweit zwar verständlich, jedoch war er im gesamten Spiel einer der wenigen in der Offensive, die das eine oder andere Mal mit Tempo die Lücken reißen konnten. Die Spielfreude hätte man gebrauchen können. 


Amine Harit

Ärgerlich - auch Amine Harit konnte es am Ende kaum fassen



Dass für ihn ein Mark Uth auf's Feld kommt, ist in vierfacher (!) Hinsicht falsch. Erstens: Matondo hätte womöglich nicht runter gedurft. Zweitens: Mark Uth ist derzeit total außer Form und hat bereits gegen den ​1. FC Köln eine sehr schlechte erste Halbzeit gezeigt. Drittens: Ahmed Kutucu wäre bereit und in der Situation besser gewesen. Viertens: Durch die Uth-Einwechslung musste Harit auf Linksaußen wechseln. Seine Stärken kann er dort nicht mehr so stark ausspielen. Dazu litt er unter einem heute offensiv sehr schwachen Bastian Oczipka. Ein Wechsel, der sich im Nachhinein als großer Fehler herausstellt. Kutucu kam in der 79. Minute - viel zu spät, um noch die gewünschte Wirkung zu entfalten.


Köpfe hängen lassen ist nicht drin - Das Derby steht vor der Tür


Eine Niederlage, vor allem in ihrer Art und Weise, die nach dem bereits ärgerlichen Remis gegen den Effzeh im Kopf ein erneuter Rückschlag ist. So schlimm ist es jedoch nicht. Schalke geht weitere Schritte in der so enorm wichtigen Entwicklung, das hat man auch heute wieder gesehen. Wie schnell, gut und sicher das Spiel häufig aufgebaut wurde, war sehr ansehnlich. Dass man auswärts dominieren kann, ebenso. An den Schwächen wird man arbeiten müssen, keine Frage.

Allerdings bietet sich den Spielern gar nicht erst die Möglichkeit, dass sich dieser Schmerz lange festsetzen kann. Bereits morgen startet die Derby-Woche, in der sowohl die Spieler, als auch die Fans die vorherigen Wochen und Monate vergessen können und werden. Wagner wird die Truppe erneut bis in die Haarspitzen motivieren können. Bis zum Samstag muss man dann weiterhin an den entsprechenden Stellen arbeiten, um einen wichtigen Sieg mitzunehmen, und um weitere Schritte zu gehen.