Zurzeit befindet sich ​Borussia Dortmund in einer kleinen Formkrise. Neben den fehlenden Siegen der letzten Wochen scheint das Team über die vergangenen Monate wenige Schritte in der Entwicklung zu gehen. Diese Unzufriedenheit spüre man, so Sebastian Kehl. Eine Trainerdiskussion führe man allerdings nicht beim BVB.


Mit einer Serie von drei Unentschieden in der ​Bundesliga scheint man bei Borussia Dortmund auf dem Weg in eine (noch?) kleine Formkrise zu sein. Doch es sind nicht nur die ausbleibenden Siege in der Liga, die zuletzt für Unmut sorgten. Mittlerweile scheint auch Lucien Favre nicht mehr unumstritten zu sein, vor allem im Fanlager gibt es regelmäßig lebendige Diskussionen. 


Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB, hat in einem Interview mit der WAZ über die aktuelle Situation, über die Kritik am Trainer und weitere interessante Details gesprochen. 


Man will sich nicht verrückt machen lassen - Keine Mentalitäts-Diskussion


"Die Unzufriedenheit ist spürbar", so Kehl. Das merkt man auch von außen. Einige Spieler befinden sich derzeit nicht in ihrer Topform und Trainer Lucien Favre scheint über die letzten Liga-Spiele nicht die richtigen Knöpfe gefunden zu haben, um sich wiederholende Fehler abzustellen. Man wolle sich dennoch nicht verrückt machen lassen, betonte der 39-Jährige, der selbst fast 14 Jahre lang für Dortmund spielte. 


Immerhin sei der Abstand nach oben noch nicht groß und alles noch in Reichweite. Dass man gegen ​Eintracht Frankfurt, ​Werder Bremen und den ​SC Freiburg das Spiel nicht hat vorher entscheiden können, ärgert auch Kehl: "Da hat uns im entscheidenden Moment Konzentration gefehlt, auch die absolute Haltung, die Gier, das Spiel zu gewinnen." Was andere unter dem Stichwort der Mentalität umfassen würden, lehnt er jedoch ab: "Jeder versteht unter Mentalität etwas anderes, und fast die gleiche Mannschaft hat im vergangenen Jahr 76 Punkte geholt." Zudem habe man diese Diskussion bereits zur Genüge geführt.


Kritik an Favre wiegelt er ab - lieber gewinnen, als schön spielen


Die Kritik am Trainer, die zuletzt gewachsen ist, ​nimmt man natürlich auch im Verein wahr. Kehl erlebe Favre jedoch nicht verändert, sondern weiterhin "sehr aufgeräumt, mit klaren Vorstellungen." Der Schweizer habe halt seine Art und Weise, wie er arbeitet, er geht den Weg, von dem er überzeugt ist. "Wir führen keine Trainerdiskussion", stellte Kehl ebenfalls klar. 


Man müsse den Fokus darauf legen, gute Spiele abzuliefern - wie man es bereits gegen ​Bayern München, den ​FC Barcelona oder ​Bayer Leverkusen geschafft habe. Ihm persönlich sei es zunächst "viel wichtiger, dass wir unsere Spiele gewinnen, als dass wir schön spielen." Fußball ist und bleibt nunmal ein Ergebnissport, in dem man als Verein mit Meisterschafts-Ambitionen den Anschluss an die oberen Plätze nicht verlieren sollte. Man müsse auch die Momente annehmen, in denen man gemeinsam verteidigen, sicher stehen und die Umschaltmomente nutzt. "Diese Balance müssen wir finden."

Marco Reus

War schon einmal in besserer Form: BVB-Kapitän Marco Reus



Währenddessen läuft es auch bei einigen Spielern nicht so, wie man es gerne hätte. Marco Reus und Manuel Akanji befinden sich in einer Formkrise, Julian Brandt ist noch nicht wirklich "zu 100 Prozent angekommen", wie Kehl es gegenüber der WAZ formulierte. Er schätzt, man brauche zurzeit vor allem ein Erfolgserlebnis, den berühmten "Knotenlöser".


Meisterschaft noch immer als Ziel: "Wir sind erst am siebten Spieltag"


Den Kampf um die Meisterschaft gibt Kehl natürlich noch nicht auf, und auf eine Verschiebung der Thematik spielt er nicht an (á la "von Spiel zu Spiel..."): "Wir sind erst am siebten Spieltag." Die mutige Aussage vor der Saison, um den Titel spielen zu wollen, hält er ebenfalls weiterhin für richtig. Schließlich wollte man nach der erfolgreichen letzten Saison den nächsten Schritt gehen. "Ich glaube weiterhin an den erfolgreichen Weg von Borussia Dortmund. Wir können noch einiges reißen", gibt Kehl optimistisch und kämpferisch aus. 


Ebenso optimistisch geht er das ​spannende Duell gegen ​Borussia Mönchengladbach am Samstagabend an. "Ich habe solche Situationen, solche Herausforderungen als Spieler geliebt. Ich gehe davon aus, dass die Jungs das am Samstag genauso sehen, sich zerreißen", denn dann ​könne man Gladbach zusammen mit dem heimischen Publikum auch schlagen.