Der Wurm, der aktuell beim​ ​FC Bayern München beheimatet ist, frisst sich weiter durch den Verein. ​Gegen den FC Augsburg kam der FCB trotz zwischenzeitlicher Führung nicht über ein 2:2 hinaus. Damit steht der stolze Stern des Südens mit 15 Punkten aus acht Spielen lediglich auf Platz drei, kann sogar noch auf den vierten Platz abrutschen.


Kurz nach Anpfiff fiel das 0:1, kurz vor Abpfiff das ​2:2. Die Bayern zeigten sich in den entscheidenen Momentan unkonzentriert und verwundbar. Im eigenen Spiel machten die Münchner hingegen vieles richtig - aber eben nicht alles. Chancenwucher, drückende Überlegenheit, Spiel auf ein Tor. Nennen wir das Kind beim Namen: Bayern München hat sich die Niederlage selbst zuzuschreiben.


Die Frage nach der Entwicklung


Und genau das verwundert: Ist der FCB nicht genau dafür bekannt, bis zur letzten Minute gefährlich und hungrig zu sein? Nicht umsonst feierten die Münchner in den letzten Jahren hohe Siege ohne Ende, nicht umsonst erwarb man sich den Ruf einer erbarmungslosen Mannschaft. Dass man sich nach der 2:1-Niederlage gegen ​Hoffenheim am Spieltag zuvor nun wieder so anfällig zeigt, fällt aus dem Muster raus.


Die Stimmung in München ist nun jedenfalls endgültig gekippt. Wie die Bild schreibt, verweigerten alle Verantwortlichen des FCB nach dem Spiel die Medienanfragen. Gemeinsam wird mal wohl nun überlegen, wo die Ursache für diese Entwicklung liegt.

Denn 'Entwicklung' ist das Stichwort, das in München besonders Ärger macht. Es gibt nämlich keine - zumindest nicht nach oben. Dass der FCB Fußballspielen kann, zeigt nicht zuletzt das 7:2 in der ​Champions League gegen Tottenham. Dass der FC Bayern allerdings nicht konstant ist, zeigen die Ergebnisse in der Liga. Und das Konstanz für den Erfolg elementar ist, ist wohl nichts Neues.


Doch warum treten die Bayern auf der Stelle?


Erste Antwort ist hier bei vielen Fans der Trainer. Unter Niko Kovac zeigt sich der FCB schon seit Amtsantritt im Sommer 2018 schwankend, anfällig und ohne den nötigen Punch. Dass die Bayern unter dem Kroaten im Schnitt  "nur" zwei aus drei Spielen gewinnen, ist untypisch für den Verein. Dass sie allerdings unter Konzentrationsproblemen leiden und oft der Fokus nicht auf dem Spiel liegt, wird langsam jedoch zum neuen Markenzeichen.


Bundesligabilanz von Niko Kovac

​SpieleSiege​​Unentschieden​Niederlagen
​42​28​9​5

"Nur vier Siege aus acht Spielen – das ist nicht unser Anspruch. Wenn man nach wenigen Sekunden ein Tor kassiert und dann kurz vor Schluss noch eins, dann hat das schon eine Bedeutung", bewertet Kapitän Manuel Neuer nach dem Spiel die bisherige Saison und das Spiel gegen den ​FCA. Neuer umgeht mit seiner Formulierung gekonnt einen Begriff, der dieses Jahr durchaus Potenzial für das 'Unwort des Jahres' hat: die Mentalität.


Was bisher nur Borussia Dortmund vorenthalten war, ist inzwischen auch ein Problem des FCB geworden. Bayern München hat diese ganz bestimmte, zuvor schon als erbarmungslos definierte Einstellung verloren. Trainer Kovac vertritt nicht das Profil der Bayern, welches sie sich in den letzten Jahren aufgebaut haben.


Kovac selbst sorgt nicht zuletzt für dieses Problem. Durch seinen, in dem Medien oft kritisierten Umgang mit Spielern (​Thomas Müller​Javi Martinez) und auch sonstigen oft unüberlegten Aussagen, bringt der Trainer unnötige Unruhe in den Verein. Der Fokus auf das Spiel geht verloren, der FCB muss zunächst immer andere Probleme lösen. Zudem wirkt Kovac nicht so, als ob der den Klub irgendwie unter Kontrolle hält. Auch verkörpert er (noch) nicht den absoluten Ehrgeiz und die Gier nach Erfolg.


Besinnung auf das Wesentliche


Wäre das 2:2 am gestrigen Samstag der erste Rückschlag der Bayern in dieser Saison gewesen, könnte mal wohl von einem Ausrutscher reden. Doch das Unentschieden reiht sich in eine ganze Menge Rückschläge in der noch jungen Saison ein. So sensationell das Spielergebnis war - so richtig überraschend kam es irgendwie nicht. Das zeigt, wie sehr die Bayern schon an ihrem Ruf knabbern mussten.


Der FCB und allen voran Niko Kovac müssen nun schleunigst versuchen, wieder Ruhe in den Verein zu bringen. Keine Aussagen mehr über Spieler, kein Ausruhen mehr auf den Erfolgen der letzten Jahre. Die Bayern sind selbst zum Jäger geworden, doch vielleicht ist das auch gut so. Denn als Jäger darfst du dir keine Fehler erlauben. Und genau das zeichnet im Grunde den FC Bayern aus.