​In den letzten Tagen schwirrte immer wieder das Gerücht über ein Interesse des​ FC Bayern München an den Diensten des dänischen Nationalspielers ​Christian Eriksen durch die Medien. Der hat seinem aktuellen Klub Tottenham Hotspur bereits mitgeteilt, seine Zukunft außerhalb der New White Hart Lane zu sehen. Doch Lothar Matthäus rät seinem Ex-Klub von der Verpflichtung des Spielers (der auch von ​Real Madrid umworben wird) kategorisch ab. 


Für Matthäus ist Eriksen "nicht gut genug"


Und stellt sich damit gegen die Meinung der großen Mehrheit der sogenannten Fußball-Experten. Die schwärmen von den teils genialen Pässen des Spielmachers, seiner Übersicht und seiner Ruhe am Ball. 


Doch für den immer noch Rekordnationalspieler Deutschlands (150 Länderspiele) reichen diese Attribute allein nicht aus, um einen Klub wie den deutschen Rekordmeister besser zu machen. 

Gegenüber Sport1 sagte Matthäus in schonungsloser Direktheit: "Wenn er für Tottenham nicht genug ist, ist er auch nicht gut genug für die Bayern."


Und weiter: "Uli Hoeneß hat auch schon mal gesagt, dass die Bayern keine Ersatzspieler brauchen." Über die Bezeichnung "Ersatzspieler" kann man bei Eriksen im Zusammenhang mit Tottenham Hotspur durchaus anderer Meinung sein. 


Tücken der Sprache: Der Satz (wenn Hoeneß ihn denn so formuliert hat) könnte natürlich auch so gemeint sein, dass Matthäus (bzw. Hoeneß) in dem Dänen einen zukünftigen Einwechselspieler bei den Bayern sieht. Aber auch das wäre eine gewagte Prognose. 


Konkret auf den Spielertypus und seine Eigenschaften bezogen, konstatiert der ehemalige Bayern-Kapitän darüberhinaus: "Eriksen ist zwar ein feiner Techniker, eine typische Nummer 10. Er ist aber zu langsam und Niko Kovac steht auf schnelle Spieler. Für mich ist Eriksen kein Spieler, der auf höchstem Niveau den Unterschied ausmacht."

 

Stattdessen solle man sich im kommenden Sommer eher auf eine Verpflichtung von Kai Havertz konzentrieren. 


Statistik spricht deutliche Sprache


Nun dann: Christian Eriksen spielt seit der Saison 2013/14 in der vermutlich stärksten Liga der Welt. 214 Einsätze in dieser Zeit lassen schon erahnen, dass er mehr als ein Einwechselspieler ist. Ein genauer Blick auf seine Leistungsdaten (transfermarkt.de) zeigt dann auch: Die meisten seiner Spiele hat er über mehr als 70 Minuten gespielt, viele über die komplette Spielzeit. Er war (und ist) also alles andere als ein Einwechselspieler, sondern ein Stammspieler, wie er im Buche steht. 


50 eigene Tore und 65 Vorlagen in besagten 214 ​Premier-League-Spielen lassen ebenfalls tief blicken. Wir reden über eine Torbeteiligung in mehr als jedem zweiten Spiel, was absolute Klasse impliziert. Zumal diese Daten bei einem Klub wie Tottenham Hotspur generiert wurden. Nicht in Starensembles wie dem früheren Chelsea oder dem jetzigen ​Manchester City, in denen es immer leichter ist zu glänzen. 


Somit ist der aus Matthäus' Mund gekommene Begriff des Einwechselspielers entweder ein falsches Zitat seines ehemaligen Chefs oder tatsächlich seine (bzw. Hoeneß') Zukunftsvision von Eriksen in München. Aber ein weiteres wird außer Acht gelassen: Warum kann denn ein angeblich so langsamer Spieler wie Eriksen dann so erfolgreich in der High-Speed-Liga Premier League sein? 


Nicht nur Schnelligkeit gefragt


Und ist es für einen Mittelfeldspieler vorrangig nicht wichtiger, mit dem Ball umgehen zu können? Auch Zinédine Zidane war ja kein Wirbelwind. Und jetzt soll mir keiner mit dem Argument kommen, dass der ja nicht in England gespielt habe. 


Zizou in seinen besten Zeiten hätte jede Liga der Welt aufgemischt. Weil es im Fußball eben auf mehr als nur Rennen und Schnelligkeit ankommt. Dafür kannst du dir andere Spieler kaufen - die Qualitäten eines Mittelfeld-Regisseurs (Ballsicherheit, Übersicht, Ideenreichtum) werden auch in den nächsten hundert Jahren noch gefragt sein. 


Vielleicht redet man sich in München ja auch nur die Tatsache schön, dass der Däne selbst wohl eher zu einem Wechsel nach Spanien (Real Madrid) denn in die Bundesliga tendiert. Nach dem Motto: Wir können ihn nicht haben - aber wir wollen ihn ja auch gar nicht. 


Auf jeden Fall wird der Verein, der Eriksen am Ende unter Vertrag nimmt, einen überragenden Kicker bekommen, der im Verbund mit dem Rest des Personals durchaus den Unterschied machen kann.