Der Man of the Match beim ​3:0-Erfolg von ​Eintracht Frankfurt über ​Bayer Leverkusen war zweifelsfrei Frederik Rönnow. Der 27-jährige Schlussmann konnte sich erstmals so wirklich im Tor der Hessen auszeichnen, erhielt nach der Partie ein großes Lob von allen Seiten und freute sich über seinen persönlichen Erfolg.


Denn seit dem Schritt von Bröndby IF zur Frankfurter Eintracht, wo er ein drittes Mal in seiner Laufbahn den abgewanderten Lukas Hradecky beerben sollte, ​lief nahezu alles schief, was schief hätte laufen können. Knieprobleme, eine schwache Leistung beim 0:5 im Supercup gegen Bayern München und die späte Verpflichtung von Kevin Trapp straften Rönnow mit einem Platz auf der Bank ab. 


Nach einer Verletzung an der Schulter und der Rückkehr von Trapp, der nach einem Jahr auf Leihbasis entgegen einer Ablösesumme für sieben Millionen Euro bis 2024 unter Vertrag genommen wurde, sah es wieder nach einem schwierigen Jahr aus - ehe Trapp selbst eine Schulterverletzung erlitt. Das Fußballjahr 2019 ist für den 29-Jährigen gelaufen, wie schon in den Spielen gegen Vitória Guimaraes (1:0) und Werder Bremen (2:2) musste Rönnow also auch gegen Bayer Leverkusen aushelfen.


Vaterfreuden am Donnerstag, Bundesliga am Freitag


Die Vorbereitung auf das Spiel war jedoch kürzer als gedacht. Am Donnerstag wurde Sohn Theodor geboren, ans Abschlusstraining war deswegen gar nicht erst zu denken. "Ich habe von Dienstag bis Donnerstagabend kaum geschlafen", gab Rönnow laut kicker zu - Trainer Adi Hütter hatte jedoch keine Bedenken, ihn aufzustellen.


"Ich denke schon, dass ein Kind zusätzlich Power, Energie und Liebe gibt, um so ein gutes Spiel zu machen", so der Österreicher, der um die spezielle Situation eines Ersatztorhüters weiß. In dieser Rolle sei es "schwierig, das zu zeigen, was man kann, wenn man maximal ein, zwei Spiele spielt", die vergangenen Tage werden Rönnow aber wohl "ewig in Erinnerung bleiben."

Denn auf dem Platz blühte er auf, vereitelte besonders in Durchgang zwei zahlreiche Großchancen. Noch vor der Pause parierte er einen Drehschuss von Lucas Alario (42.), in Minute 66 war er bei einem Kopfball des Argentiniers aus wenigen Metern zur Stelle. Karim Bellarabi scheiterte mit drei flachen Distanzschüssen (53., 56., 69.) ebenso wie Kai Havertz, dessen von Makoto Hasebe abgefälschter Schuss die zweitgrößte Möglichkeit auf den Anschlusstreffer war (76.)


Das Glück des Tüchtigen zahlte sich am anderen Ende des Spielfeldes aus, als Bas Dost mit dem dritten Treffer des Abends für die Entscheidung sorgte. Frankfurt hält mit 14 Punkten den Anschluss an die Europapokalplätze, aufgrund der direkten Duelle zwischen RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg (Samstag, 15:30 Uhr) sowie Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18:30 Uhr) könnte die Eintracht noch dichter heranrücken. 


Rönnows "emotionale" Woche


Das ist vor allem der Leistung von Rönnow zu verdanken. "Wir lieben Trapp, aber wir müssen auch sehr glücklich darüber sein, dass wir Rönnow haben. Er ist ein großer Torhüter", adelte Doppeltorschütze Goncalo Paciencia den Keeper, der gar nicht so recht wusste, wie ihm geschah: "Das ist ein wirklich großer Abend für mich. Das letzte Jahr war hart für mich, aber ich wusste, dass ich die Fähigkeiten habe, so zu performen. Jetzt habe ich das gezeigt und bin sehr glücklich."


Die Ereignisse der vergangenen Tage haben für eine "emotionale" Woche gesorgt, "das hätte ich mir nicht erträumen können", so Rönnow scherzhaft, "auch, weil ich nicht viel geschlafen habe. Da war es schwierig zu träumen." 


Ein besonderer Dank galt den Fans, die ihre Mannschaft wie im jeden Heimspiel bis an ihre Leistungsgrenze brachte und Rönnow nach dem Spiel in die Kurve lotste. "Nach einem schwierigen Jahr bin ich sehr glücklich und dankbar für diesen Support, das bedeutet mir viel." Bis zum Ende der Hinrunde wird er diese Atmosphäre noch häufiger genießen können, im neuen Jahr beginnt der Konkurrenzkampf mit Trapp aber wieder von vorne. Mit Leistungen wie diesen erweist er sich als hartnäckiger Konkurrent.